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21.03.2003
Note 6 für Kriegsherr Bush - 8000 Schüler in Rostock auf der Straße - Demos verliefen friedlich
Stadtmitte (OZ) Rostock erlebte gestern die größten Demonstrationen seit der Wende. Über 10 000 Menschen gingen auf die Straße. Ihre Motivation: Nein sagen zum Krieg. Am Morgen verließen 8000 Schüler ihre Klassenräume, um auf Kundgebungen auf dem Universitätsplatz und auf dem Neuen Markt gegen den Irak-Krieg zu demonstrieren. Gestern Abend versammelten sich auf Initiative des Rostocker Friedensbündnisses 2000 Menschen im Stadtzentrum. Um 18 Uhr läuteten die Glocken der Stadtkirchen, Friedensandachten überall. Die Stimmung: bedrückt bis wütend.
"Bomben können keinen Frieden sichern", "Bomben für den Frieden, wer soll das verstehen". Sprüche auf Transparenten, mit denen die Schüler ihre Gedanken zum Angriff auf den Irak am Vormittag durch die Stadt trugen. Ihre Aussage: Note 6 für US Präsident Bush. "Streik in der Schule ist die Antwort auf euren Krieg", skandierte die Schülermenge bei der Auftaktkundgebung des Bündnisses "Jugend gegen Krieg", das den Schülerstreik seit Wochen vorbereitete. "Wir wollen zeigen, dass wir uns nicht alles gefallen lassen." Für Stefanie Jantzen (15) aus der zehnten Klasse des Goethegymnasiums ein inneres Bedürfnis, irgendetwas zu tun. Obwohl die Schulleitung des Christophorus-Gymnasiums das Streiken verboten habe, hätte ihn das nicht abhalten können, sagte Hannes S. (14). "Wir haben zwei Stunden Unterricht gemacht und sind dann gegangen. Keiner hat was gesagt", ergänzte Mitschüler Johann Peter Wolff (14). Die Schüler vom Goethegymnasium versammelten sich um 7 Uhr vor der Schule. Auf dem Weg in die Innenstadt holten sie andere Schüler ab. Die Polizei, die gestern mit 310 Beamten im Einsatz war, sperrte für sie die Straßen. "Wir sind überzeugte Kriegsgegnerinnen, haben schon Unterschriften gesammelt", berichteten Maria Heydel und Lina Mickel (beide 15). Das erste Mal bei einer Demo dabei waren Annabel Godglück und Dirk Wölbing von der Schmarler Wirtschaftsschule. Im Unterricht wird ihnen zu wenig über aktuelle Weltpolitik gesprochen. "Das Volk soll entscheiden, nicht nur die Politiker." "Unser Schulleiter hat uns freigegeben. Wir sind nach Rostock gekommen, weil wir hier mehr bewirken können", so Cindy Müller (15) und Kristin Struppert (13) von der Realschule Sanitz. Trotz der Empfehlungen des Bildungsministers, den Schülern das Protestieren zu ermöglichen, lief es nicht an allen Schulen so reibungslos. Nach übereinstimmenden Berichten soll Schülern an einigen Schulen mit Konsequenzen wie Fehltagen gedroht worden sein, wenn sie vom Unterricht fernbleiben. Schulleiter wiederum berichteten, dass Schüler wie eine "gröhlende Horde" in Schulen eingedrungen seien.
ANDREAS EBEL und MONIQUE BROESHART
Ostseezeitung-Rostock
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21.03.2003
Zorn und Furcht in Gesichtern Tausender - Mehr als 10 000 demonstrierten in Rostock - Friedensgebete
Ein tausendfaches Nein zum Krieg gegen den Irak erscholl durch Rostock. 8000 junge Leute protestierten am Vormittag gegen den Waffengang der Bush-Administration, am Abend folgten Tausende dem Aufruf des Rostocker Friedensbündnisses.
Von Wolfgang Grahl und Thomas Niebuhr
Vor 60 Jahren lag dieser Platz in Schutt und Asche, rief Karl Fühmann den Protestierenden gestern abend auf dem Universitätsplatz zu und erinnerte an das Inferno im Zweiten Weltkrieg. "So ewtas darf sich in Bagdad nicht wiederholen", warnte der Lehrer am Ostseegymnasium. "Bush muss gestoppt werden, es darf nicht das Recht des Stärkeren, sondern nur die Stärke des Rechts geben", so Fühmann weiter. Das deutsche Nein zur USA-Intervention im Irak sei richtig, es reiche aber nicht aus: Den amerikanischen Bombern seien die deutschen Überflugrechte zu entziehen, forderte der Friedensbewegte.
Gut 4000 Rostocker waren in den Abendstunden zum Uni-Platz gekommen, um ihren Protest auszudrücken, den während der Kundgebung Steffen Bockhahn von der PDS so charakterisierte: "Es ist ein Krieg ohne jede Legalität, das Völkerrecht wird mit Füßen getreten. Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie alles unterlässt, was den Krieg in irgendeiner Form unterstützt."
Nach weiteren Wortbeiträgen zogen die Rostocker über den Neuen Markt zum Steintor, um über die August-Bebel-Straße die Lange Straße zu erreichen. Um 18.00 Uhr hatten die Glocken von St. Marien das erste Bekenntnis Tausender in der Hansestadt nach dem Kriegsausbruch im Irak eingeläutet, immer mehr Menschen schlossen sich der Demonstration an. Die Rostocker Innenstadtkirchen stehen in den Folgetagen für Friedensgebete und die Ermutigung durch Gottes Wort offen; in der Gehlsdorfer St.-Michaels-Kirche am Kirchenplatz findet täglich um 18.00 Uhr ein Friedensgebet statt.
In einer Resolution des Rostocker Friedensbündnisses wird die Bundesregierung aufgefordert, "alles zu tun, ihr Nein zum Krieg der USA und ihrer Verbündeten zu bekräftigen und mit aller Konsequenz durchzusetzen". Die Rostocker sollten in vielen Aktionen sagen: Der Krieg muss gestoppt werden, Friede dem Irak!
Am Vormittag hatten sich über 8000 Schüler aus Rostock und der Region zum lautstarken und bunten "No war" auf dem Uni-Platz versammelt; viele der jungen Leute berichteten von ihren Ängsten und Sorgen um die Zukunft der Menschheit. Mit einem Protestzug beendeten sie zur Mittagsstunde ihre Aktion.
