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28.03.2003
Ein Pole, ein Nazi, eine Zelle - "Hallo Nazi" wird in Rostock aufgeführt

Rostock (OZ) Auf der Probebühne des Volkstheaters stehen für "Hallo Nazi" derzeit ein Polizist (Raik Singer / Frank Buchwald), der Pole Jan (Eugen Krößner) und der Nazi Rudi (Tristan Gutknecht). Der SOUFFLEURKASTEN sprach mit dem Autorenteam Monoblock.

SOUFFLEURKASTEN: Pole Jan und Nazi Rudi zusammen in einer Zelle. Ist diese Situation nicht ein bisschen weit hergeholt?

Monoblock: Nein. Die Polizisten, bei denen wir recherchiert haben, haben uns bestätigt, dass so etwas vorkommen könnte. Wenn eine Zelle von zwei Zellen mit den Nazis voll belegt ist, dann sucht man sich den jüngsten, harmlosesten Nazi raus. Der muss dann halt in die andere Zelle.

SK: Na gut, aber dass die sich beide unterhalten und sich sogar verstehen. . .

Monoblock: Auch so etwas ließ sich bei den Recherchen belegen: Es gab den Fall, da ging der Nazi vor dem "Ausländer-Klatschen" noch in seine Lieblingskneipe, die einem Türken gehört und genehmigte sich einen Döner. Außerdem haben Jan und Rudi ähnliche Probleme: Ihre Zukunft sieht düster aus. Jan arbeitet illegal und Rudi gar nicht.

SK: Rudi erfährt, dass er die Schuld für den Tod des Polen Zygmund auf sich nehmen soll, um die Kameradschaft zu entlasten. Das scheint mir aber dann wirklich. . .

Monoblock: Das kommt bei den Nazi-Prozessen immer wieder vor: Der Jüngste, für den noch Jugendstrafrecht gilt und der noch ohne Vorstrafen ist, der darf die Strafe auf sich nehmen, um die anderen zu schützen. So darf er sich auszeichnen.

SK: Aber dass sich beide bei ihren politischen Gegensätzen auch noch über Filme unterhalten. . .

Monoblock: Warum denn nicht? Auch bei den Rechten ist dieses Nazitum oft nur die Oberfläche, mit der sich so wunderbar provozieren lässt. Und Matrix - das ist der Film, um den es geht - ist ein beeindruckendes Kunstwerk. Er stellt grundlegende philosophische und religiöse Fragen an die Jungs und bringt Gewalt mit einer unglaublichen Ästhetik rüber. Das ist faszinierend. Wir mögen den Film auch sehr.

SK: Das klingt ja am Ende doch alles nach einer recht aufwendigen Recherche.

Monoblock: Wir waren anderthalb Jahre unterwegs und haben von vielen Seiten bestätigt bekommen, dass die Geschichte von "Hallo Nazi" durchaus real ist. Es ist ja ein Einakter, spielt sozusagen in Echtzeit zwischen zwei Transporten nur in der Zelle. Und auch der Nazi-Überfall auf eine Autowerkstatt, die illegal Polen beschäftigt, ist ein realer Fall gewesen.

SK: Spielt das Stück in Ostdeutschland?

Monoblock: Nur insofern, als dass die Uraufführungen in Dresden und Berlin waren. Ansonsten kann das Stück immer dort spielen, wo es auch aufgeführt wird. Oder gibt es in Rostock keine Rechten mehr? SK: Danke für das Gespräch!

Mit den Aufführungen von "Hallo Nazi" ist ein Angebot an Schulklassen zur Diskussion verbunden. Theaterpädagogin Christine Bujak kommt dazu auch an die Schulen. Infos unter Tel.: 0381-381-4724

Premiere am 10. April um 20 Uhr im Theater im Stadthafen

Ostseezeitung-Rostock

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