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15.03.2003
Togolesen suchen Zuflucht vor Regime - Tita Tchero und Koffi Gbedjagni leben im Anklamer Asylbewerberheim - In der Heimat von Folter bedroht
Von unserem Redaktionsmitglied Steffi Schwabbauer
Ostvorpommern. Wenn sie erzählen, warum sie vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen sind, dann können Tita Tchero und Koffi Gbedjagni laut werden. Zu ungerecht erscheinen ihnen die Gründe, warum sie ihre westafrikanische Heimat Togo verlassen mussten. Dort führt seit 1967 der Diktator Gnassingbé Eyadema ein Militärregime. Folter und Verhaftungen gehören zum Alltag. Für Tita und Koffi, die sich zu Hause in der einzigen Oppositionspartei für Demokratie und Menschenrechte engagierten, wurde es zu gefährlich.
Niemanden getötet
"Die Leute denken oft, wir haben jemanden getötet", sagt Koffi. Doch das sei nicht richtig. Der 33-Jährige selbst weigerte sich nach eigener Aussage lediglich, einen Freund zu verraten, der das Grundstück seines verstorbenen Vaters verkaufte, um ein Geschäft aufzubauen. Er war nach Elfenbeinküste geflohen, weil der zu Eyademas Partei gehörende Bürgermeister sein erworbenes Geld verlangt hatte. "Der hat politische Macht und darf deshalb alles", erklärt Koffi die Verhältnisse in Togo. Von ihm wollte der Bürgermeister wissen, an wen das Grundstück verkauft wurde und wo der Freund samt Geld geblieben ist.
Koffi erzählt, er habe es nicht gewusst und wenn, dann hätte er nichts gesagt. Polizisten schlugen seine Mutter und verhafteten seine Freundin und seinen Bruder, um ihn zu erpressen. Um sein eigenes Leben zu retten, setzte er sich nach Ghana ab. Und weil er auch dort vor Eyademas Spionen nicht sicher sein konnte, kam er nach Deutschland und landete im November 2001 schließlich im Asylbewerberheim in Anklam.
Sein Freund Tita lebt schon etwas länger dort. Auch der 35-Jährige musste seine Heimat verlassen, weil er dort verfolgt wird. Er hatte am togolesischen Nationalfeiertag versucht, Menschen davon zu überzeugen, dass es ein Trauertag ist, weil Eyadema damit den Putsch des ersten frei gewählten Präsidenten 1967, also seinen Machtantritt, feiert. Auf dem Weg nach Hause sollte Tita dafür von Militärangehörigen in Zivil verhaftet werden, konnte aber entkommen.
Nun blieb ihm nur noch die Flucht. Er gelangte über Ghana und Russland nach Deutschland. Hier gibt es wie auch in Frankreich große togolesische Gruppierungen, die aus der Ferne für Veränderungen in der Heimat kämpfen. Warum sie, die französisch sprechen, nicht nach Frankreich fliehen, erklären sie damit, dass sie sich auch dort nicht vor Spionen sicher seien. Zudem fühlen sich viele Togolesen mit Deutschland verbunden, weil ihr Land vor über 100 Jahren deutsches Schutzgebiet war (siehe Kasten).
Probleme mit Sprache
Am Anfang hätten sie das Gefühl gehabt, niemand mag sie, erzählen Koffi und Tita. Doch inzwischen haben sie einige Freunde gefunden. "Wir werden ein bisschen gemocht", sagen sie. In einem anderen Problem sehen die beiden allerdings ein größeres Hindernis. "Eure Sprache ist schwer", sagt Koffi. Und sie hätten nur zwei Stunden in der Woche Unterricht. Die Togolesen wissen, dass sie nicht nach Hause zurück können, weil ihnen dort Gefängnis und Folter drohen. Aber sie haben keine Ahnung, ob ihnen in Deutschland Asyl gewährt wird. Die Verfahren laufen derzeit. Ganz sicher aber sind sich Koffi und Tita in einem: "Wir wollen zurück, wenn sich die Situation in Togo verbessert."
Dass sich viele Togolesen mit Deutschland verbunden fühlen, hat historische Gründe. Nachdem Togo 1884 deutsches Schutzgebiet wurde, leisteten die Deutschen Aufbauarbeit. Es entstanden Straßen, Hafenanlagen, Brücken und Eisenbahnlinien sowie eine Großfunkstation. 1914 teilten Briten und Franzosen Togo unter sich auf. Der französische Teil - das heutige Togo - wurde 1960 unabhängig.
Nach einem Militärputsch errichtete der Armeebefehlshaber Eyadema 1967 ein autoritäres Regime. 1991 übertrug er nach schweren Unruhen einen Teil seiner Macht auf eine zivile Regierung. International sorgte Eyadema zuletzt 1998 für Aufsehen, als er über 100 politische Gegner während der nachweislich gefälschten Wahl erschießen ließ.
Die Europäische Union und die USA haben wegen der brutalen Herrschaft Eyademas schon 1994 die Entwicklungshilfe eingestellt. Schon die Forderung nach Demokratie oder Menschenrechten ist in Togo ein Grund für Folter und Verhaftung. Die Aussichten auf einen friedlichen, demokratischen Wandel sind gering, denn Eyadema lässt sich von Militär und Geheimdienst beschützen. Deren Mitglieder gehören derselben Volksgruppe an und stehen beinahe geschlossen zu ihrem Präsidenten.
Nordkurier-Anklam
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