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08.05.2003
Staatsanwalt fordert Haft für radikalen Lehrer - Weil er am Brandanschlag auf ein asiatisches Bistro in Wismar beteiligt war, soll ein Lehrer für drei Jahre hinter Gitter. Das zumindest forderte gestern die Schweriner Staatsanwaltschaft.
Schwerin (OZ) Echte deutsche Kameradschaft hält was aus. Da geht man notfalls auch gemeinsam in den Knast. Logische Konsequenz der merkwürdigen Allianz zwischen Guido S., dem 37-jährigen Musiklehrer aus Neukloster, und seinen beiden 19-jährigen Kameraden Jens G. und Candy G..
Die drei waren im November 2002 am Brandanschlag auf einen Asia-Imbiss in Wismar beteiligt. Das Vorhaben scheiterte, weil jemand gerade noch rechtzeitig die Polizei alarmierte. Die Staatsanwaltschaft geht von einem rechtsextremistischen Anschlag aus und forderte gestern am Schweriner Landgericht drei Jahre Haft für Guido S. Für die beiden 19-Jährigen hielt sie dreieinhalb beziehungsweise fünf Jahre Haft für angemessen. Eine Forderung, die die beiden Jugendlichen mit unsicheren Blicken auf ihre Verteidigerinnen zur Kenntnis nahmen. Guido S. hingegen hing offensichtlich ganz anderen Gedanken nach.
Vielleicht dachte er während des Plädoyers der Staatsanwaltschaft an jenen 4. November 2002. Den Tag, an dem seine deutschnationale Kameradschaft auf eine harte Probe gestellt wurde. Abends gegen 20 Uhr waren Jens und Candy zu ihm gekommen. Die Jungs, die Guido S. bei einem NPD-Treffen kennen gelernt hatte, waren schon nicht mehr ganz nüchtern, als sie ihm von ihrem Vorhaben berichteten. Sie wollten einen Asia-Imbiss in Wismar in Brand stecken.
Guido S. versicherte während des Prozesses, dass er ihnen davon abgeraten habe, weil solch ein Akt "das Ansehen der nationalen
Bewegung schädige". Das sahen die beiden Jugendlichen allerdings anders. Sie forderten von Guido S. angeblich einen Beweis dafür, dass sein "Schwur auf Ehre und Vaterland" nicht nur einfach so dahin gesagt, sondern ernst gemeint war. Kameradschaftsgeist eben. "Als Pädagoge sah ich da eine Verantwortung als Vorbild", erklärte Guido S. Er besorgte einen Benzinkanister, fuhr die Jungs in die Nähe des Tatortes und wartete im Übrigen ab, was passiert. Wenig später nahm die Polizei die Jugendlichen fest. Guido S. hingegen fuhr heim und war "sehr mitgenommen von allem."
Der Verteidiger von Guido S. versuchte gestern, dessen Kameradschaftsgeist zu erklären. "Mein Mandant hat eine bizarre sado-masochistische Persönlichkeitsstörung und ist deshalb nur vermindert schuldfähig". Er plädierte für eine Geldstrafe.
Am Freitag soll voraussichtlich das Urteil fallen.
MANUELA PFOHL
Ostseezeitung
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