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02.04.2003
Erste Zuflucht für Asylbewerber - Landesamt in Horst beging 10. Jubiläum - Flüchtlingsrat vermisst Integrationskonzept
Boizenburg Lob gab es gestern für das Landesamt für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten in Horst bei Boizenburg und die dortige Außenstelle des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge.
Gemeinsam begingen beide Behörden mit einer Festveranstaltung und einem Tag der offenen Tür in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber ihr zehnjähriges Bestehen. "Aus einer wenig ansehnlichen Kaserne wurde eine Einrichtung, die als vorbildlich im Bundesgebiet bezeichnet werden kann", betonte Rainer Hagen, der Leiter der Außenstelle des Bundesamtes, das über die Asylanträge entscheidet. Durch gute Organisation und viel Sensibilität werde den Flüchtlingen in Horst eine freundliche erste Zufluchtsstätte geboten. In den vergangenen zehn Jahren hat das Landesamt 31650 Asylbewerber aufgenommen. Auch für Bürgerkriegsflüchtlinge, jüdische Emigranten und Spätaussiedler war und ist die Erstaufnahmeeinrichtung erste Zufluchtsstätte.
Innenminister Gottfried Timm (SPD) hob die Synergieeffekte hervor, die durch die Konzentration von Landesamt, Außenstelle des Bundesamtes, Polizei und medizinischem Dienst auf einem Gelände in Horst sowie die Nähe zur auswärtigen Kammer des Verwaltungsgerichtes Schwerin in Boizenburg entstehen.
Unabhängige Erstberatung gefordert
Indes fordete der Flüchtlingsrat bessere Bedingungen für Asylbewerber. Unabdingbar sei beispielsweise eine unabhängige Erstberatung. Es reiche nicht aus, den neu angekommenen Asylsuchenden ein Video in einer ihnen bekannten Sprache zu zeigen. Viele Flüchtlinge seien traumatisiert und könnten die Informationen oft gar nicht aufnehmen. "Die meisten wissen nicht, was in dem Verfahren überhaupt auf sie zukommt," sagte sie.Positiv bewertete Gruttmann dagegen die vor zwei Jahren im Nordosten in Kraft getretene Verordnung über Mindestanforderungen für Asylbewerberheime. Sie habe zu einer Verbesserung der Lebenssituation geführt. Allerdings gebe es noch immer Unterkünfte fernab von Ortschaften. Es fehle ein Integrationskonzept.
Kathrin Neumann; ddp
Stichwort:
Ende Dezember 2002 lebten in MV 6923 Asylsuchende. 3919 von ihnen hatten den Status eines Asylbewerbers, weitere 2237 waren Asylbewerber mit einer Duldung. Hinzu kamen noch einmal 68 Asylberechtigte und 688 Ausländer mit einer Aufenthaltsbefugnis.Die Mehrheit der Asylbewerber, 720, kommt aus der Türkei. Weitere Hauptherkunftsländer sind Togo (692), die Bundesrepublik Jugoslawien (583), Irak (511) und Armenien (347).
Durchschnittlich kamen im vergangene Jahr monatlich 176 Asylsuchende in den Nordosten. Weitere 348 Asylsuchende wurden abgeschoben, 197 reisten freiwillig aus.
Schweriner Volkszeitung
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