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04.04.2003
"Peenemünde ist optimale Entscheidung" - Hamburger Institut für Sozialforschung begründet die Standort-Wahl für die Wehrmachts-Ausstellung

NK-Bild

Die Peenemünder Turbinenhalle wird vom 25. Juli bis 7. September die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944" beherbergen.

Peenemünde/Hamburg. Vom 25. Juli bis 7. September ist das Historisch-Technische Informationszentrum (HTI) in Peenemünde Gastgeber für die Wehrmachtsausstellung. Wie berichtet, hatte sich das Hamburger Institut für Sozialforschung im vergangenen Monat entschieden, die vieldiskutierte Exposition "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944" erstmals außerhalb einer Großstadt und gleichzeitig erstmals an einem authentischen Ort der Wehrmachtsgeschichte zu zeigen. Unsere Redaktionsmitglieder Antje Wegwerth und Siegfried Denzel unterhielten sich mit Regine Klose-Wolf, Sprecherin der Hamburger Stiftung, über die Hintergründe.

Sie haben sich mit Peenemünde erstmals von der Anziehungskraft der Großstädte verabschiedet und der Geschichte eines Dorfes den Vorrang gegeben. Warum?

Zunächst einmal: Wir suchen nicht nach Ausstellungsorten. Die Orte bewerben sich bei uns. Und es gibt viele Bewerber - viel mehr, als wir berücksichtigen können. In Mecklenburg-Vorpommern war die Ausstellung bisher nicht zu sehen. Wir versuchen, sie möglichst in allen Teilen Deutschlands zu zeigen.

Prora liegt auch in Mecklenburg-Vorpommern. Sie haben sich für Peenemünde entschieden.

Mit Prora sind keine Vertragsverhandlungen geführt worden. Peenemünde erfüllt alle notwendigen Kriterien. Für uns ist wichtig, dass ein breites gesellschaftliches Bündnis - welches die regionale politische Situation kennt - vor Ort die Ausstellung trägt.

Peenemünde ist ein Dorf, keine Großstadt. Machen Sie sich keine Sorgen, dass zu wenig Besucher kommen könnten?

Das HTI in Peenemünde hat mehr als 300 000 Besucher im Jahr. Wir hoffen, dass auch unsere Ausstellung ihre Besucher haben wird - besonders in den Sommermonaten, in denen viele Urlauber in Mecklenburg-Vorpommern und auf der Insel Usedom sind. Anders würde es auch nicht gehen.

Was waren die sozialen, kulturellen und politischen Gründe, die Ausstellung nach Peenemünde zu bringen?

Die beiden Ausstellungen über die Verbrechen der Wehrmacht haben die Diskussion um die Beteiligung der Wehrmacht an den Verbrechen aus der Wissenschaft in die breite Öffentlichkeit und auch in die Diskussion in den Familien getragen. An jedem Ort löst sie Debatten und Erinnerungen aus; darum ist es für uns zwingend notwendig, dass die Ausstellung in jedem Ort von einem breiten Bündnis, welches sich auch um die Organisation eines Begleitprogramms und die Publikumsbetreuung kümmert, getragen wird. Unser Anliegen ist es, die Ausstellung möglichst vielen Besu- cherinnen und Besuchern zugänglich zu machen. Insofern ist die Präsentation während der Sommerferien in Peenemünde die optimale Entscheidung.

Einige rechte Gruppierungen haben bereits reagiert: "Treu dem Volk gedient - habt ihr Reemtsma nicht verdient." Mit solchen Sätzen wird zum "Widerstand" gegen die Ausstellung aufgerufen. Was sagen Sie zu solchen Reaktionen?

Die Ausstellung ist in weiten Bevölkerungsteilen unumstritten und dokumentiert den Stand der wissenschaftlichen Forschung. Es ist schon erstaunlich, mit welchem Beharrungsvermögen einige wenige Menschen Wissen um die Vergangenheit ignorieren und ihren Protest personalisieren. Doch auch für die letzten Verbohrten gilt unser demokratisches Rechtssystem und somit das Demonstrationsrecht.

Wird die Ausstellung den Blick der breiten Öffentlichkeit auf Peenemünde dauerhaft verändern?

Vielleicht wird sich der Blick auf Peenemünde verändern. Dies kann jedoch das Hamburger Institut für Sozialforschung mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht überprüfen. Genau aus diesem Grund kooperieren wir an jedem Ort mit einem örtlichen Veranstalter, welcher sich auch um die Nachbereitung kümmert.

Nordkurier-Anklam

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