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25.04.2003
Rostocker Innenstadt soll morgen bunt statt braun sein - Friedensbündnis will Nazidemo verhindern
Stadtmitte (OZ) Die Nachricht, dass die Stadtverwaltung den für morgen geplanten Aufmarsch von Rechtsextremisten durch die Innenstadt genehmigt hat, sorgt bei Bürgern, Verbänden und in der Wirtschaft für Empörung.
CDU-Bürgerschaftsmitglied Bernd Andresen fordert die Stadtverwaltung auf, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, die "Lügenveranstaltung" zu verhindern. Wäre der Aufmarsch nicht zu verhindern, so Andresen, müsste die Stadt dennoch das wichtige politische Signal setzen, den Aufmarschort zumindest aus der "guten Stube" der Stadt, den die Bürger liebevoll Boulevard nennen, zu verbannen. Andresen, der auch Vorsitzender des aus Unternehmern bestehenden Rostocker Kreises ist, appelliert an die Einzelhändler in der Innenstadt, für die Dauer der Kundgebung demonstrativ ihre Geschäfte zu schließen.
Mit "Befremden" und "Enttäuschung" reagierte gestern der Einzelhandelsverband. Es sei nicht einmal versucht worden, für das Eröffnungswochen-ende der Weltausstellung IGA die Versammlung aus der Hauptgeschäftszone der Stadt zu verbannen, so Landesgeschäftsführer Heinz Kopp. Er unterstützt die Haltung, wenn Einzelhandelsgeschäfte aus Protest am Sonnabend ihre Geschäfte nicht öffnen, auch wenn es sich der Handel in der gegenwärtigen Zeit wirtschaftlich nicht leisten könne.
Das Rostocker Friedensbündnis, dem mehr als 30 Organisationen angehören, will noch per Gerichtsbeschluss verhindern, dass der Aufmarsch morgen die Rostocker Innenstadt blockiert. Seit Wochen lädt das Bündnis sonnabends zum Nachdenken gegen Krieg und Gewalt auf den Rostocker Universitätsplatz ein und will diese Tradition auch morgen ab 11 Uhr fortsetzen. Auch an der Marienkirche wird es eine Zusammenkunft geben, die der Bombennächte in Rostocks Innenstadt und der Kriegsopfer gedenkt.
Bereits ab 10 Uhr trifft sich an der Friedenseiche beim Steintor eine von der Bürgerschaftsfraktion Bündnis 90 organisierte Mahnwache, die an die Opfer von Terror und Gewalt erinnert. Jeder kann dort selbst seine Gedanken zu dem Thema in Worte fassen. Dort werden außerdem Spenden für den Wiederaufbau einer Schule in Nassajir im Irak gesammelt und es gibt Informationen des Vereines "Das arabische Zelt" zu den Folgen des Irak-Krieges.
Auch die PDS, der ver.di Bezirk Rostock und der Verein "Bunt statt Braun" rufen die Bürger dazu auf, Zivilcourage gegen den rechten Aufmarsch zu zeigen. Gleichzeitig hoffen sie, dass die Stadt doch noch rechtliche Schritte gegen die Kundgebung unternimmt. Anderenfalls erwarten sie von den Repräsentanten der Stadt, dass sie sich öffentlich gegen den Aufmarsch wenden.
Bisher schweigen sie allerdings beharrlich. Bis Redaktionsschluss lagen weder Stellungnahmen von Oberbürgermeister Arno Pöker (SPD) noch von seiner Stellvertreterin Ida Schillen (parteilos) vor.
ANDREAS EBEL und DAGMAR AMM
Ostseezeitung
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25.04.2003
Empörte Reaktion auf Nazi-Marsch in Rostock
Rostock (OZ) Neo-Nazis planen morgen einen Aufmarsch durch die Rostocker Innenstadt. Bernd Andresen, CDU-Mitglied der Rostocker Bürgerschaft, fordert als Reaktion darauf in einem offenen Brief den Einzelhandel auf, morgen während des "braunen Aufmarsches" die Geschäfte in der Innenstadt "demonstrativ zu schließen". Die Hansestadt Rostock hatte dem Antrag der Neo-Nazis zum Aufmarsch am Eröffnungswochenende der IGA widerstandslos stattgegeben (OZ berichtete).
