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20.03.2003
"Lebt Euer Hitler jetzt im Irak?" - Teterower Austauschschüler Tilo Jung hat`s nicht leicht in den USA

Unser Mitarbeiter Tilo Jung aus Leuschentin, der sich derzeit als Austausch-Schüler in den USA befindet, schreibt regelmäßig über seine Erlebnisse. Diesmal beschäftigt er sich mit der Haltung der Texaner zum deutschen "Nein" zum Irak-Krieg.

Mansfield . Als Ausländer, und besonders als Deutscher in den USA, hat man es manchmal echt nicht leicht. Da wird man dann schon mal in der Schule angemacht: "Lebt euer Hitler jetzt im Irak?", oder "Ist dieser Schrotter (Schröder ist gemeint, die können halt den Namen nicht aussprechen) jetzt total übergeschnappt? Wie kann der Saddam nicht in den Arsch treten wollen?" Zwar versuche ich mich und Deutschland natürlich zu verteidigen und einigen beizubringen, dass Hitler schon seit langem nicht mehr lebt und dass wir schon seit über 50 Jahren in einem freien Land leben. Aber manchmal stößt man trotzdem noch auf ungläubige, misstrauische Gesichter. Das "Nein" der deutschen Regierung zum Irak-Krieg tut sein übriges. Viele wollen einfach nicht verstehen, dass es Menschen und Länder gibt, die Frieden wollen. Manche versuchen es aber zu begreifen, warum gerade Deutschland "Nein" sagt. "Ihr seid schon in sovielen Kriegen gewesen und wollt nun bestimmt dieses Image des ,bösen` Deutschlands ablegen", meint meine Journalismus-Lehrerin Joanna Watson. Dass unser Land aber hier in Texas gehasst wird und vielleicht einige sich wünschen, man möge uns gleich mitbombardieren, kann ich nicht sagen. In den letzten Wochen wurde Frankreich immer unbeliebter. Die Medien stürzten sich mehr auf das französische "Non" als auf das deutsche "Nein". Da werden dann die sogenannten "French Fries" (Pommes) in "Freedom Fries" (Freiheitsfritten) umbenannt. Und auch der eigentlich so beliebte französische Wein sowie andere Dinge aus Frankreich werden von vielen Supermärkten boykottiert. Meine High School will "in jedem Fall die Soldaten unterstützen". Eine Unterschriftenaktion unter den Schülern gegen den Krieg wäre undenkbar. Man wird von der Schülervertretung aufgefordert, Essen oder Kaffee und Tee zu spenden, was sich die Soldaten "doch so sehr wünschen".

Man ist halt stolz auf sein Land und seinen Präsidenten - egal was kommt.

Nordkurier-Teterow

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