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04.04.2003
Wohin sollen die Asylbewerber? - Jetzige Heime sind zu klein - Landratsamt hat altes Seniorenzentrum Grimmen im Auge

OZ-Bild

Zum Stadtteil Südwest gehört das Ende der 80-er Jahre errichtete Seniorenzentrum "Uns Hüsung" (rechts). Hier sollen nach der Idee des Landratsamtes Asylbewerber untergebracht werden.

Grimmen (OZ) Das alte Seniorenzentrum "Uns Hüsung" in Grimmen-Südwest erfüllt seit einem Dutzend Jahren seine Pflicht. Als eines der letzten Grimmener Bauprojekte aus DDR-Zeiten wurde es 1990 eingeweiht. 1993 erfolgte der Trägerwechsel vom Kreis zur Betriebsgesellschaft Kursana. Gegenüber des Bahnhofes zog Kursana den im vorigen Jahr bezogenen Neubau hoch, der eine Kapazität für die Betreuung von 110 Senioren hat.

Was wird aber aus dem alten "Uns Hüsung" neben dem Rodelberg? Diese Frage stellte OZ dem Landrat schon 2002, als der Neubau am Bahnhof eröffnet wurde.

Jetzt gibt es im Landratsamt konkrete Überlegungen für die kreiseigene Immobilie: In der Kreisstadt sollen die Asylbewerber Nordvorpommerns untergebracht werden. Derzeit leben diese in vier dezentralen Einrichtungen in Miltzow, Kakernehl, Saal und Martensdorf.

Die Überlegungen des Kreises hängen laut Pressesprecher Olaf Manzke mit einer neuen Richtlinie des Landes zusammen. "Um die Teilnahme am Gemeinschaftsleben zu ermöglichen, dürfen Gemeinschaftsunterkünfte nur in oder im Anschluss an einen im Zusammenhang bebauten Ortsteil eingerichtet werden", lautet es dort im Paragraphen 2. Einer der Knackpunkte: Die neue Richtlinie billigt jedem Asylbewerber mehr Wohnraum zu. Statt bisher 4,5 sollen es mindestens sechs Quadratmeter sein. Das können die jetzigen Heime aber nicht absichern. Da die Richtlinie bis 31. Dezember 2003 umgesetzt werden soll, sieht sich der Landkreis im Zugzwang. Er möchte - soweit es die Kapazität erlaubt - die jetzt dezentral untergebrachten Asylbewerber nach Grimmen holen. In die inzwischen fast leer stehende alte Einrichtung "Uns Hüsung". Wie viele Asylbewerber leben in Nordvorpommern? Laut Auskunft des Sozialamtes bezogen im März 2003 insgesamt 290 Personen Leistungen.

Vor dem Bezug des Neubaues lebten im alten Seniorenzentrum 160 Frauen und Männer. Gegenwärtig werden dort noch 20 Bewohner betreut, erläutert uns Heimleiterin Brigitte Bücher. Dies geschieht im ersten Obergeschoss, die höheren Stockwerke stehen inzwischen leer. Diese 20 Bewohner würde die Heimleitung gerne als Gruppenlösung ins neue "Uns Hüsung" hinüber holen, wenn die entsprechende Zahl freier Plätze gewährleistet wird. Also nicht nach und nach Senioren umziehen lassen - sondern alle gemeinsam. Dies soll natürlich in Abstimmung mit den Bewohnern und deren Angehörigen geschehen, betont Brigitte Bücher. Um die Gruppenlösung abzusichern, steht man auch in Kontakt mit anderen Pflegeheimen. Laut Absprache mit dem Landratsamt könnte Kursana noch bis 31. Dezember 2003 Senioren im alten Heim betreuen. Brigitte Bücher ist jedoch optimistisch, das Heim schon vorher komplett leer zu ziehen: "Es sieht so aus, dass wir es aus eigenen Kräften bis zum 30. Juni schaffen."

Bürgermeister Benno Rüster ist die Überlegung des Landratsamtes bekannt. Mehr aber auch nicht. "Ich hätte mir mehr Gespräche über eine mögliche Nutzung gewünscht", sagt er auf OZ-Anfrage. Grundsätzlich sei er dafür, dass Asylbewerber entsprechend ihres Status integriert werden. Das Problem sei aber doch die verfehlte Ausländerpolitik auf Bundesebene. "Wir haben mehr Wirtschaftsflüchtlinge als Asylbewerber im Land", meint Benno Rüster und setzt hinzu, dass die Idee des Kreises nicht ins Konzept der Stadt passe. "Ich bitte die Grimmener, ganz deutlich ihre Meinung zu sagen", betont der Bürgermeister.

Das Landesamt für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten bestätigt, dass es ausdrücklich erwünscht sei, Asylbewerber in Ortslagen unterzubringen. Das soll ihnen eine bessere Teilnahme am Leben ermöglichen, so Peter Ucke, Haushaltsdezernent des Landesamtes, gegenüber OZ. Seine Behörde erstattet dem Kreis die Aufwendungen für die Unterbringung und Betreuung der Asylbewerber.

PETER SCHLAG

Ostseezeitung

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