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21.03.2003
In Deutschland fehlt ihm nur die Herzenswärme - Nigerianer erzählt über Leben in Greifswald
Greifswald (OZ) Charles Eke hat den Überblick. Er weiß genau, in welchem Regal jedes Autoteil liegt, obwohl sich im Lager der Firma A-Z Autoteile über 300 000 verschiedene Ersatzteile stapeln: Schraubgewinde, Stoßstangen und Auspuffrohre machen nur einen kleinen Teil aus. Selbst wenn sich die Registriernummer eines der verpackten Teile löste und ein Laie von außen nur einen länglichen Karton sieht - der Nigerianer erkennt problemlos, was er vor sich hat. "Das ist eine der Herausforderungen bei meiner Arbeit", sagt der 40-Jährige.
Eke hat in Nigeria Betriebswirtschaft studiert. Seit 1996 ist er in Deutschland. Zunächst war er in Hamburg, arbeitete als Gabelstaplerfahrer. 1998 zog er nach Greifswald, denn von dort kommt seine deutsche Frau. Die beiden lernten sich kennen, als Eke Anfang der 90er Jahre für längere Zeit in England war. Das Ehepaar wohnt mit seinen drei Kindern in Kreutzmannshagen. Deutsch hat der Nigerianer im Alltag gelernt. Außerdem liest er viel. Trotzdem: "Anfangs hatte ich Angst zu sprechen", berichtet Eke. "Ich hatte alles im Kopf, aber ich wollte keine Fehler machen." Mittlerweile bereitet ihm nur noch die Aussprache des "Z" Probleme.
In dem Großhandel am Helmshäger Berg arbeitete sich Charles Eke vom Aushilfsarbeiter zum Lagerleiter hoch. Er ist dafür verantwortlich, dass alle Lieferungen in Ordnung sind. Er kontrolliert, ob alle Waren, die auf dem Lieferschein stehen, auch tatsächlich da sind. Außerdem kennt er die Technik der Alarmanlage genau, leitet die Lehrlinge an und organisiert, welcher Fahrer welche Bestellung ausliefert. Auch Gabelstapler fährt er noch. Bei Stress bleibt der Mann gelassen. Mit seiner heiteren Art gelingt es ihm oft, die Stimmung im Betrieb auch an hektischen Tagen aufzulockern.
Eke fühlt sich wohl an seinem Arbeitsplatz. Offene Ausländerfeindlichkeit hat er noch nicht erlebt, wohl aber Verhalten, das gar nicht böse gemeint ist, ihn aber dennoch kränkt. Zum Beispiel kommt es vor, dass ihn Kunden einfach so duzen. "Das würden die bei einem 40-jährigen Deutschen sicher nicht machen", sagt er. An das nasskalte Klima in Greifswald hat sich Charles Eke
inzwischen gewöhnt. Nur die menschliche Wärme der Nigerianer vermisst er sehr. Er findet, die Deutschen könnten ruhig etwas herzlicher miteinander umgehen.
Ostseezeitung-Greifswald
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