Norddeutsche Neueste Nachrichten
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21.03.2003
3000 fordern: Stoppt den Krieg! - Schülerdemo gegen Angriff auf Irak sorgt in Neubrandenburg für Aufsehen - Mahnwache und Gebet
Von den Redaktionsmitgliedern Reinhard Wehden, Heike Sommer und Mitarbeiterin Susanne Müller
Neubrandenburg. Wut, Trauer, Ohnmacht - mit diesen drei Worten lässt sich die Stimmung jener Neubrandenburger ausdrücken, die gestern an den Demonstrationen, an der Mahnwache auf dem Markt und den Gebeten gegen den Irak-Krieg teilgenommen haben. Allein dem Aufruf von Stadtschülerrat und Friedensbündnis waren über 3000 Menschen gefolgt. Schüler und ihre Lehrer hatten sich vor dem Rathaus versammelt.
Vertreter von Gewerkschaften sowie Globalisierungsgegner ergriffen das Wort, um ihre Bestürzung über den Einmarsch der US-amerikanischen und britischen Truppen in den Irak zum Ausdruck zu bringen. Andere kommentierten den Ausbruch des Krieges auf Spruchbändern und Plakaten: "Was ist feige? Sich hinter einem Bush zu verstecken", "Kein Krieg für Oil" oder "Eine Million Tote, Verletzte, Flüchtlinge - Na und? The Show must go on". Der Alltagsbetrieb der Stadt wurde dann für eine halbe Stunde gestört, als die Demonstranten spontan auf den Engelsring zogen und die wichtige Verkehrsader in voller Breite in Beschlag nahmen. Die Polizei musste in aller Eile kurzzeitig die Zufahrten sperren, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.
Kerzen und Zettel
Während auf dem Ring lautstark gegen den Krieg protestiert wurde, versammelten sich in der Johanniskirche Menschen zum Gebet. Auch hier waren es am Vormittag vor allem Schüler und ältere Menschen, die "mit Gott reden wollen und ihm unsere Wünsche, Bitten und Klagen vortragen", wie Petra Hoffmann von der Johannisgemeinde sagte. Auf den Stufen vor dem Altar wurden Teelichter entzündet und Zettel mit Wünschen und Gebeten gelegt. "Ich denke an die Kinder und an die, die keinen Krieg wollen, an die Armen, die täglich ums Überleben kämpfen. Ich denke an den Mann, der den Krieg angefangen hat. Wird Gott ihm verzeihen?", war da beispielsweise zu lesen.
Verzeihen werden ihm jedenfalls die etwa 55 in der Viertorestadt lebenden Iraker sicher nicht. Den ganzen gestrigen Tag über versuchten die Asylsuchenden neue Informationen über die Situation in ihrem Heimatland zu erfahren. Der Kontakt zu ihren Angehörigen im Kriegsgebiet über Telefon blieb den meisten verwehrt, weiß Gerlinde Brauer-Lübs. Verbindungen kamen bei den derzeitigen Zuständen nicht zustande. Die Geschäftsführerin des Soziokulturellen Bildungszentrums mit integrierter Ausländerbegegnungsstätte bemüht sich gerade jetzt besonders um ihre irakischen Schützlinge in Neubrandenburg. Viele seien verängstigt und eingeschüchtert.
Mit Spendengeldern hofft sie, wie auch schon in jüngster Vergangenheit, zumindest einige Familien zusammen führen zu können.
Die Sicherheit in der Viertorestadt sei nicht gefährdet, unterstrichen gestern sowohl Polizei als auch Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU) gegenüber unserer Redaktion. Ruhe und Besonnenheit zu bewahren und trotzdem wachsam zu sein, verlangte der OB. Die Polizei habe nach einem speziellen Maßnahmekatalog die Streifentätigkeit verstärkt, hieß es von einem Sprecher. Sicheren Flugverkehr bestätigte der Flughafen Neubrandenburg-Trollenhagen. Die Kontrollen seien seit dem 11. September verstärkt worden. Der Liniendienst nach München verlaufe reibungslos.
Nordkurier-Neubrandenburg
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21.03.2003
Lieder, Gedichte, Gebete gegen den Krieg - 500 Gymnasiasten in Malchin protestieren gegen Waffengang im Irak - Kirchen der Region öffnen ihre Türen
 | Etwa 500 Gymnasiasten versammelten sich gestern Vormittag in Malchin auf ihrem Schulhof zur größten Protestaktion in der Region. Hier spielte unter anderem die Schülerband Nendoh. |
Malchin/Teterow. Sie waren auf den Tag X vorbereitet und hatten doch bis zum Schluss gehofft, dass er nie kommen möge. Seit Wochen sammelten die Malchiner Gymnasiasten Postkarten und Unterschriften gegen den Krieg, schrieben Gedichte und Lieder. Einige davon trugen sie gestern Vormittag auf einer Protestveranstaltung auf dem Schulhof des Gymnasiums vor. "Heute morgen war es soweit. Einmal mehr gehen Menschen gegen Menschen in den Krieg", rief Steffi Jahnel zu Beginn der Kundgebung etwa 500 ihrer Mitschüler zu. Man sei hier zusammengekommen, um deutlich zu machen, dass der Krieg als Mittel zur Durchsetzung von nationalen und internationalen Interessen veraltet sei. "Einen Krieg zu beginnen, ist doch einfacher, als Frieden zu gewinnen."
Nach dem Kriegsbeginn im Irak sorgten die Malchiner Gymnasiasten damit gestern für die größte Protestaktion in der Region. Mehrere Schüler trugen selbst verfasste Gedichte vor, mit denen sie ihre ablehnende Haltung zum Krieg zum Ausdruck brachten, in denen aber auch von Angst die Rede war. "Wir versuchen unseren Protest mit unserer Musik zum Ausdruck zu bringen", sagte Marc Willenberg von der Schülerband Nendoh, die die Kundgebung mit ihren harten Klängen umrahmte. Ob Politik denn wirklich noch etwas mit gesundem Menschenverstand zu tun habe, fragte die stellvertretende Schulleiterin Heidrun Franke.
Heute wollen einige der Malchiner Gymnasiasten nach Berlin fahren, um die während ihrer Aktion "Nimm dir Zeit für den Frieden" gesammelten Postkarten und Unterschriften der amerikanischen Botschaft zu übergeben. Dabei werde ihnen eine SPD-Bundestagsabgeordnete helfen, kündigte Steffi Jahnel vom Schülerrat an.