"Die Stadt hat nicht einmal den Versuch unternommen, die Versammlung aus der Einkaufsmeile zu verbannen", empört sich Andresen. "Die Zeche hierfür wird auch der Einzelhandel zu zahlen haben." Das befürchtet auch der Chef des Einzelhandelsverbandes Nord-Ost, Heinz Kopp. Die Händler hätten sich vom ersten IGA-Wochenende ein gutes Geschäft erhofft. Doch kaum jemand käme zum Shoppen in die "gute Stube", wenn Hunderschaften der Polizei den Boulevard säumen.
Auch mehrere OZ-Leser äußerten gestern ihren Unmut zum geplanten Aufmarsch der Rechten in Rostock.
Ostseezeitung
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25.04.2003
Bürger sind empört über Stadtverwaltung
Stadtmitte (OZ) Zahlreiche Meinungen von Lesern erreichten uns gestern zur Genehmigung des Nazi-Aufmarsches durch die Hansestadt.
"Ein ungeheuerlicher Skandal", erklärte Mathias Müller aus Evershagen. Er fragt sich: "In was für einer Stadt leben wir eigentlich?" Einerseits seien die internationale Presse und Besucher aus aller Welt zu Gast in Rostock, auf der anderen Seite ließe Oberbürgermeister Arno Pöker einen Nazi-Propagandamarsch durch die Innenstadt zu. Dagegen werde eine Protestveranstaltung nicht genehmigt. Müllers Fazit: "Das zeugt wirklich von einem 'weltoffenen' Rostock!"
Aus Hannover meldete sich Reno Neumann zu Wort: "Wer die Taktik der Aufmärsche von Neonazis um Christian Worch analysiert, erkennt schnell: Es geht vor allem um Öffentlichkeit." Nichts treffe die Nazis mehr als Ignorieren - Gerichtsverfahren oder Zeitungsartikel sind seiner Meinung nicht wirksam. Er schlägt vor: "Intelligente Zeichen wie Plakataktionen entlang der Aufmarschstrecke demonstrieren wesentlich besser und wirkungsvoller, was die Mehrheit der denkenden Menschen bei so einem Aufmarsch empfindet." Wichtigste Aufgabe sei immer die Aufklärung über verbrecherische Ideologien und die eigene Geschichte.
Harald Karger aus Ribnitz-Damgarten fordert: "Die Bürger der Hansestadt sollten ihre Stimme erheben und es den Politikern verbieten, der Stadt eine weitere Schmach angedeihen zu lassen." Er kann sich nicht vorstellen, dass "hier Stadtvertreter im Namen ihrer Bürger handeln". Und fragt sich: "Wie will man solches Verhalten mit einer Olympia-Bewerbung vereinbaren?" Herr Karger würde einem "braunen Rostock" in jedem Fall eine Absage für Olympia erteilen.
Um den Ruf als Bewerberstadt für die Olympischen Spiele sorgt sich auch Rüdiger Sälhoff aus Toitenwinkel. Er fragt sich, ob die anderen Bewerber bei solchen Schlagzeilen überhaupt noch auf den Start der Internationalen Gartenbauausstellung blicken.
"Obwohl ich in Stralsund lebe, ist Rostock auch meine Stadt", erklärt S. H. Bundt. Sie sei hier geboren, habe hier studiert und freue sich immer wieder auf einen Besuch in dieser schönen, alten Hansestadt. "Entsetzt las ich über den erlaubten Aufmarsch der Braunen", erklärt sie. Ihr fehlten die Worte und sie hofft, dass es Lesern der OZ genauso geht. Und: "Die Toten des Krieges sollen benutzt werden und das Rathaus lässt es zu." Rostock habe das Attribut "braun" nicht verdient, deshalb unterstützt Frau Bundt das Friedensbündnis und erwartet Courage von der Stadt.
Ostseezeitung
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