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09.04.2003
Begegnung im Polizeigewahrsam - Jugendstück "Hallo Nazi!" ab morgen auf der Bühne im Rostocker Stadthafen
Neonazi Rudi und der polnische Schwarzarbeiter Jan müssen für eine Stunde eine Zelle teilen, in die sie Landpolizist Erich gesteckt hat. So beginnt das 2002 in Deutschland am häufigsten gespielte Jugendstück. "Hallo Nazi!" soll ab morgen (Premiere 20.00 Uhr, Theater im Stadthafen) auch das Rostocker Publikum dazu bringen, sich mit Rechtsradikalismus, dem alltäglichen Rassismus oder der Frage einer möglichen Annäherung auseinanderzusetzen.
"Genau das bleibt offen. Ob die beiden es geschafft haben oder nicht, muss der Zuschauer für sich selbst beantworten", sagt Regisseur Matthias Thieme (27). Der Berliner inszeniert zum ersten Mal am Rostocker Volkstheater. Die Geschichte: In der Zelle traktiert Rudi Jan mit Tritten und macht sich mit "Polen-Witzen" über ihn lustig. Als nach dem vorangegangenen Überfall einer faschistischen Kameradschaft auf polnische Schwarzarbeiter einer von ihnen stirbt, droht Rudi eine lange Strafe. Jetzt braucht er Jans Aussage.
Es gibt in dieser Geschichte nicht den nur Guten und den nur Bösen, sagt Matthias Thieme. Viele Fragen werden aufgeworfen, die sich nicht einfach beantworten lassen. "Hallo Nazi!", ausgezeichnet mit dem Jugendmedienpreis der Berliner SPD, ist eine fiktive Geschichte, aber die beiden Autoren, Dramaturgen am Dresdner Theater der Jungen Generation und am Berliner Grips-Theater, haben lange recherchiert. "Wir wollen so aktuell wie möglich und noch realer sein, als das Stück eigentlich geschrieben ist", berichtet der Regisseur, dass er bewusst auf jede "Kunstebene" verzichtete.
Das soll vor allem auch das Bühnenbild widerspiegeln. Thieme und Dramaturg Jörg Hückler sahen sich den Polizeigewahrsam in der Ulmemstraße an und übertrugen ihn "Eins zu eins" auf die Bühne im Stadthafen. Der Blick des Zuschauers auf die Zelle als gesellschaftliche Einheit sei fast ein miskropischer, sagt Jörg Hückler. Die Ereignisse auf der Bühne laufen in "Echtzeit" ab.
Mit "Hallo Nazi!" möchten Regisseur und Dramaturg nicht nur Jugendliche, sondern alle Altersgruppen zur Auseinandersetzung auch mit dem alltäglichen Rassismus, den viele selbst in sich tragen, auffordern. Sie rechnen mit starker Resonanz aus den Schulen, von wo sich schon ganze Klassen angemeldet haben. Zur öffentlichen Probe luden sie gestern schon mal einige Rostocker Lehrer ein. "Hallo Nazi!", davon sind Matthias Thieme und Jörg Hückler fest überzeugt, bietet in jedem Fall genügend Stoff für viele Diskussionen.
Thomas Niebuhr
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