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19.03.2003
Täter nach Raubüberfall in Straßenbahn gefasst - Opfer sind oft allein: Der Überfall auf einen Zehnjährigen in einer Schweriner Straßenbahn hat das erneut bewiesen. Die Polizei schnappte einen Verdächtigen.

Schwerin (OZ/ddp) Der Überfall auf einen zehnjährigen Jungen in einer Schweriner Straßenbahn ist weitgehend geklärt. Am Montag nahm die Polizei einen 19-jährigen Tatverdächtigen fest. Bei seiner Vernehmung gestand er die Tat, es wurde Haftbefehl erlassen. Dem Jugendlichen werden Diebstahl, versuchter Raub und versuchte schwere Körperverletzung vorgeworfen.

Der junge Mann hatte den Zehnjährigen am vergangenen Mittwoch in einer vollbesetzten Straßenbahn geschlagen, getreten und mit einem Messer verletzt. Offenbar störte ihn die Musik aus dem Walkman des jungen Irakers. Deshalb griff er ihn an und wollte ihm das Gerät wegnehmen, vermutet die Staatsanwaltschaft. Nur eine einzige Frau bewies Zivilcourage und versuchte dem Jungen zu helfen. Ausrichten konnte sie nichts.

Eine rechtsextreme Tat schloss die Polizei aus. Das Opfer sei zwar Iraker, dies sei dem Jungen aber nicht anzusehen. Zudem gehöre der Verdächtige nicht der rechten Szene an. Der Festgenommene war zuletzt im Oktober 2002 wegen gefährlicher Körperverletzung zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden. Aufgrund seiner Vorstrafen müsse er wegen der jüngsten Tat mit einer Jugendstrafe rechnen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerrit Schwarz. Sollte ihn das Gericht als Erwachsenen behandeln, sei eine Freiheitsstrafe möglich.

Die Ermittler waren dem Täter durch Aufnahmen einer Überwachungskamera in der Bahn auf die Spur gekommen. Als Zeugen sind bislang nur die beiden 17-jährigen Begleiter des mutmaßlichen Täters bekannt. Weitere Zeugen aus der Straßenbahn meldeten sich nicht - auch nicht die Frau, die als einzige dem Jungen helfen wollte.

"Opfer bleiben oft allein", beklagte der Landesbeauftragte der Opferhilfsorganisation "Weißer Ring", Hinrich Kuessner. Niemand verlange Heldentaten, aber Tatenlosigkeit sei ebenso zu verurteilen. Kuessner zufolge ist der Umgang mit Opfern von Straftaten in Deutschland schon vom Gesetz her unzureichend geregelt. Jeder Täter bekäme einen Rechtsbeistand, Opfer müssten im Zeugenstand fast immer ohne Hilfe auskommen. Dies zu ändern, sei ein Ziel des Weißen Ringes. Viel wichtiger sei aber die sofortige Hilfe, die Mitarbeiter der Hilfsorganisation leisteten.

Der bundesweit aktive Verein hat in M-V 630 Mitglieder. 120 davon haben sich einer speziellen Qualifikation unterzogen und leisten aktive Opferhilfe. Statistisch erfasst werden nur die Fälle, in denen der Weiße Ring finanzielle Hilfen gibt. Seit 1992 wurden in 1542 Fällen insgesamt 904 000 Euro an Opfer von Straftaten ausgezahlt. Das Geld stammt ausschließlich aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Bußgeldern, die von Gerichten erhoben wurden. 2002 wurden 386 Opferfälle erfasst, 80 Prozent mehr als 2001. In den ersten beiden Monaten 2003 waren es 64 Fälle. Die Steigerung führt Kuessner auf den wachsenden Bekanntheitsgrad des Weißen Ringes zurück.

Ostseezeitung

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