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30.04.2003
Bei religiösen Festen wird es eng - Pläne für ein jüdisches Gemeindezentrum in Schwerin - Förderverein sammelt Spenden
Altstadt Fast 900 Mitglieder hat inzwischen die Jüdische Gemeinde in Schwerin. Mit Unterstützung eines Fördervereins soll nun Geld für ein Gemeindezentrum an historischer Stätte gesammelt werden.
Wenn Landesrabbiner William Wolff wie kürzlich mit den Gläubigen das Passahfest feiern will, dann platzen die Räumlichkeiten in der Schlachterstraße schnell aus allen Nähten. Nur etwa 40 Plätze gibt es zum Beispiel im Gebetsraum, und die sind schnell belegt.
Die Anwesenheit bei den Gottesdiensten habe enorm zugenommen, berichten Valeriy Bunimov, der Landesvorsitzende der Jüdischen Gemeinde, und Volodymyr Yankelevych, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Schwerin. "Aber wir wissen nicht, wie wir die Menschen unterbringen sollen."
In einem Jahr werde die Jüdische Gemeinde in Rostock eine Synagoge bekommen, sagt Bunimov. Und auch die Schweriner Gemeinde benötige dringend ein solches Zentrum, schließlich wachse die Gemeinde in jedem Jahr um 100 Mitglieder. Schon jetzt umfasse die Gemeinschaft, die nicht-jüdischen Ehepartner mitgerechnet, rund 1500 Erwachsene und Kinder.
Wie nun das jüdische Gemeindezentrum in Schwerin aussehen könnte, dazu gibt es bereits einen Plan. Entworfen hat ihn der Architekt Stefan Rimpel. In einem ersten Bauabschnitt soll zunächst die historische Bausubstanz der Gebäude Schlachterstraße 3, 5 und 7 sowie Großer Moor 12 erhalten und grundlegend saniert werden.
Hinter dem Gebäude Schlachterstraße 7 soll dann in einem zweiten Bauabschnitt ein "synagogales Gebäude" für Gottesdienste und Veranstaltungen mit etwa 240 Sitzplätzen entstehen, fast genau an dem Ort, an dem bis 1938 auch die Synagoge stand. Als Grundkörper schwebt Architekt Rimpel ein monolythischer Lehmblock mit einer Kupferaußenhaut vor. In dem neuen 18 mal 19 Meter großen Gebäude sollen auch das Büro des Rabbiners und eine Küche untergebracht sein.
Wohnen soll der Rabbiner wie jetzt bereits in einem der dann sanierten alten Gebäude. Sie sollen außerdem weiter Anlaufstelle für die Gemeindemitglieder sein. Auch an einen Ausstellungsraum ist gedacht.
Rund vier Millionen Euro wird das Gemeindezentrum voraussichtlich kosten. Zumindest einen Teil der Summe will der eigens gegründete "Förderverein Jüdisches Gemeindezentrum Schwerin" über Spenden aufbringen. Den Vorsitz des Vereins mit derzeit 22 Mitgliedern hat Stadtpräsident Dr. Armin Jäger übernommen. Er sehe das Engagement des Vereins auch als einen Beitrag der heutigen Generation, damit es in Schwerin wieder jüdisches Gemeindeleben geben könne, sagt Jäger und lobt die Integrationsarbeit der jüdischen Gemeinde.
Lieber heute als morgen würden der Förderverein, dem nur noch die Eintragung ins Vereinsregister fehlt, und die Jüdische Gemeinde die Baumaßnahmen auf den Weg bringen. Doch ohne die Unterstützung von Stadt und Land wird es nicht gehen. Da sind sich alle Beteiligten einig.
Christian Koepke
Schweriner Volkszeitung-Schwerin
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