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05.04.2003
Unterschriftenaktion ist geplant - Grimmener reagieren verärgert auf Pläne zu Asylbewerberheim
Grimmen (OZ) Das Landratsamt hat mit dem alten Seniorenzentrum "Uns Hüsung" etwas Besonderes vor. Wie OZ gestern berichtete, sollen hier künftig Asylbewerber ein neues Zuhause finden. Bei den Grimmenern stößt diese Idee allerdings auf wenig Gegenliebe. Viele Anrufer meldeten sich in der Lokalredaktion, um ihren Ärger Luft zu machen. Nicht, weil sie allgemein etwas gegen Asylanten hätten. Sondern, weil sie gegen eine derartige Konzentration sind.
Das meint zum Beispiel Vera Blank (54). Sie findet, dass 290 Asylbewerber für eine Kleinstadt wie Grimmen (etwa 11 000 Einwohner) zu viele sind. "So können die Leute doch nicht ins normale Leben integriert werden", begründet sie. Der Landkreis solle sich stattdessen lieber um eine Verbesserung der allgemeinen wirtschaftlichen Situation bemühen.
Auch Gisela Krüger ist dieser Meinung. Sie denkt darüber nach, eine Unterschriftenaktion ins Leben zu rufen: "Ich habe nichts gegen Ausländer, aber bei einer so großen Anzahl sind Probleme vorprogrammiert."
Ruthard Reimann (70) befürchtet, dass ein Asylbewerberheim mitten in der Stadt mögliche Investoren abschreckt. "Wir haben jetzt schon Probleme, Investoren zu finden. Dann wird es garantiert noch schlimmer", meint er.
"Wir protestieren als direkte Anwohner gegen die zentrale Unterbringung der Asylbewerber im alten "Uns Hüsung", heißt es auch in einem Brief von Inge und Bruno Hoth. Sie seien bestimmt keine Ausländerhasser. Aber hier werde ein zweites Rostock-Lichtenhagen geschaffen. Verunsichert sind sie, weil sie befürchten, die Unterbringung der Asylbewerber sei bereits beschlossene Sache. "Warum sonst würde die Miltzower Gemeindevertretung schon am 10. April die Schließung des dortigen Heimes beraten?" fragen sie. Für die beiden steht auf jeden Fall fest: "Wir ziehen dann hier weg und viele andere Anwohner bestimmt auch".
Aufgebracht reagiert Christiane Wilcke: "Wenn die Asylbewerber kommen, sind auch die Skinheads bald in Grimmen." Und dann sei nichts mehr sicher. Ihr Kind besuche dort in der Nähe die Schule. Kann sie es noch allein gehen lassen? Schwarz sieht sie auch für die anliegenden Gärten in Hoikenrade. Außerdem wäre die Unterbringung im Seniorenheim sicherlich mit enormen Kosten für Umbau usw. verbunden. Dieses Geld solle lieber für Jugendliche und Arbeitslose ausgegeben werden. Christiane Wilcke: "Ich bin seit 14 Jahren arbeitslos. Wer tut etwas für uns?"
"Ich bin nicht einverstanden", sagt auch Kerstin Werner. Sie spreche aus Erfahrung. Denn als ABM-Kraft arbeitete sie ein Jahr lang im Miltzower Kultur- und Verkehrsverein. In der Zeit wurde von dortigen Asylbewerbern nach ihren Angaben mehrfach bei ihrem Arbeitgeber eingebrochen. Die Stimmung im Dorf war schlecht. Die hohe Arbeitslosigkeit und der damit verbundene Frust der Anwohner hätten ein Übriges getan. Aus dem Haus solle man lieber was für alleinstehende ältere Leute machen, die sich teure Heimplätze nicht leisten können.
ALMUT JAEKEL und KERSTIN SCHRÖDER
Ostseezeitung-Grimmen
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05.04.2003
Integration
Grimmen (OZ) Asylbewerber sollen in der Kreisstadt Einzug halten - im alten Seniorenheim "Uns Hüsung". Das Ziel heißt Integration. Doch kann man wirklich Fremde in die Grimmener Gemeinschaft integrieren, wenn sie zu Hunderten in einem Haus untergebracht werden? Viele Grimmener verneinen das. Und es sind keine Rechtsradikalen, keine Ausländerhasser. Sondern Menschen, die Bedenken haben. Die meinen, dass Integration und Konzentration nicht Hand in Hand gehen. Und die meinen, dass Integration besser im kleinen Rahmen funktioniert.
Ostseezeitung-Grimmen
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