In der Teterower Sankt Peter und Pauls Kirche war es gestern Abend eine kleine Schar, die sich mit dem Läuten der Kirchenglocken versammelte. Die mahnenden Stimmen der Vernunft seien verhallt, nun sprechen die Waffen, zeigte sich Pastor Burckhard Ebel tief betroffen. "Doch der Ausbruch des Krieges sollte uns nicht verstummen lassen", lud der Pastor die Versammelten ein, ihre Gedanken zu äußern. Andreas Hoch erinnerte daran, dass jenes Land, das im Visier von Bomben und Raketen steht, laut biblischer Überlieferung das Stammland Abrahams war. Das seit Jahren leidende irakische Volk müsse nun Gräuel und Schrecken eines Krieges erfahren. Allein die Vorstellung, was dort jetzt auf die Menschen zukomme, entsetzt auch Gertrud Grams, wie sie bekennt. "Wir dürfen in unserem Protest gegen diesen Krieg nicht nachlassen, wir müssen ihn verstärken", appellierte Walter Hille. Auch Pastor Ebel lud zum Friedensgebet am Montagabend wieder in die Kirche ein.
Im gesamten Kirchenkreis Güstrow waren die Pastoren gestern Abend aufgerufen, die Gotteshäuser zu öffnen. "Wer will, kann zu uns kommen, um mit seinen Gedanken nicht allein zu sein", sagte Malchins Pastor Thomas Waack.
Kinder aus der evangelischen Kindertagesstätte "Bunte Arche" in Neukalen hatten am Vormittag in der St. Johanniskirche ihrer Stadt Kerzen entzündet und Lieder gesungen. "Obwohl sie noch klein sind, verstehen viele von ihnen, dass Krieg nichts Gutes ist. Wir haben mit ihnen darüber gesprochen und einige Kinder sagten, dass sie das mit dem Krieg am Morgen im Radio gehört hätten", berichtete die Leiterin der Kita, Janett Birr. Etliche Kinder hatten Bilder mit in die Kirche gebracht, die sie vorher gezeichnet hatten.
Sicherheitsvorkehrungen
Auch wenn es derzeit keine Hinweise auf eine konkrete Gefahr gebe, hat die Polizei gestern eine so genannte Gefährdungsprognose und einen Maßnahmekatalog erstellt, wie Polizeisprecher Andreas Wegner in Neubrandenburg sagte. Dazu zähle zum Beispiel, dass in Malchin das amerikanische Unternehmen Citrico stärker bestreift werde. Ebenso seien für die Asylbewerberheime Schutzmaßnahmen festgelegt worden.
Der Irak-Krieg hat für die heutige Auflösung des Panzerflugabwehrkanonenregiments 14 in Basepohl indessen keine Folgen. Laut Presse-Offizier Oberleutnant Körting läuft alles wie geplant ab, spezielle Maßnahmen - zum Beispiel zur Sicherheit - gibt es nicht. "Wie werden aufgelöst, egal ob da irgendwo ein Krieg tobt", meinte er gestern knapp. Betreffs des Flughafens Laage äußerte Petra Zühlsdorf-Böhm, Pressesprecherin der Kreisverwaltung Güstrow, dass dort die Bundeswehr auch für den zivilen Teil erhöhte Sicherheitsvorkehrungen treffe.
Nordkurier-Malchin
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21.03.2003
"Kein Blut, kein Leid, kein Terror" - 500 Schüler protestierten gestern mit einem Marsch durch Lübz gegen den Irak-Krieg
Lübz Aufgewacht mit der Nachricht "Krieg im Irak" kamen die Gymnasiasten aus Lübz gestern Morgen gleich mit Protestplakaten zum Unterricht. Am Tag des Kriegsausbruchs wollten sie ein Zeichen setzen: gegen Krieg, Terror und Gewalt.
"Wir stehen heute hier, weil die Diplomatie versagt hat, weil Willkür und Arroganz sich über die Mehrheit hinweggesetzt und weil die Politik die Demokratie missbraucht und verraten hat." Mit einer leidenschaftlichen Rede begann gestern Morgen Stefan Elies aus der 13/1 auf dem Schulhof des Lübzer Gymnasiums die Kundgebung gegen den Irak-Krieg. Der 18-jährige Abiturient hatte vor vier Tagen an seiner Schule zu einer Demonstration gegen den Krieg aufgerufen. "Wir alle haben Angst", sagt er. "Viele sagen vielleicht, dass es eh nichts bringt, etwas gegen den Krieg zu tun. Aber wir meinen: Nichts tun bringt noch weniger."
Sascha Elies sprach erst mit dem Schülerrat, dann mit der Schulleitung, nahm Verbindung mit Polizei und Ordnungsamt auf und organisierte binnen kürzester Zeit einen zweistündigen friedlichen Protestmarsch quer durch die Stadt. Vom Gymnasium bis zur Schützenstraße, dann über die Plauer Straße zum Ziegenmarkt, hoch zur B 191 und von dort zurück zum Gymnasium. 20 Ordner aus der 13. Klasse sicherten den Zug ab, die Polizei sperrte kurzfristig die Bundesstraße.
Autofahrer warteten geduldig, Anwohner schauten anerkennend von ihren Balkons zu den Schülern, auch Lehrer schlossen sich dem Demonstrationszug an. "Ich bin wirklich stolz auf unsere Schüler", sagte Torsten Kröll, stellvertretender Schulleiter. "Sie haben hier eine tolle Sache in völliger Eigenregie auf die Beine gestellt."
Mit dem Zeichen der Friedensbewegung auf ihren Gesichtern, bemalten T-Shirts und Slogans, wie "Öl für Menschenleben?", "Bush - blixt du noch durch?" oder "Wir wollen Frieden!" kamen sie früh zur Schule. Andere setzten sich in den ersten zwei Stunden zusammen, klebten Schilder und beschrifteten Transparente. "Die meisten sind dabei, weil sie gegen Krieg, Blut, Leid und Terror sind", sagt Sascha Elies. "Ich glaube und hoffe, kaum einer will sich hier vorm Unterricht drücken." Auslöser für Saschas Antikriegs-Initiative in Lübz war ein Anruf eines Freundes aus Berlin. Dort, in Neubrandenburg und in vielen anderen deutschen Städten gingen gestern auch tausende Gymnasiasten auf die Straße.
