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04.04.2003
Bombodrom: Entscheidung steht noch nicht - Ministerium dementiert Medienberichte

Berlin/Potsdam/Schwerin (ddp). Das Verteidigungsministerium hat nach eigenen Angaben noch keine Entscheidung über die Zukunft des ehemaligen Truppenübungsplatzes in der Kyritzer Heide getroffen. Die Untersuchungen dazu seien noch nicht abgeschlossen, sagte gestern ein Sprecher in Berlin. Zuerst müsse im Regierungslager Einigkeit herrschen, dann kann das Ministerium als Einzelressort eine sachliche Entscheidung fällen und vertreten.Er wies damit Zeitungsberichte zurück, denen zufolge das so genannte Bombodrom möglicherweise noch im April von der Bundesluftwaffe genutzt werde (der Uckermark Kurier berichtete).

Solche Meldungen seien "schlichtweg falsch", sagte der Sprecher. Er wies darauf hin, dass bei den Überlegungen zur Nutzung des Areals "Gründlichkeit vor Schnelligkeit" gehe. Dabei würden auch die Einwände der umliegenden Gemeinden berücksichtigt. Einen Termin für die Entscheidung gebe es nicht. Unterdessen will die PDS Brandenburg bundesweit gegen die Nutzung der Kyritzer Heide als Bombenabwurfplatz mobil machen. Dazu wollen Landeschef Ralf Christoffers und weitere Delegierte der außerordentlichen Tagung des PDS-Parteitages in Berlin einen entsprechenden Antrag unterbreiten. Zudem forderte Landesgeschäftsführer Thomas Nord die Brandenburger Landesregierung auf, gegenüber der rot-grünen Bundesregierung Druck zu machen und eine Nutzung der Heide für militärische Zwecke nicht zuzulassen.

Jahrelanger Bürgerprotest

Die Aktionsgemeinschaft "Freier Himmel" verwies auf den seit Jahren anhaltenden "massiven Bürgerprotest" gegen das "Bombodrom". Um das 14 000 Hektar große Militärgelände, das die Sowjetarmee nach 1945 besetzte und 1994 verließ, wird seit zehn Jahren - auch schon vor dem Bundesverwaltungsgericht - gestritten. Zudem hätten sich die Landesregierung und der Landtag in Mecklenburg-Vorpommern eindeutig gegen das Projekt positioniert. Die Gemeinschaft forderte die Verantwortlichen in Berlin auf, sich vor Ort ein Bild zu machen. Dazu biete sich unter anderem der Ostermarsch am 20. April an. Zu dieser Protestkundgebung hatte auch die Bürgerinitiative "Freie Heide" aufgerufen.

Nordkurier

04.04.2003
Umweltminister will Bombodrom verhindern

Schwerin (epd/ddp) Gegen eine Wiederinbetriebnahme des Truppenübungsplatzes in der Kyritz-Ruppiner Heide sprach sich Umweltminister Wolfgang Methling (PDS) aus. Eine militärische Nutzung des 140 Quadratkilometer großen Geländes bei Wittstock (Brandenburg) führe zu einem "nicht wieder gut zu machenden" Imageschaden für das Touristenland M-V, so Methling. Alle in der Koalitionsvereinbarung zur Verfügung stehenden Mittel würden genutzt, um das "Bombodrom" zu verhindern. Die Existenz von über 100 Tourismusunternehmen und Tausende Arbeitsplätze in der Urlaubsregion Mecklenburgische Seenplatte dürften nicht gefährdet werden, betonte der Vorsitzende des dortigen Tourismusverbandes, Lorenz Caffier. PDS-Landeschef Peter Ritter forderte den Bundesverteidigungsminister per Brief auf, "die offenbar unterschriftsreifen Pläne zur Wiedernutzung des Bombodroms nicht zu unterzeichnen".

Ostseezeitung

04.04.2003
Caffier übt scharfe Kritik - Aufruf von CDU-Politiker gegen Bombodrom

Mecklenburg-Strelitz (nie). Auf heftige Kritik stößt die Nachricht aus Berlin, dass das Bombodrom bei Wittstock demnächst höchstwahrscheinlich in Betrieb gehen soll (der Nordkurier berichtete). Lorenz Caffier, Vorsitzender des Tourismusverbandes Mecklenburgische Seenplatte, rief gestern dazu auf, die Einrichtung des Luft-/Bodenschießplatzes nicht einfach hinzunehmen. "Wir werden uns unsere Zukunft nicht durch einen Bombenabwurfplatz kaputt machen lassen", betonte er. Die Existenz von über 100 Tourismus-Unternehmen und die inzwischen gut entwickelte Tourismusbranche mit tausenden Arbeitsplätzen in der Seenplatte dürfe nicht gefährdet werden. Lorenz Caffier erklärte, dass sich die Landesregierung wieder einmal nicht gegenüber der Bundesregierung habe durchsetzen können: "Das größte Forschungsvorhaben nach der Raumfahrt, der ITER-Reaktor, kommt nicht ins Land. Dafür bekommen wir einen Luft-/Bodenschießplatz in die bedeutendste Ferienregion des Landes gratis. In der SPD-Bundestagsfraktion heißt es dann, man müsse die Lasten zwischen Ost und West gerechter verteilen."

Lorenz Caffier kündigte an, dass sich der Vorstand des Verbandes bei seiner heutigen Sitzung mit der Problematik Bombodrom befassen und sein weiteres Vorgehen beraten werde.

Nordkurier-Neustrelitz

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