Presse-Schau

worüber wird in den Medien geschrieben?

zurück zu den News

17.04.2003
Von blindem Völkerhass verblendet - Zehn Rostocker Neonazis vor Gericht

Zehn junge Rostocker stehen seit gestern wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Volksverhetzung, Sachbeschädigung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vor dem Landgericht Rostock. Sie werden beschuldigt, Mitglieder einer rechtsgerichteten Kameradschaft gewesen zu sein und u. a. "den Sturz des Systems und den Tod aller Juden" gefordert zu haben.

Antje K. (21), Mathias K. (18), Nadine M. (18), André H. (18), Christopher R. (18), Roger B. (18), Thomas R. (17), Thomas H. (19), Sebastian D. (17) und Frank H. (17) sollen vom 13. Oktober 2001 bis zum 16. März 2002 an öffentliche Gebäude wie die Stadthalle, an Kaufhallen in der Südstadt und an Wohnhäuser in verschiedenen Straßen rechtsgerichtete Parolen gesprüht haben. Unter anderem waren die Schriftzüge "Juden raus!", "Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen" und "Deutsche Kinder spielen nicht mit Ausländern" zu lesen.Sie hätten jede Parole mit dem Keltenkreuz sowie den Initialen "NW", was soviel wie "Nationaler Widerstand" bedeutet, unterzeichnet. Alle Angeklagten erklärten sich gestern bereit, zu den Vorwürfen Aussagen zu machen.

Antje K. als Älteste legte ein umfassendes Geständnis ab. Sie gab zu, die Kameradschaft "Bund deutscher Kameraden" (BdK) gegründet und ihr vorgestanden zu haben. Allerdings gab es nicht viel abzustreiten. Antje K. hatte akribisch Buch geführt. So lagen dem Gericht die Protokolle der Sitzungen der Kameradschaft, die Regeln der Vereinigung, Redemanuskripte und sogar die Lebensläufe der einzelnen Mitglieder vor. Zu den Regeln gehörten u. a. Schweigepflicht, Höflichkeit gegenüber älteren Leuten und Kindern und auch Umweltschutz, denn der sei Heimatschutz. Antje K. erklärte gestern, in einer Rede am 13. Januar 2002 vor den BdK-Mitgliedern zum Sturz des Systems aufgerufen und den Tod aller Juden gefordert zu haben. Auf die Frage des Gerichts, was denn nach dem "Sturz des Regimes" kommen sollte, antwortete Antje K.: "Nationalsozialismus". Sie gab zu, in ihrer Wohnung einen "Altar" aufgebaut zu haben, in dem u.a. Heinrich Himmler einen Ehrenplatz einnahm. Eine andere Aufzeichnung, an der auch Mathias K. beteiligt war, enthält den Plan, in die Luftschächte des Max-Samuel-Hauses und des Gebäudes der PDS Ungeziefer und Kakerlaken zu werfen.

Alles Angeklagten waren Mitglieder des Bundes deutscher Kameraden, der im Juli 2001 von Antje K. gegründet wurde. In ihren Lebensläufen beschimpften sie Teile der Bevölkerung und forderten zum Völkerhass auf.

Antje K. versuchte gestern, auch einige Vorwürfe runterzuspielen. Vieles hätte sie gesagt, weil die Mitglieder es hören wollten. Alle Angeklagten behaupteten, ihre rechte Gesinnung aufgegeben zu haben und nicht Mitglied einer politischen Partei zu sein. Die Jugendlichen befinden sich zum größten Teil in einer Ausbildung. Antje K. ist im achten Monat schwanger.

Der Prozess wird mit Zeugenaussagen am 22. April fortgesetzt.

Ise Alm

Schweriner Volkszeitung

17.04.2003
Jugendliche wegen Volksverhetzung angeklagt

Rostock (ddp) Eine kriminelle Vereinigung von Jugendlichen soll in Rostock für mehr als 40 ausländerfeindliche und rassistische Sprühaktionen verantwortlich sein. Die zur Tatzeit im Sommer 2001 etwa 15- bis 20-Jährigen stehen seit gestern vor der Jugendkammer des Rostocker Landgerichts. Den acht Jungen und zwei Mädchen, darunter auch die Anführerin der so genannten Kameradschaft, wird unter anderem Volksverhetzung und Sachbeschädigung vorgeworfen. Außerdem soll es laut Anklage Pläne für Anschläge auf Gebäude linker und jüdischer Organisationen gegeben haben.

Am ersten Verhandlungstag bestritt keiner der Angeklagten, Mitglied des "Bundes Deutscher Kameraden" gewesen zu sein. Alle hätten sich damals zu einer rechten Gesinnung bekannt und lediglich eine feste Gemeinschaft gesucht, hieß es zur Begründung.

Das Urteil soll am Freitag nach Ostern verkündet werden.

Ostseezeitung

diskutieren? auf ins Forum!