Katharina Hennes
Schweriner Volkszeitung-Lübz
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21.03.2003
Greifswalder verurteilen den Irak-Krieg - 200 Schüler streikten am Vormittag, 500 demonstrierten am Abend
Greifswald (OZ) Am Vormittag demonstrierten rund 200 Schüler und Auszubildende von Greifswald auf dem Markt gegen den Irak-Krieg der USA. 17 Uhr waren 500 Kriegsgegner aller Altersklassen auf den Fischmarkt gekommen. Einhellig wurde der Irak-Krieg als völkerrechtswidrig verurteilt. Einen Diktator wie Saddam könne man auch friedlich in die Knie zwingen. Roland und Sieglinde Böttcher haben als Kinder den Krieg und die Flucht miterlebt. "Es trifft immer Unschuldige. Wir verurteilen das Vorgehen der USA", so die beiden Rentner. Der sechsjährige Jan Eike Wöller sagte unter Beifall: "Krieg ist ganz schlimm, weil alles kaputt gemacht wird. Dr. Walter Schelske machte ebenfalls seinem Unmut Luft: "Es ist ungeheuerlich von Bush, dass er UNO-Beschlüsse boykottiert und sich über den Willen eines Großteils seines eigenen Volkes hinweg setzt." Die Greifswalder wollen sich deshalb wöchentlich treffen und ihren Friedenswillen mit äußeren Zeichen sichtbar machen.
Ostseezeitung-Greifswald
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21.03.2003
Demonstration, Gebet und Entsetzen - Schüler versammeln sich am Vormittag auf der Straße - Politiker verurteilen Krieg - Weitere Aktionen geplant
Mecklenburg-Strelitz. Mit Protestmärschen, Friedensgebeten und weiteren Aktionen haben die Mecklenburg-Strelitzer gestern in verschiedenen Orten des Kreises ihre Meinung zum begonnenen Krieg im Irak geäußert.
Der Nordkurier hatte eine Sonderausgabe gedruckt und am Nachmittag rund 1700 Exemplare in der Neustrelitzer Region verteilt.
Bereits am Vormittag versammelten sich zahlreiche Schüler aus dem Gymnasium Carolinum, dem Schliemann-Gymnasium und der Nehru-Schule zu einer Kundgebung auf dem Marktplatz. Mit Transparenten, Trommeln und Trillerpfeifen sowie Sprechchören und Musik machten sie ihrer Wut, Traurigkeit und auch Angst Luft. "Eternal Peace Made By Bush" etwa hieß es auf einem Plakat, das einen verbrannten Erdball zeigte. Die Schulleiter hatten den Jugendlichen die Entscheidung überlassen, an der Demonstration teilzunehmen oder Unterricht zu absolvieren. "Ich gehe doch davon aus, dass die Schüler aus Überzeugung hier sind und nicht um Stunden ausfallen zu lassen", sagte Dieter Zscheischler, Leiter der Nehru-Schule, der selbst mit zum Marktplatz gekommen war. Kaum eine Stunde vor Beginn war die Ankündigung der seit längerem für den "Tag X" geplanten Demonstration bei der Polizei eingegangen. "Ein Zeichen, dass wir auf solche Situationen schnell reagieren können", stellte Ordnungsamtsleiterin Sylke Drobek fest. Die Polizisten behielten im Blick, dass die Straßen befahrbar blieben; Zwischenfälle blieben aus. Lediglich einige Jugendliche wurden für die Dauer der Demonstration in Gewahrsam genommen, weil sie Flaschen als Wurfgeschosse bei sich hatten, teilte die Polizei mit.
"Zutiefst enttäuscht"
Besondere Sicherheitsvorkehrungen sind im Landkreis nur für die Asylbewerberheime getroffen worden, wie der Leiter der Polizeiinspektion bestätigte. Dort werden verstärkt Streifen eingesetzt. Weitere Maßnahmen habe auch die Kreisverwaltung nicht eingeleitet, hieß es von dort. Landrätin Kathrin Knuth (CDU) bezeichnete die Entwicklung im Irakals dramatisch. "Ich hätte mir schon gewünscht, dass der Krieg verhindert wird. Ich hoffe, dass die Zivilbevölkerung verschont bleibt und das Ganze schnell zu Ende ist", sagte sie gestern gegenüber dem Nordkurier. Mit Blick auf den Krieg allgemein unterstrich Kathrin Knuth, dass wohl jeder von der menschlichen Seite her Angst habe, wenn ein Krieg ausbreche, "egal wie weit weg er ist". Für die Weltgemeinschaft hofft die Christdemokratin, dass sie wieder stabil werde und auch die Beziehungen zu den USA sich wieder normalisieren. "Ich bin zutiefst enttäuscht, dass die diplomatischen Bemühungen nicht zum Erfolg geführt haben. Was jetzt passiert, ist in seinen Dimensionen nicht abschätzbar und bringt mit großer Gewissheit viel Leid für unschuldige Menschen mit sich", sagte der Neustrelitzer Bürgermeister Rainer Günther (SPD).
Einige Umbuchungen
Auch so manches Urlaubsziel ist mit dem Ausbruch des Krieges in weite Ferne gerückt. "Das Auswärtige Amt rät von Reisen nach Ägypten, Jordanien, Zypern, Tunesien, Marokko und in die Osttürkei ab", sagt Beate Lampe von Luise-Reisen in Neustrelitz. Für diese Länder werde keine Sicherheit mehr gewährt. Gestern wurden Flüge in die Osttürkei abgesagt. "In unserem Reisebüro betrifft dies aber niemanden", ergänzt sie.
Wer seine Reise schon gebucht hat, dem sichern die Reiseveranstalter kostenlose Umbuchungen für ein anderes Reiseziel oder einen späteren Zeitpunkt zu. "Wir hatten einige Umbuchungen von Urlaubswilligen, die demnächst eine Reise in die betreffenden Länder antreten wollten. Dabei geht Spanien wieder mal als Sieger aus der Sache hervor", berichtet Berit Blaack von Atlas-Reisen in Neustrelitz.
Friedenskonzert
Am Abend versammelten sich rund 200 Neustrelitzer zum Friedensgebet in der Stadtkirche. Erstmals hatte auch die PDS dazu aufgerufen.
Gemeinsam mit der SPD und der PDS hat die Neustrelitzer Band "Mühlenberg & Co." für Sonntag zu einer Veranstaltung gegen den Krieg aufgerufen. Von 15 bis 18 Uhr gibt es Reden und Musik in Neustrelitz-Kiefernheide bei der Gaststätte "Zum Linde". Alle Parteien, Vereine, die Kirche und Einwohner können durch ihr Erscheinen die Ablehnung des Krieges zum Ausdruck bringen, hieß es.
