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11.03.2003
Anklamer Flüchtlinge rätseln über Bleibe - Fehlende Aufklärung der Asylbewerber nährt Gerüchte um künftiges Heim in Ostvorpommern
 | Stummes Staunen bei Abdou-Latif Baba Touré (Mitte) und Nassirou Asshumanou (r.). Mit ihrem Sozialarbeiter Isaac Obuba blicken sie von der alten Polizeiinspektion zur einstigen Kriegsschule hinüber. |
Von unserem Redaktionsmitglied Antje Wegwerth
Ostvorpommern. Nassirou Asshumanou und Abdou-Latif Baba Touré stehen zwischen der alten Polizeiinspektion und der einstigen Kriegsschule in Anklam. "Hier sollen wir hin?", fragen sie. Die Togolesen haben die Gebäude nie zuvor beachtet. Sie wussten nicht, dass diese leer stehenden Backsteinbauten als künftige Asylbewerberheime im Gespräch sind. Allerdings kennen sie die Diskothek gegenüber. Man lasse sie dort nicht rein, sagen sie. Dass eben dieser Disko-Betreiber zu einem Bürgerbegehren gegen den Ausbau der Backsteinbauten zum Asylheim aufgerufen hat, wissen sie ebensowenig.
Als vor drei Monaten plötzlich ein Journalistenteam in der Tür stand, Fragen stellte und ihnen erzählte, dass ihr Heim in der Demminer Straße in Anklam geschlossen werden soll, sei für sie nur noch eines wichtig gewesen: "Wir wollen in Anklam bleiben", sagt Nassirou Asshumanou. Seitdem kursieren Gerüchte im Heim, was und wann mit den Bewohnern geschehen werde. Und sie diskutieren: Ob sie Anklam verlassen müssen, vielleicht nach Greifswald kommen, erzählt ihr Sozialarbeiter Isaac Obuba vom Psychosozialen Zentrum für Migranten in Greifswald. Gerüchte, denen offenbar niemand Einhalt gebietet.
Heimleitung informiert
Die Kreisverwaltung war bis zum heutigen Tag nicht vor Ort. Das sei bisher auch nicht nötig gewesen, sagt Kreis-Sozialamtsleiterin Heike Scheffler. Die Heimleitungen der betroffenen Asylbewerberheime in Garz und Anklam seien informiert worden und die Sitzungen, in denen es um die Asylbewerberheime ging, öffentlich gewesen. Sie könne "nicht jeden einzeln informieren". Zudem sei bislang nicht entschieden, für welches der drei zur Diskussion stehenden Objekte in Anklam und Wolgast sich die Kreisverwaltung entscheide. Erst müsse der Vorschlag des Landes, der noch im März bekannt gegeben werde, abgewartet werden - und dann sei es am Kreis, eine endgültige Entscheidung zu fällen. Am 16. April werde der Sozialausschuss zu diesem Thema nicht nur öffentlich tagen, die Sitzung werde auch in der Nähe des favorisierten Gebäudes abgehalten, und Vertreter der Asylbewerber seien ausdrücklich zu dieser Tagung eingeladen. Das Heim in der Anklamer Gutenbergstraße
sei bereits darüber informiert.
Spekulationen gehen weiter
Unterdessen gehen die Spekulationen vor den beiden Backsteinbauten weiter. Sozialarbeiter Isaac Obuba ist mit den Togolesen mitgefahren, um sich die Gebäude anzuschauen. Als er die einstige Kriegsschule sieht, platzt es aus ihm heraus: "Da passen mindestens 500 Leute rein." Das komme ihm bekannt vor. Erst sage man, hier werden nur 150 Leute untergebracht, und dann - nach und nach - kommen immer mehr. "Gibt es in Anklam nicht noch ein zweites Heim?", fragt er. "Ich wette, dass auch das bald geschlossen wird und die Leute hierher kommen." "Das ist falsch", sagte Heike Scheffler. Das Gebäude sehe nur von außen so groß aus. Außerdem gebe es einen Kreistagsbeschluss von 1999, in dem man sich auf 150 Plätze festgelegt habe.
Nordkurier-Anklam
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