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14.03.2003
Mecklenburg Vorpommern: Kriminalität sinkt, Aufklärung steigt - Rechtsextreme Straftaten verdunkeln positive Bilanz der Kriminalitätsstatistik für 2002
Von Wolfgang Rex, Schwerin
Die Kriminalitätsstatistik Mecklenburg- Vorpommerns für das vergangene Jahr sieht gut aus. Sie enthält allerdings nicht die politisch motivierten Straftaten.
In Mecklenburg- Vorpommern gibt es im Durchschnitt pro Woche mindestens einen Angriff mit rechtem Hintergrund. Darauf wies die landesweite Opferberatung für Betroffene rechter Gewalt LOBBI hin. Die Mitarbeitern in den drei Regionalbüros zählten im Jahr 2002 70 Fälle, zumeist gefährliche Körperverletzungen. So wurde nach Angaben von LOBBI in Neubrandenburg ein 19-jähriger Behinderter von zwei Rechtsextremisten zu Tode getreten. In Pasewalk misshandelten im Dezember Rechtsextremisten drei Togolesen. 13 Mal seien im Vorjahr Friedhöfe, Mahnmale und Gedenkstätten geschändet worden.
Die beschmierten Gedenkstätten schmälern die im allgemeinen gute Aufklärungsbilanz der Landespolizei, räumte Ingmar Weitemeier, Direktor des Landeskriminalamtes, ein. Es sei noch nicht gelungen, die Täter zu identifizieren. Das sei auch deshalb schwer, weil die Schmierereien mit handelsüblichen Farben erfolgten. Auch zuweilen hinterlassene Schweinsköpfe hätten keine Rückschlüsse auf die Täter gebracht, so Weitemeier.
Bei der nicht politisch motivierten Kriminalität gab Innenminister Gottfried Timm (SPD) eine positive Botschaft aus. Die Zahl der registrierten Straftaten sei gesunken, die Aufklärung habe sich verbessert. Im Vorjahr wurden mit 174534 Straftaten exakt 9598 Fälle weniger registriert als im Jahr 2001. Die Aufklärungsquote lag 2002 bei 53,7 Prozent. Von 98 Straftaten gegen das Leben wurden 94 aufgeklärt. Da exakte Zahlen aus den anderen Bundesländern noch nicht vorliegen, konnte der Innenminister nur schätzen, dass sich Mecklenburg-Vorpommern bei der Aufklärung von Straftaten auf einen guten Vorderplatz vorgearbeitet hat.
Im Bereich Wirtschafskriminalität hat sich zwar die Zahl der registrierten Fälle um 58,4 Prozent auf 4231 verringert, jedoch stieg der Gesamtschaden an. Der Innenminister relativierte das allerdings: 2001 sei in einem Großverfahren wegen Kreditvermittlungsbetrug mit insgesamt 7234 Fällen ermittelt worden. Außerdem existiere gerade bei der Wirtschaftskriminalität ein großes Dunkelfeld. Der registrierte Gesamtschaden in diesem Bereich erhöhte sich von 112,2 Millionen Euro 2001 auf 2120,3 Millionen Euro im Vorjahr. Allein die Schadenssumme bei Insolvenzstraftaten stieg nach Angaben des Innenministeriums im Vorjahr auf 147,7 Millionen Euro.
Interessant ist, dass im Lauf der Jahre die Gruppe der besonders gefährdeten Personen gewechselt hat. Mitte der neunziger Jahre behauptete der damalige Bundesinnenminister Manfred Kanther (CDU), die Rentner wären die am meisten gefährdete Gruppe. Aus den Statistiken ließ sich das nicht herauslesen, Kanthers Propaganda wurde trotzdem regelmäßig wiederholt. In Mecklenburg-Vorpommern können sich derzeit Frauen zwischen 50 und 60 Jahren am sichersten fühlen, leitete der Landesinnenminister aus der Statistik ab. Am meisten gefährdet seine junge Männer zwischen 21 und 30 Jahren. Jugendliche würden gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung überdurchschnittlich straffällig. Mehr als ein Drittel aller Straftaten begehen Jugendliche bis 21 Jahren, so der Innenminister.
Die politisch motivierten Straftaten sind in der jetzt veröffentlichten Kriminalstatistik und damit in der gelobten Aufklärungsquote nicht enthalten. Die folgen im Rechtsextremismusbericht in etwa vier Wochen, versprach Innenminister Timm.
Neues Deutschland
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