Nordkurier-Neustrelitz
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21.03.2003
Rund 300 Warener zeigen Bush-Politik die Zähne - Kundgebung vor dem Rathaus - Teilnehmerin: "Ich zittere vor Angst"
 | "Gebt dem Frieden eine Chance" - das forderten gestern auch Anne Marschner (links) und Anne Schmidt aus der Müritz-Stadt. |
Von unserem Redaktionsmitglied Antje Gest
Müritzkreis. Und plötzlich ist der Irak ganz nah: Rund 300 Warener haben gestern Abend auf dem Neuen Markt der Kreisstadt gegen den Krieg demonstriert und die US-Regierung aufgefordert, ihren militärischen Angriff zu beenden. "Ich zittere richtig. Nicht, weil’s heute so kalt ist, sondern vor Angst. Denn ich habe schon mal einen Krieg erlebt", sagte Erna Müller, die trotz Temperaturen um den Nullpunkt und einer gerade überstandenen Erkältung zur Protestaktion kam. Ebenso wie Edeltraud Winter, die einfach etwas gegen den Krieg unternehmen möchte.
Warens Bürgermeister Günter Rhein (SPD) ging hart mit US-Präsident Bush ins Gericht und fürchtet einen Flächenbrand, der wahrscheinlich auch Europa nicht verschone. Kreistagspräsident Jobst-Peter Brach (PDS) bezeichnete die Angriffe auf den Irak als erneute Niederlage für die gesamte Menschheit und meinte: "Bush stellt sich in eine Reihe mit Saddam Hussein und Osama bin Laden." Ganz anders, aber deshalb nicht weniger betroffen der Tonfall von Landrat Jürgen Seidel (CDU). "Ich bin gegen Krieg, aber ich bin kein Pazifist und nicht der Meinung, dass man in einer Demokratie völlig auf Waffen verzichten kann. Wir sollten es aber nicht so weit kommen lassen, dass der böse Krieg zu einem pauschalen Antiamerikanismus wird", sagte Seidel.
Pastor Leif Rother sprach aus, was viele der Demonstranten befürchten: "Wir werden bald die grausamen Bilder von vielen Toten sehen, deren Namen wir nicht kennen. Mit jedem Krieg wird unsere Welt ärmer." So läuteten gestern um 18 Uhr fast überall im Müritzkreis die Glocken der Kirchen für zehn Minuten. Anschließend begann in der St. Marienkirche ein Friedensgebet, das fortan für jeden Donnerstagabend geplant ist.
"Ich bin ja eigentlich kein Christ mehr. Doch in diesen Tagen finde ich den Weg zurück in die Kirche, weil ich einfach Halt brauche und hoffe, mit meinem Gebet wenigstens etwas tun zu können", sagte Bernd Breder. Er kam mit seinem kleinen Sohn auf den Neuen Markt und weiß nicht, wie er dem Siebenjährigen erklären soll, was da gerade im Irak passiert. "Kann man ein Kind schon mit solchen Nachrichten belasten", fragt er sich wie derzeit viele Eltern des Müritzkreises. Eine Antwort bekam er bei der Kundgebung nicht. Wohl aber das Gefühl, mit dabei gewesen zu sein und vielleicht mit dem eigenen Protest etwas getan zu haben. Und dieses Gefühl war gestern Abend dem Rentner genauso wichtig wie dem Maler, dem Politiker, der Hausfrau oder dem Manager.
Nordkurier-Waren
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21.03.2003
Proteste und Gebete als Reaktion auf Irak-Krieg - 150 Wolgaster bei Mahnwache auf Brücke - Polizei verstärkt Streifen
 | Mahnwache gegen den gestern begonnenen Irak-Krieg: Gut 150 Wolgaster waren dem Aufruf der Friedensplattform gefolgt. |
Wolgast/Insel Usedom (sd/jb). Es war gestern Abend ein stiller Protest gegen den Irak-Krieg: Gut 150 Wolgaster beteiligten sich auf der Klappbrücke über den Peenestrom an einer Mahnwache und folgten damit dem Aufruf der Wolgaster Friedensplattform. Sie verspüre eine "sprachlose Ohnmacht angesichts des amerikanischen Angriffs", meinte eine Teilnehmerin.
Während in Wolgast viele Demonstranten diese Sprachlosigkeit teilten und höchstens in kleinen Gruppen über das Geschehen im Nahen Osten diskutierten, machten Konfirmanden in Ahlbeck ihren Protest weithin hörbar: Im Rahmen der Bibelstunde läuteten sie mit Pastor Gerd Panknin die "Glocke gegen Gewalt". Den gestrigen Aktionen werden in den nächsten Tagen weitere folgen: So ruft die Wolgaster Friedensplattform ab heute jeweils um 14 Uhr zu einer Mahnwache auf dem Parkplatz vor dem Postamt auf. In Bansin erklingt ab sofort täglich um 12 Uhr ein Friedensgeläut; ebenso ist die Kirche zur Besinnung und zum Gebet geöffnet. Daneben setzt die evangelische Gemeinde die Reihe ihrer Friedensgebete an jedem Freitag ab 18 Uhr fort. Jeweils mittwochs ab 17.30 Uhr findet in der Kirche von Karlshagen ein Friedensgebet statt, während in Ahlbeck an jedem Abend ab 19 Uhr aus Anlass des Irak-Krieges eine Bibelstunde geplant ist.
Unterdessen hat die Polizei gestern ihre Streifenfahrten vor den Asylbewerberheimen in Wolgast und Anklam verstärkt, bestätigte die Einsatzleitstelle der Anklamer Direktion. Mit heftiger Kritik am Angriff gegen den Irak haben sich der SPD-Kreisverband und die Jugendgruppe der ostvorpommerschen und Greifswalder PDS zu Wort gemeldet: Sowohl SPD-Chef Wolfgang Abraham als auch die Jungsozialisten bezeichnen den Angriff der USA und ihrer Verbündeten als völkerrechtswidrig. Die PDS-Nachwuchsorganisation forderte zudem Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf, deutsche Soldaten sowohl aus Kuwait als auch aus den AWACS-Aufklärungsflugzeugen abzuziehen. Gleichzeitig üben die Sozialisten Kritik an der Wolgaster Stadtverwaltung: Bereits seit drei Wochen dauere die Prüfung eines Antrags der Friedensplattform an, eine Werbefläche für ein Anti-Kriegs-Banner bereitzustellen.
