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26.03.2003
Begegnung mit dem Islam - "Talk im Café" hatte in Dranske Premiere
Dranske (OZ) Der Auftakt zur Veranstaltungsreihe "Talk im Cafe" war ein voller Erfolg. Mehr als 50 Gäste suchten in Dranske die Begegnung mit dem Islam. Der seit zehn Jahren auf Wittow wohnende Algerier Said Sagouma erzählte aus seinem Leben als Moslem auf Rügen.
Edith Artmer-Sagouma, seit Juni 1997 mit Said verheiratet und Erfinderin des "Talks im Café", hatte ihrem Mann mit dem Altenkirchener Pastor Andreas Rüß einen einfühlsamen Moderator zur Seite gestellt. Er war auch nicht verlegen, Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam darzustellen. Überraschung bei vielen Anwesenden, als Said Sagouma mitten im Café seinen Gebetsteppich ausrollte, sich seiner Schuhe entledigte und Allah zuwandte.
"Der Mensch ist ein Lebewesen, das aus Körper und Seele besteht. Der Islam berücksichtigt deshalb sowohl seine körperlichen als auch seelischen Bedürfnisse und stellt die notwendigen Rahmenbedingungen, damit einerseits der Mensch über das Streben nach Befriedigung zu seinem individuellen Glück finden kann, aber andererseits in einer Gemeinschaft die Rechte anderer achten lernt. Der Islam bestimmt auch die gegenseitigen Rechte und Pflichten der Menschen untereinander", las Said Sagouma aus dem heiligen Buch des Islam (Koran), der von den Muslimen als letzte Botschaft angesehen wird, die Allah der Erhabene, durch den Propheten Mohammed der Menscheit verkünden ließ. Ins Deutsche übersetzt heißt Islam "Frieden machen".
Andreas Rüß machte deutlich, dass der Nachmittag in Dranske Einblicke in einen anderen Kulturkreis eröffnen sollte. "Wir wollen das praktizieren, was man Toleranz nennt. Damit meine ich aber nicht die Gleichgültigkeit, die in unserer Welt oft und gern als Toleranz bezeichnet wird".
Als Said Sagouma nach seinen Hoffnungen und Wünschen befragt wurde, fiel dem Mann auf Anhieb gar nichts ein. Er wäre mit dem, was er innerhalb der zwischenmenschlichen Beziehungen auf dem Rügener Windland finden würde, rundum zufrieden. Ein Schulterklopfen für die Menschen auf Wittow.
An einem der Tische im Café saßen auch drei Frauen aus dem Dransker Asylbewerberheim. Khalat Raschid aus dem Nordirak, Amrar Naziha aus Algerien sowie Butheina Al-Rawi aus Bagdad lauschten gespannt dem ersten "Talk im Cafe". Dabei schauten die Frauen alles andere als sorglos drein. Besonders Butheina Al-Rawi muss derzeit in ständiger Angst leben, denn ihre Familie wohnt in Bagdad in der Nähe des Regierungspalastes. Auf eine E-Mail, die sie am Donnerstag nach Kriegseinbruch in die Heimat schickte, hatte sie bis Sonnabend noch keine Antwort. Sie selbst lebt erst seit sechs Monaten in der Bundesrepublik und kam 2002 als politisch Verfolgte nach Deutschland. Als Studentin in Bagdad wurde sie immer wieder von Anhängern Saddam Husseins in die Mangel genommen und ausgefragt. Als dann noch ihr Onkel von Husseins Leuten gehängt wurde, hielt sie es im Irak nicht mehr aus. Butheina Al-Rawie hofft, dass der Krieg schnell vorbei geht und möglichst wenig Todesopfer unter der Bevölkerung zu beklagen sind. Die Irakerin wünscht sich, dass Diktator Saddam Hussein endlich gestürzt wird.
RICO NESTMANN
Ostseezeitung
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