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19.04.2003
Landesvorgaben sind die eigentliche Ursache - Thema Asylbewerberheim in Grimmen: OZ-Gespräch mit Stadtpräsident Harry Glawe
Grimmen (OZ) Im alten Grimmener Seniorenzentrum sollen Asylbewerber einquartiert werden. Das ist eine Überlegung des Landkreises. Die eigentliche Ursache liegt aber woanders, meint Stadtpräsident Harry Glawe - in den Vorgaben des Landes.
Die neue Verordnung für Mindestanforderungen an die sogenannten Gemeinschaftsunterkünfte sehen u. a. vor, dass sich die Heime nur in bzw. im Anschluss an einen im Zusammenhang bebauten Ortsteil befinden sollen. Zum anderen hat jeder Asylbewerber Anrecht auf mindestens sechs Quadratmeter Wohnraum (bisher 4,5 qm).
Die erste Vorgabe sieht Harry Glawe von drei der vier nordvorpommerschen Asylbewerberheime erfüllt. Miltzow, Kakernehl und Martensdorf befinden sich in Ortslagen, nur Saal liege dezentral. Das Landesamt für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten strebt aber an, "alle vier Gemeinschaftsunterkünfte bei Gelegenheit aufzugeben." Die neue Verordnung gibt auch den Zeitrahmen vor - bis zum 31. Dezember 2003 müssen die Vorgaben umgesetzt sein.
"290 Asylbewerber in Grimmen wird es nicht geben", spricht sich Stadtpräsident Glawe rigoros gegen eine solche Konzentration im ehemaligen Seniorenzentrum aus. Die helfe den Leuten nicht, die integriert werden sollen. Außerdem wäre es - gemessen am prozentualen Anteil der Bevölkerung - eine viel zu hohe Konzentrationsquote für Grimmen.
Die Immobilie gehöre nicht der Stadt. Als Eigentümer müsse der Kreis entscheiden, was damit passiert, sagt Harry Glawe. Er ist zugleich Vorsitzender des Gesundheits- und Sozialausschusses (GSA) des Kreistages. Auch dieser Ausschuss hat sich mehrheitlich dagegen ausgesprochen, eine solche hohe Zahl von Asylbewerbern im alten "Uns Hüsung" einzuquartieren. Harry Glawe wird im Auftrag des GSA jetzt eine Einladung für ein Gespräch an das Landesamt für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten aussprechen. Mitte Mai soll eine fachliche Diskussion zum Thema Asylbewerberheim in Grimmen stattfinden, so der Wunsch des Gesundheits- und Sozialausschusses.
Wie sieht die gegenwärtige Belegung der vier Heime Nordvorpommerns aus? Dazu gibt eine Analyse des Kreissozialamtes Auskunft. Nimmt man anhand der neuen Verordnung die sechs Quadratmeter Wohnraum je Asylbewerber als Grundlage, hätten die jetzigen vier Heime insgesamt 287 Plätze zu bieten. Per 31. März 2003 waren 222 Personen tatsächlich anwesend. Das entsprach einer Auslastung von 77,35 Prozent. 25 Menschen waren in Wohnungen in Grimmen, Barth, Lüdershagen und Niepars dezentral untergebracht.
PETER SCHLAG
Ostseezeitung-Grimmen
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