Nordkurier-Usedom
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21.03.2003
Kerzen, Geläut und weiße Laken gegen den Krieg - Wolgaster Friedenskräfte zeigten Flagge auf der Peenebrücke
Wolgast/Insel Usedom (OZ) Schätzungsweise 150 Bürger der Stadt und von der Insel, darunter viele junge Leute, haben gestern Abend ab 18 Uhr die Peenebrücke bevölkert. Mit Kerzen, Fahnen und Losungen machten sie ihrem Abscheu gegen den Krieg Luft und forderten die sofortige Einstellung der Angriffe. Ihre Kritik richtete sich vor allem gegen US-Präsident Bush. Zu den Demonstranten zählten u. a. Karin Koltermann, Leiterin des Runge-Gymnasiums, Pastor Peter Nieber aus Bansin, Wolgasts Ex-Feuerwehrchef Ulrich Buchs sowie die PDS-Landtagsabgeordnete Alexa Wien.
Die Wolgaster Jugendgruppe bei den Linkssozialisten kündigte an, ab sofort täglich um 14 Uhr auf dem Parkplatz gegenüber der Post eine Friedensmahnwache abzuhalten, um auf den "unrechtmäßig geführten Krieg" aufmerksam zu machen. Von Kanzler Schröder forderten sie, gemäß des Grundgesetzes den Krieg gegen den Irak als völkerrechtswidrig zu verurteilen. Auch vor Ort müssten Versprechen eingehalten werden. Seit drei Wochen prüfe die Stadtverwaltung, ob der Friedensplattform eine Werbefläche für ein Antikriegsbanner bereitgestellt werden könne. Bislang scheinbar ergebnislos.
Zur gleichen Zeit trafen sich auch in der Kreisstadt auf Initiative des Bündnisses "Bunt statt Braun" Friedenskämpfer auf dem Marktplatz.
In der Bansiner Waldkirche sollen ab sofort täglich um 12 Uhr die Kirchenglocken als Zeichen der friedliebenden Gesinnung läuten. In Ahlbeck wird die Trauer um den Kriegsausbruch während der gerade stattfindenden Bibelwoche thematisiert. Veranstaltungen enden mit Friedensgebeten.
Ostseezeitung-Wolgast
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21.03.2003
Schwerin sagt Nein zum Krieg - Sponatene Demonstrationen - Heute 18 Uhr Friedensgottesdienst im Dom
Schwerin Mit Betroffenheit, Tränen und Wut reagieren die Schweriner auf den Beginn des Irak-Krieges. Heute gibt es Friedensgottesdienst und Schülerdemonstration.
Zahllose Schweriner bekundeten bereits gestern ihr klares Nein zum militärischen Eingreifen der USA im Irak. Um
17 Uhr demonstrierten etwa einhundert Kriegsgegner auf dem Marienplatz. Der Tenor: Die USA-Regierung setzt sich mit ihrem Angriff über das internationale Völkerrecht hinweg. Zu der Aktion hatte das Aktionsbündnis gegen den Irak-Krieg aufgerufen. Eine Stunde später wurde im Dom für die Opfer der Kriegshandlungen, ihrer Familien und Angehörigen gebetet.
Heute wollen Schüler um 15 Uhr auf dem Marienplatz gegen den Krieg demonstrieren. Zu einem ökumenischen Friedensgottesdienst laden ebenfalls heute die evangelisch-lutherischen, die katholischen und freikirchlichen Gemeinden ein. Er beginnt um
18 Uhr im Schweriner Dom. Nach dem Gottesdienst soll sich ein Zug vom Dom durch die Innenstadt in Bewegung setzen. Die Teilnehmer werden gebeten, dabei mit Kerzen in der Hand ein Zeichen des Friedens zu setzten. Der Zug endet wieder auf dem Markt. Dort sollen Persönlichkeiten der Stadt kurz das Wort ergreifen. Nach der Aktion bleibt der Dom weiter geöffnet
Die Schweriner PDS erwartet von der Stadtspitze, dass sie die Fahnen vor dem Rathaus auf Halbmast setzt. Zugleich ruft sie alle Bürger auf, ihre Trauer und ihren Protest durch das Tragen einer schwarzen Armbinde öffentlich zu zeigen.
Auf Arbeit, in Straßenbahnen, in Schulen, in Familien - überall ist der Schrecken des Krieges Gesprächsthema. Vor allem älteren Schwerinern standen bei den TV-Bildern Tränen in den Augen. Erinnerungen an eigene leidvolle Erfahrungen werden wach.
Schweriner Volkszeitung-Schwerin
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21.03.2003
Wut, Resignation und Trauer über US-Offensive im Irak - 80 Demonstranten in Anklam- Schüler sammeln Unterschriften - Friedensgebete
 | In Anklam demonstrierten etwa 80 Menschen gegen den Krieg im Irak. Konrad Venz (vorn rechts) war traurig über die geringe Beteiligung in der Lilienthalstadt - auch seitens der Politiker. |
Anklam (as/ck). "Ich bin froh, dass ich nicht zu Hause sitzen muss. Dort wäre ich allein mit meiner Wut", rief gestern der PDS-Kreisvorsitzende Arnold Schoenenburg den Anklamer Demonstranten zu. Etwa 80 Menschen versammelten sich am Abend zur Antikriegsdemo und zogen vom Marktplatz zur Peenebrücke. Der Anklamer Konrad Venz war traurig über die geringe Beteiligung: "Was muss denn noch passieren, bis die Anklamer aufwachen?", fragte er. Die Politik ließ sich bis auf einige PDS- und SPD-Stadtvertreter kaum blicken. "Wo sind der Bürgermeister und die Landrätin?", fragte Venz.
Diejenigen, die sich aufgerafft hatten, bei eiskaltem Wind für den Frieden und gegen die Invasion der US-amerikanischen Truppen im Irak zu demonstrieren, gaben sich traurig, resigniert und wütend. Auch Venz ergriff das Mikrofon und erzählte seine Geschichte als Invalide des Zweiten Weltkriegs. "Frieden kostet Mut! Krieg kostet Leben!", rief er am Ende seiner Rede.
Der SPD-Kreisverband verurteilte gestern in einer Erklärung den Angriff auf das Schärfste. Uwe Schultz, machte als Fraktionschef der Anklamer SPD zudem deutlich, dass gerade die Anklamer wissen, "was ein Krieg auch als ,Befreiungskrieg‘ aus einer Stadt machen kann. Anklam hat sich bis heute nicht von den Wunden des letzten Krieges erholt", schrieb er.
