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21.03.2003
"Ich kann doch jetzt nicht zu Hause bleiben" - Tausende Menschen demonstrierten gestern in M-V gegen den Krieg - Schüler begannen morgens mit lautstarken Protesten
 | Schüler-Kundgebung gestern in Rostock auf dem Universitätsplatz. Mehr als 6000 Jugendliche aus Rostock und der Umgebung protestierten lautstark gegen den Krieg. |
Rostock (OZ) Rostock: Eric Zaschke (18) ist klar, dass die Schülerdemo in Rostock wohl nicht viel gegen den Krieg ausrichten wird. Aber: "Gar nichts zu unternehmen, wäre auch falsch", meint der Gymnasiast. Die über 6000 Jungen und Mädchen um ihn herum sehen das genauso. "Solidarität heißt Widerstand" dröhnt es vom Laster, auf dem die Organisatoren des Rostocker Schülerstreiksstehen. Die Jugendlichen klatschen, pfeifen, singen und ballen die Fäuste.
Anna-Lene ist erst zwölf. "Eigentlich bin ich krank und darf gar nicht raus", erzählt sie. "Aber jetzt, wo die Krieg machen, kann ich doch nicht zu Hause bleiben." Die Sechstklässlerin hat ein Plakat gemalt. "Peace" steht drauf. Christian Lüth (16) stimmen Plakate wie "Bush hau ab", "Amis raus aus Irak" und "Kein Blut für Öl" nachdenklich. "Ich finde die Demo richtig, aber es geht doch nicht nur ums Öl, sondern auch darum, dass der Irak abgerüstet werden muss", ist der Zehntklässler überzeugt.
"Wir dürfen nicht auf die Regierungen vertrauen. Wir müssen selbst aktiv werden", fordert ein Mädchen vom Lautsprecherwagen herunter. Frenetischer Beifall, auch wenn den meisten Schülern bewusst ist, dass sie nicht wirklich etwas ausrichten können. "Ich hoffe, dass vielleicht die Menschen in Amerika erfahren, wie viele gegen den Krieg sind. Vielleicht schließen sie sich dann ja an", hofft Jördis Klingner (19). Neben ihr halten zwei Schüler ein gelbes Transparent in die Höhe. Darauf drei schwarze Punkte. Das Blindenzeichen. "Das trifft es genau", meint Jördis. "Wer nicht kapiert, was im Irak abgeht, muss mit Blindheit geschlagen sein."
Greifswald: Auch in Greifswald ziehen am Vormittag Schüler und Lehrer auf den Markt, um gegen das amerikanische Kriegstreiben zu protestieren. Elias Greger postiert sich mit Freunden auf dem Fischmarkt mit Spruchbändern. "Die USA spielen sich als Weltherrscher auf und missachten das engagierte Bemühen der UNO für eine friedliche Lösung in der Golfregion. Durch den Krieg werden wieder Unschuldige getroffen. Ich verurteile das", sagt der junge Hansestädter.
Usedom und Anklam: Mit brennenden Kerzen und weißen Laken stehen in Anklam und auf der Wolgaster Peenebrücke Friedensanhänger. Sie verurteilen den Krieg gegen den Irak als untaugliches Mittel zur Lösung politischer Probleme. Daniel Kühlcke, Kirchenältester von Garz auf Usedom: "Ich stelle mir heute nicht die Frage, warum wieder einmal Krieg ist; sondern: Wer entwaffnet Amerika?".
Stralsund: "Kinder für den Frieden" heißt ein Projekt, das die Stralsunder Lehrerin Marion Post auf die Beine gestellt hat. Gemeinsam mit ihren Schützlingen vom Sonderpädagogischen Förderzentrum stellt sie die Ergebnisse mittags bei einem Friedensgebet in der Nikolaikirche vor. "Meine Schüler sind empört. Ich bringe ihnen bei, Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Aber die Erwachsenen machen es ihnen genau anders herum vor. Der Krieg macht uns Angst."
Grevesmühlen: Mit einer Mahnwache gedenken Grevesmühlener auf dem Marktplatz der vom Krieg betroffenen Menschen. Sie zünden Fackeln an und lassen Luftballons mit Friedenstauben in den Himmel steigen. "Ich bin erschüttert, dass es doch zum Krieg gekommen ist", meint die 66-jährige Christa Schiller. Auch Fränze Siegerth (13) lehnt den Krieg ab und reiht sich ein in die Schar der Protestierenden.
Wismar: "Ein paar wildgewordene Erwachsene sollten mit dem Krieg aufhören, denn sie zerstören die Welt ihrer Kinder", schreit Anne Schimkus (16) auf der Kundgebung in Wismar ins Mikrofon. Rund 600 Menschen versammeln sich vor dem Rathaus. Nach einer Andacht in der Neuen Kirche ziehen sie in einem Schweigemarsch durch die Wismarer Innenstadt. Zwei mannshohe hölzerne Friedenstauben führen den Protestzug an.
