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28.03.2003
In "Gesichter aus dem Irak" geschaut - Fotos aus Bagdad im Demminer Rathaus


Von unserem Redaktionsmitglied Silke Voß

Demmin. Schaut man in die großen, traurigen, dunkel funkelnden Augen der sechsjährigen Aura aus Bagdad und fragt sich unwillkürlich, ob sie nicht schon für immer geschlossen sind, kann einem schon sehr beklommen zumute werden. Aura ist neben Ibrahim, Henna, Isra oder Lemia eines der symphatischen, freundlichen "Gesichter aus dem Irak", die die Fotografin Gabriele Senft während einer Reise dorthin im Januar aufgenommen hat. Ganz nah und frontal in diese Gesichter schauen kann jeder Besucher in der gleichnamigen Ausstellung, die am Mittwochabend im Demminer Rathaus eröffnet wurde.

Gabriele Senft, die lange bei der DDR-Nachrichtenagentur ADN als Fotojournalistin tätig war, hatte sich einer Gruppe von Friedensaktivisten auf ihrer Reise in den Irak angeschlossen. Auf Erkundung der Auswirkungen des UN-Embargos suchte sie unter anderem Kinderkrankenhäuser auf. Ihre Berichte während der Vernissage waren erschütternd. "Allein an dem einen Tag im Krankenhaus wurden drei Kinder mit Leukämie eingeliefert. Ich sah Mütter neben ihren sterbenden Kindern." Senft hat nicht die Schreckensbilder, die Neugeburten mit Missbildungen ohne Kopf aufgenommen, sondern den Alltag in Bagdad und Basra, der noch im Januar das Straßenbild prägte: Händler auf einem Buchmarkt, Jungs mit Brotwagen. "Und ich sah Mädchen in einer Ballettschule zu, die den Tanz der kleinen Schwäne vorführten. Ich weiß nicht einmal, ob sie noch leben."

Sprachlos

Heiter, offen, warmherzig seien ihr die Menschen begegnet. Als ob sie gar nicht wüssten, dass sie bereits von Hightech-Kriegsgerät eingekesselt waren. "Was sollen wir denn tun? Hier sind unsere Familien. Wir können uns nicht auf den Krieg vorbereiten", hätten diese sich von der Welt vergessen fühlenden Menschen gesagt.

"Beim Entwickeln der Fotos, während mich die freundlichen schwarzen Augen erneut mustern, war ich sprachlos und wollte doch schreien", schilderte die knapp 50-jährige Berlinerin.

Die Ausstellung, die bereits in der Hauptstadt zu sehen war und noch nach Greifswald und Frankfurt/Main wandert, hat das Friedensforum Demmin/Dargun vermittelt. Gabriele Senft ist diese Gegend hier nicht unbekannt: Bereits im November hat die engagierte Frau in der Verchener Klosterkirche zum Totensonntag mit Fotografien ein weiteres Kriegsverbrechen dokumentiert: Die Bombardierung Wehrloser durch NATO-Flugzeuge auf einer Brücke in Südserbien mit zehn Toten.

"Ich bin einfach nur jemand, dem so etwas nicht gleichgültig ist und der einen Anlass bieten will, über diese Ungerechtigkeiten zu sprechen", sagte die Reporterin bescheiden. Deshalb möchte sie etwas für die notleidenden Menschen in diesem "warmen, wunderschönen, kulturvollen Land" tun und sammelt nun für Medikamente gegen die kürzlich wieder ausgebrochene Tropenkrankheit Kala Azar.

Diese Krankheit wird durch Mücken übertragen, erläuterte sie, und verläuft ohne ein bestimmtes Medikament immer tödlich. Es werde nur in Großbritannien erzeugt, doch dort sei ein Exportverbot in den Irak verhängt worden. Eine befreundete Wienerin habe jedoch durchgesetzt, mit Ampullen nach Bagdad fliegen zu dürfen, um den Kindern zu helfen.

Bürgermeister Ernst Wellmer (CDU) überreichte "statt Blumen" eine Spende von 100 Euro für Medikamente gegen diese Tropenkrankheit.

Noch bis zum 10. April ist diese Fotodokumentation im Rathaus zu sehen, die umso beeindruckender ist, je wissender wir diesen damals noch auf Frieden hoffenden Menschen ins Gesicht schauen.

Nordkurier-Demmin

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