In den Schulen sprachen gestern und auch schon vorgestern die Kinder mit ihren Lehrern über den Krieg. In Ducherow erklärte Schulleiter Hans-Jürgen Kumm den Kindern über die Lautsprecher in den Klassenräumen die Situation. Auch die Schüler des Anklamer Lilienthal-Gymnasiums protestierten gegen den Irak-Krieg. Die Schüler der zehnten Klasse starteten eine Unterschriftenaktion.
In Ducherow und Lassan standen die Kirchen gestern Mittag um 12 Uhr zum Friedensgebet offen. Das Gebet soll jeden Mittag wiederholt werden, solange der Krieg im Nahen Osten andauert. Gestern Abend um 18 Uhr fanden sich etwa 30 Menschen zum Gebet in der Anklamer Salvator-Kirche ein. In Liepen lädt Pastorin Frauke Winkler ab sofort von Montag bis Freitag jeweils um 18 Uhr zum Friedensgebet ein.
Unterdessen intensiviert die Polizei seit gestern ihre Streifenfahrten vor den Asylbewerber-Wohnheimen in Anklam und Wolgast; in dem früheren "Hotel Anklam" an der Johannes-Gutenberg-Straße sind mehrere Exil-Iraker untergebracht.
Nordkurier-Anklam
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21.03.2003
Bürgerproteste und Gebete gegen den Krieg - Pasewalker Kriegsgegner verurteilen Militärschlag
Pasewalk (rm). "Ich habe es geahnt, dass es in der vergangenen Nacht losgeht. Ich bin mitten in der Nacht wach geworden, habe den Fernseher angemacht und die ersten Meldungen vom Krieg gehört. Persönlich bin ich tief beunruhigt. Es fällt mir schwer, die Begründungen der USA für den Krieg nachzuvollziehen. Das ist mir zu dünn und zu vordergründig, was da als Motivation genannt wird." Mit diesen Worten reagierte gestern Landrat Siegfried Wack auf den Irak-Krieg. Als "ein Versagen von Politik und Diplomatie" bewertete CDU-Bundestagsabgeordnete Susanne Jaffke, zugleich Vorsitzende des CDU-Kreisvorstandes, das Ereignis. Und SPD-Landtagsmitglied Heinz Müller zeigte sich enttäuscht, das es noch immer Politiker gebe, die im 21. Jahrhundert glauben, mit militärischer Gewalt Konflikte lösen zu können.
Vernunft eingefordert
Während die Politiker mit Fassungslosigkeit auf das Ereignis reagierten, fand am gestrigen Abend bei einem ökumenischen Friedensgebet in der St. Marien-Kirche Pasewalk Pfarrer Jens Warnke, vor rund 50 Gläubigen der evangelischen und katholischen Gemeinde sehr deutliche Worte: Mit Besorgnis hätten die gläubigen Menschen wahrgenommen, dass die stärkste Nation der Weltgemeinschaft das Völkerrecht bricht und einen Krieg beginnt. Es sei bedauerlich, dass das Recht mit Füßen getreten und Zwietracht gesät werde. Im Verlauf des Gottesdienstes zündeten Pfarrer Heribert Duschinski sowie Margret Werth Lichter an und baten um Frieden in der Welt. Günther Trummer aus Damerow verband sein entzündetes Licht mit der Bitte um den Schutz der Kinder. "Es könnten meine Kinder und Enkelkinder sein", sagte er.
Rund eine halbe Stunde vor Beginn des Gottesdienstes waren rund 50 Pasewalker einem Aufruf der PDS-nahen Jugendorganisation "solid" gefolgt, um gegen den Krieg zu demonstrieren. "Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir mit diesen politischen Geflogenheiten nicht einverstanden sind - schon gar nicht, wenn das Völkerrecht gebrochen wird", sagte er.
Scharf brandmarkte Heinz Anders, ältester Kreistagsabgeordneter und Mitglied der PDS-Fraktion, den Griff zur Waffe. "Krieg ist keine Lösung, Krieg ist ein Verbrechen - egal wer ihn führt", befand er. Anders erinnerte daran, als Kind dem Bombenhagel in Dresden nur durch Zufall entgangen zu sein. Petra Scherer, Pasewalk, sprach schließlich davon, nach den Ereignissen der Nacht einfach für die Vernunft demonstrieren zu wollen. Als "kein Mittel um Probleme zu lösen" wertete unter den Demonstranten Ulrike Wolter den jetzt begonnenen Krieg. "Man fühlt sich sehr hilflos. Aber wir sind trotzdem gekommen, um ein Zeichen zu setzen", meinte dagegen Sigrid Schultz, Pasewalk. Besonders erfreulich sei, dass viele junge Menschen gekommen seien, fügte sie hinzu. Aus der Sicht von Horst Heyer bestehe jetzt die Gefahr, dass "die Gewalt wieder Gegengewalt erzeugt". Deshalb sei auch er an diesem Abend auf die Straße gegangen.
Nordkurier-Pasewalk
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21.03.2003
Friedensgebet und Protest am Stralsunder Ostkreuz - Schüler sammeln Unterschriften
Stralsund (OZ) Proteste gegen den Beginn des Irak-Krieges auch in der Hansestadt. In einem Friedensgebet in der Nikolaikirche stellten Sechstklässler des Sonderpädagogischen Förderzentrums gestern mittag ihr Projekt "Kinder für den Frieden" vor. In den Kirchenbänken saß auch eine 11. Klasse des Herder-Gymnasiums, die sich spontan zur Teilnahme entschloss.
Vor zahlreichen Besuchern bedauerte Pastor Winrich Jax, dass jetzt der Gedanke des Stärkeren regiere, auch wenn damit gegen Völkerrecht verstoßen wird. Wut und Zorn werden bei den Menschen geschürt, die auf friedliche Konfliktlösungen bauen.
"Krieg ist kein Mittel, um Interessen durchzusetzen." Für Klassenleiterin Marion Post ist das ein entscheidendes Argument für ihre Initiative "Kinder für den Frieden". Die Kids wollen an allen Schulen Unterschriften für den Frieden sammeln, um so gegen das militärische Vorgehen der USA zu protestieren. Auf Wandzeitungen stellten sie Fakten über die Menschen im Irak zusammen.