Bad Doberan: 120 Doberaner treffen sich zum Friedensgebet im Münster. Anschließend marschieren sie schweigend zum Kamp. Pastor Andreas Timm: "Ich bete für die Menschen, die im Kriegsgebiet leben, die auf der Flucht sind, damit sie eine Zuflucht finden und den Krieg überleben."
Ribnitz-Damgarten: Mehrere hundert Schüler aus Ribnitz und Damgarten ziehen am Vormittag protestierend durch die Stadt. Die Marien-Kirche öffnet ihre Türen, um den Menschen die Möglichkeit zur Besinnung und zum Innehalten zu geben. Ab sofort täglich um fünf nach Zwölf sollen hier Friedensgebete abgehalten werden. Auch Schüler der Klasse 8 G von der Regionalen Schule Marlow demonstrieren gegen den Krieg. Die Schüler schreiben: "Unsere Klasse möchte nicht tatenlos zusehen, wie unschuldige Menschen sterben müssen."
Rügen: Rund 200 Rüganer treffen sich vor dem Bergener Bahnhof. "Wir sind hier, weil wir gegen den Krieg sind", sagen Marianne (56) und Wolfram Sekund (64) aus Putbus. Der Angriff auf den Irak sei ein Verbrechen gegen die Menschheit. "Es darf nicht sein, dass ein Staat das Recht für sich in Anspruch nimmt, zu bestimmen, wer gut und wer böse ist." Der Rügener Kreistag unterbricht seine Sitzung für eine Schweigeminute. Zeitgleich blockieren 150 Demonstranten den Kreisverkehr in Sassnitz.
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In vielen Städten gehen die Proteste am Abend weiter. Im evangelischen Kirchenkreis Güstrow werden jeden Donnerstag die Glocken in den 160 Kirchen läuten und zur Friedensandacht rufen. Solange der Krieg dauert.
Ostseezeitung
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21.03.2003
Angriff löst Protestwelle aus - Tausende gehen in Rostock und Schwerin auf die Straße - Politiker über Krieg bestürzt
Schwerin (dpa/ddp/EB) Der Krieg im Irak löst in Mecklenburg-Vorpommern eine Welle der Entrüstung aus. In Rostock zogen gestern bereits am Morgen 5000 Schüler protestierend durch die Stadt. Am Abend folgten weitere Friedens-Demonstrationen im ganzen Land. Politiker sowie Vertreter von Kirchen, Verbänden und Vereinen reagierten bestürzt auf den Beginn der Angriffe.
Mit Protestplakaten und Liedern wie "Give Peace a Chance" von John Lennon zogen am Morgen 8000 Rostocker, darunter viele Schüler, friedlich vom Uniplatz durch die Innenstadt, um gegen das militärische Vorgehen der USA und für den Frieden zu demonstrieren. Weitere Protestmärsche mit Tausenden Teilnehmern gab es am Nachmittag und Abend in Rostock, Schwerin und vielen weiteren Orten des Landes.
Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) verurteilte die amerikanischen Angriffe scharf. US-Präsident George W. Bush habe sich über die Resolution 1441 des UN-Sicherheitsrates hinweggesetzt, sagte Ringstorff. "An die Stelle des Rechts ist das Recht des Stärkeren getreten." Die UNO habe eine "tiefe Niederlage" erlitten. Jetzt müssten die Hilfsorganisationen gestärkt werden.
CDU-Landeschef Eckhardt Rehberg bedauerte, dass es wegen des fehlenden einheitlichen politischen und militärischen Drucks auf Saddam Hussein zum offenen militärischen Konflikt gekommen sei. "Ähnlich wie bei den Balkan-Konflikten und in Afghanistan haben sich einige Länder vor der Verantwortung gedrückt", sagte Rehberg.
Arbeitsminister Helmut Holter (PDS) forderte die sofortige Einstellung der Angriffe. "Es gibt keine Rechtfertigung dafür, unschuldige Menschen zu töten oder zu verletzen. Das Völkerrecht wird mit Füßen getreten."
Wirbel um Protestplakat am Schweriner Schloss
Die PDS-Fraktion brachte vormittags am Schweriner Schloss ein Plakat mit der Aufschrift "Nein zum Krieg" an. Nach drei Stunden musste es auf Intervention der Landtagsverwaltung wieder entfernt werden.Mit Betroffenheit und Sorge reagierten die Kirchen in MV auf den Beginn des Krieges. "Wir wissen uns mit all denen verbunden, die den Krieg als Mittel zum Durchsetzen politischer Ziele in heutiger Zeit ablehnen. Es ist nicht zu erkennen, dass das Recht gegeben ist, den Einsatz von Gewalt religiös zu motivieren und zu begründen", sagte der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, Hermann Beste, in Schwerin. Er rief zu Gebeten für den Frieden und den Schutz des Lebens der Menschen auf.
