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11.04.2003
Erster Ansprechpartner für Kriegsflüchtlinge - Gespräch über die Arbeit des Psychosozialen Zentrums und das geplante Flüchtlingsheim in Grimmen

Grimmen (OZ) Nach wie vor bestimmt die Überlegung des Landkreises, im alten Grimmener Seniorenzentrum 2Uns Hüsung" Asylbewerber unterzubringen, das Stadtgespräch.

Seit 1991 kümmert sich das Psychosoziale Zentrum (PSZ) für Migranten in Vorpommern um Flüchtlinge und Asylbewerber. Förderung der Integration und psychische Stabilisierung sind zwei der Schwerpunkte in der Arbeit des PSZ, das Mitglied im Diakonischen Werk der Pommerschen Evangelischen Kirche ist. Seit 1991 ist Projektleiter Holger Kummerow dabei - und er hat vielfältige Erlebnisse und Erfahrungen bei der Betreuung gemacht. Mancher mag bei der Unterscheidung zwischen Flüchtlingen und Asylbewerbern stutzig geworden sein. Asylbewerber sind jene Menschen, bei denen ein Asylverfahren läuft. Zu den Flüchtlingen gehören beispielsweise die Menschen aus dem Kosovo. Aus einem Kriegsgebiet, bei dem Deutschland sich bereit erklärt hat, unabhängig von einem Asylverfahren eine bestimmte Anzahl an Flüchtlingen aufzunehmen, bis sich die Lage in deren Heimatland wieder normalisiert hat. Anfangs musste das PSZ in den Asylbewerberheimen noch über seine Betreuungsangebote informieren. Mittlerweile spricht sich das per Mundpropaganda bei den Neuankömmlingen herum. "Wir sind regelmäßig in den Heimen", erzählt Holger Kummerow. Allein im vergangenen Jahr gab es 1418 Beratungsgespräche. In Englisch, Französisch, Russisch, Armenisch oder den afrikanischen Sprachen Ewe, Akan und Ga.

Absoluter Schwerpunkt bei den Gesprächen ist die ausländerrechtliche Beratung. Unkenntnis des deutschen Rechtssystemes und der Sprache lassen viele Fragen entstehen. Weitere Gesprächsschwerpunkte sind Sozialrecht - aber auch die Fluchtbewältigung.

Dahinter verbergen sich teils grausame und erschütternde Schicksale. Zwar sind die Mitarbeiter des PSZ keine ausgebildeten Therapeuten. Doch sie helfen, wo das möglich ist. "Wir sind oft der erste Ansprechpartner", erzählt Holger Kummerow. Erster Ansprechpartner für Erzählungen vergewaltigter Frauen und gefolterter Männer. Doch nicht nur das Zuhören ist Teil der Arbeit. Dank einer Spendenaktion konnte beispielsweise einer während des Bosnien-Krieges vergewaltigten Frau der Aufenthalt in einem Spezial-Therapiezentrum ermöglicht werden.

Das PSZ-Team betreut Flüchtlinge und Asylbewerber in ganz Vorpommern. 20 Prozent der Beratungsarbeit findet in Nordvorpommern statt. In Miltzow sind derzeit türkische und armenische Kurden, Togolesen, Kosovaner und Iraker untergebracht. Ähnlich sieht es in Kakernehl aus, wo beispielsweise Iraker und Armenier wohnen.

Was hält ein Experte wie Holger Kummerow von der Idee des Kreises für "Uns Hüsung"? Die Idee sei für alle eine große Chance, sich zu begegnen und kennenzulernen, meint er. Ob dies aber so viele Asylbewerber sein sollten, darüber wäre noch genau nachzudenken. "Natürlich ist es schwer für den Kreis, ein passendes Gebäude zu finden. Es wäre aber besser, das Ganze überschaubar zu gestalten. Wir reden hier von einem großen Heim mit einer großen Konzentration von Menschen", betont der Projektleiter und bietet die Hilfe des PSZ an.

PETER SCHLAG

Ostseezeitung-Grimmen

11.04.2003
Lkw-Ladefläche voller Blut

Grimmen (OZ) Es gibt Asylbewerber, die nach ihrer Rückführung wieder in Deutschland einreisen und erneut einen Asylantrag stellen. Kriegstrauma oder der Wunsch, am deutschen Wohlstand teil zu haben? Nachfolgend geht es um den Fall eines Bosniers, den das Psychosoziale Zentrum betreut. Er schildert sein persönliches Trauma aus dem jugoslawischen Bürgerkrieg:

"Dann sind wir in das Dorf zurückgegangen, um die gefallenen Soldaten und Zivilpersonen zu bergen und zu beerdigen. Für den Abtransport der Leichen haben wir einen großen Lkw benutzt. Bereits nach kurzer Zeit war dieser Lkw voll und musste abfahren.

Ich sehe das Bild immer noch. Wie aus einem Wasserhahn lief das Blut von der Ladefläche. Jede Nacht, jeden Tag kehren diese Bilder wieder. Es waren Frauen, es waren Kinder, es waren Soldaten . . . Jede Nacht träume ich, wie ich die Dorfstraße entlang laufe und hinter mir die Serben sind. Sie schießen, sie schießen. Und ich kann nicht weglaufen. Ich kann nicht nach links, ich kann nicht nach rechts, ich lauf nur, ich lauf nur. Ich kann diese Bilder nicht loswerden. Schreiend wache ich meistens auf . . .

Nachdem mein Asylantrag in Deutschland abgelehnt wurde, wurde ich nach Bosnien abgeschoben. Ich bin wieder in meine Heimatregion zurückgekehrt, in die Orte, in denen ich das Furchtbare erlebt habe. Ich versuchte zwei Jahre lang, dort zu leben. Aber ich sehe die schrecklichen Bilder immer wieder vor mir. Ich kann nicht mehr . . ."

Ostseezeitung-Grimmen

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