Marion Post möchte die jungen Menschen ermuntern, sich den Protesten ihrer Schützlinge anzuschließen. Einzelne Klassen aus der Juri-Gagarin Schule sind bereits dabei. Die Unterschriften sollen bis 4. April an der Lambert-Steinwich-Schule abgegeben und danach in St. Nikolai ausgehängt werden.
Am Abend folgten rund 40 Stralsunder dem Aufruf der PDS, ihre Stimme für den Frieden zu erheben. Unter ihnen die ehemalige Lehrerin Rosemarie Gädke: "Dieses Machtgebahren ist eine Riesenschweinerei", schimpfte sie. "Es hätte anders gelöst werden können", sagte die 62-Jährige, die selbst noch die Nachwehen des Zweiten Weltkrieges erlebt hat.
Auch Erhard Gulden und Dieter Kober sind empört. Kurt Bethke (63) hat die Bombardierung von Königsberg mitgemacht. "Bush ist nicht ganz richtig im Kopf", fand er deutliche Worte gegen den Krieg. Die kamen auch von den Rednern am Mikro: PDS-Landtagsabgeordneter Karsten Neumann, Stralsunds PDS-Chefin Kerstin Heinzel, IG-Metall-Beauftragter Jan Bloempott und Ver.di-Ortsvereinsvorsitzender Jörg Diedrichsen. Der Ex-Landtagsabgeordnete Thomas Nitz sagte: "Wer einen Krieg vom Zaun bricht, ohne angegriffen zu werden, ist ein Mörder."
Kommenden Montag um 19 Uhr findet in St. Nikolai erneut ein Friedensgebet statt.
MARLIES WALTHER, JENS SABISCH und TIMO RICHTER
Ostseezeitung-Stralsund
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21.03.2003
Menschen sind entsetzt über Irak-Krieg - Mahnwache für den Frieden auf Grevesmühlener Markt
Grevesmühlen (OZ) Für „Frieden und Gerechtigkeit weltweit“ hielten gestern Abend einige Grevesmühlener eine Mahnwache auf dem Marktplatz. Sie entzündeten Fackeln. Auf Plakaten bekundeten sie ihr „Nein zum Krieg“ und ließen Luftballons mit Friedenstauben darauf in den Himmel steigen. Die PDS hatte die Aktion initiiert.
„Ich bin erschüttert, dass es doch zum Krieg gekommen ist“, sagte Christa Schiller. Bis zuletzt hatte die 66-Jährige gehofft, er werde nicht eintreten. „Amerika hat noch keinen Krieg erlebt. Ich habe meine Kindheit im Luftschutzkeller verbracht“, sagte Siegfried Mickan (67) verbittert. Weil sie gegen den Krieg ist, war auch Fränze Siegerth gekommen. „Ich hab' den ganzen Tag schon mit Freunden darüber diskutiert“, erzählte die 13-jährige Schülerin. Nicht nur im Privaten, sondern öffentlich sollten die Leute ihr Nein zum Krieg bekunden, zum Beispiel ein Plakat ins Fenster stellen, wünschte sich Annegret Tschersich, die PDS-Kreisvorsitzende.
Seit dem frühen Morgen hatten viele Menschen in Nordwestmecklenburg die Nachrichten in Funk und Fernsehen verfolgt. Erste Bilder von den Bombenangriffen auf die irakische Hauptstadt lösten Trauer und Erschütterung aus. „Es ist so schrecklich“, sagte Annemarie Teichert. Die 78-jährige Grevesmühlenerin hat einen Krieg erlebt. „Wer das Leid sehen musste, hat kein Verständnis für das, was im Irak geschieht“, meinte die Rentnerin bedrückt.
Sie habe die Kriegsvorbereitung der Amerikaner und Briten im Nahen Osten mit Sorge verfolgt, so Manuela Soltysik (39). „Wir mussten mit einem Krieg rechnen. Aber Deutschland sollte sich da raushalten.“
Viele Bürger verurteilen den US-Präsidenten. „Sein Verhalten will mir nicht in den Kopf“, erregte sich Hilde Brügmann (64). „Wie kann ein Mensch nur so viel Leid hinnehmen, sich über die Vereinten Nationen und die weltweiten Proteste hinwegsetzen?“
Ungewissheit plagte Horst Rienas: „Keiner weiß, wie sich die Sache entwickelt.“ Die UN-Waffeninspekteure hätten mehr Zeit bekommen sollen, meinte der 52-Jährige. Aus seiner Sicht hätte Saddam Hussein den Irak verlassen müssen, „zum Schutz des eigenen Volkes“. Rienas rechnet damit, dass der Konflikt länger als fünf Tage, wie von den Amerikanern angekündigt, dauern wird. Martin Werner hat Angst, der Krieg könne sich ausbreiten. „Dann dauert er sicher Jahre“, befürchtet der 13-Jährige. An seiner Schule, dem Tannenberg-Gymnasium, wurde gestern auch im Unterricht über das Geschehene gesprochen.
HAIKE WERFEL und JENS SEEMANN
Ostseezeitung-Grevesmühlen
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21.03.2003
Wille zum Frieden vereint Doberaner
Bad Doberan (OZ) „Man braucht zum Frieden Fantasie und Liebe und Verstand und wo es was zu heilen gibt: da braucht man jede Hand“, sangen gestern etwa 120 Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder im Doberaner Münster. Der gestrige Tag, die ersten Bomben auf Bagdad, hatte auch bei ihnen Spuren hinterlassen. So waren sie gestern um 18 Uhr zum nun schon fünften Friedensgebet ins Münster gekommen und beteiligten sich am anschließenden Schweigemarsch zum Kamp.
Im Münster sangen und beteten sie gemeinsam. Und mancher von ihnen nutzte den Raum und die Zeit, um seine Gedanken öffentlich auszudrücken. Von Betroffenheit, dem Versagen der Politik, der Angst und der Hoffnung war da die Rede. Andere zündeten eine Kerze an.
„Ich bete für die Menschen, die im Kriegsgebiet leben, die auf der Flucht sind, damit sie eine Zuflucht finden, den Krieg überleben“, machte Pastor Andreas Timm darauf aufmerksam, dass stets die Zivilbevölkerung unter Kriegshandlungen am stärksten zu leiden hat. Und bei dieser Aussage waren sich alle im Münster einig, egal, ob und welcher Konfession sie angehören. „Der Wille zum Frieden vereint“, brachte es Karin Fourmont auf den Punkt.
Ostseezeitung-Bad Doberan
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