"Aus dem Bruch des Völkerrechts wird keine Friedensordnung wachsen", sagte Bestes Pommerscher Bischofskollege, Hans-Jürgen Abromeit. "Die Zerstörung des Rechts fällt auf den zurück, der es zerstört hat".
Kirchen läuten Glocken und rufen zu Friedensandachten
In vielen Kirchen wurden als Reaktion auf den Kriegsbeginn die Glocken geläutet, Gläubige kamen zu Andachten zusammen. Die evangelischen Kirchengemeinden der Propstei Bützow wollen als Zeichen für den Frieden bis Montag jeweils um 19 Uhr die Glocken läuten. Der DGB Nord befürchtet durch den Irak-Krieg verheerende Folgen für die Weltwirtschaft. "Das ist das Letzte, was wir jetzt noch brauchen können", sagte der DGB Nord-Vize Ingo Schlüter. "Es ist eine Schweinerei, dass die USA entgegen dem Völkerrecht den Krieg begonnen haben. Es sei aber wichtig zu wissen, dass nicht alle Amerikaner dem "Hurra-Patriotismus" verfallen sind, sagte Schlüter.
Die Jungsozialisten (Jusos) in MV warfen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) Unterstützung der USA im Irak-Krieg vor. Die deutschen ABC-Schutzpanzer in Kuwait, die Beteiligung an AWACS-Aufklärungsflügen, sowie die Überflugrechte für das US-Militär seien konkrete Unterstützungsmaßnahmen, sagte der Landeschef des SPD-Jugendverbandes, Thomas Behm.
Schweriner Volkszeitung
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21.03.2003
Proteste und John-Lennon-Lieder - Internetseiten der Stadt Waren fordern zu Bekenntnis gegen Krieg auf
Neubrandenburg/Schwerin/Rostock (NK/ddp). Die Demonstrationen von Schülern in Mecklenburg-Vorpommern gegen den Irak-Krieg ziehen keine Disziplinarmaßnahmen des Bildungsministeriums nach sich. Strafen seien nicht vorgesehen, sagte eine Ministeriumssprecherin. Man könne auf der einen Seite nicht engagierte junge Menschen wollen und sie auf der anderen Seite für derartige Aktionen bestrafen. Die Schüler seien allerdings belehrt worden, dass die Demonstrationen keine Schulveranstaltungen sind. Wut, Trauer und Ohnmacht kennzeichneten die Demonstrationen und Mahnwachen in Neubrandenburg. Allein dem Aufruf von Stadtschülerrat und Friedensbündnis folgten schon am Vormittag über 3000 Menschen. Vor allem Schüler und Lehrer versammelten sich zum Protest vor dem Rathaus der Viertorestadt.In Waren kam es zu einer Protestkundgebung auf dem Markt. Internetsurfer, die gestern auf der Homepage der Müritzstadt landen wollten, sind nicht wie gewohnt auf den Seiten angekommen. Zunächst erschien ein Feld mit dem Inhalt "No War! Hiermit bestätige ich, dass für das friedliche Zusammenleben aller Völker bin". Erst, wer das auch mit einem Klick "unterschrieb" kam weiter. In der Hansestadt Demmin gestalteten Schülerinnen der Pestalozzi-Schule kurzerhand ein großes Transparent mit der Aufschrift "Wir alle verurteilen den Krieg im Irak, denn Krieg ist keine Lösung für politische Probleme" und machten es am Schulgebäude fest.
Schon seit Wochen sammelten Malchiner Gymnasiasten Postkarten und Unterschriften gegen den Krieg, schrieben Gedichte und Lieder. Einige davon trugen sie gestern Vormittag auf dem Schulhof des Gymnasiums während einer Protestdemonstration vor. In Ducherow im Kreis Ostvorpommern lud gestern Punkt zwölf Uhr Pastorin Barbara Süptitz zum Friedensgebet. Das will sie wiederholen, solange der Krieg andauere, sagte die Pastorin. In Rostock gingen rund 5000 Schüler aus der Hansestadt und Umgebung auf die Straße, um gegen das militärische Vorgehen der USA und für den Frieden zu demonstrieren. Mit Liedern wie "Give Peace a Chance" von John Lennon und Songs von den Ärzten und Toten Hosen zogen die Jugendlichen friedlich vom Uniplatz durch die Innenstadt.
Nordkurier
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