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06.03.2003
Wegen Musik ins KZ gesperrt - Günter Discher gehörte zu den Swing-Kids - Vortrag und Swing-Party in Wolgast


NK-Bild

Günter Discher legte im Jugendzentrum "Peenebunker" Platten auf. Mittlerweile gilt er als der älteste Diskjockey Deutschlands.

Von unserem Mitarbeiter Matthias Dieckhoff

Wolgast. Sie trugen die Haare anders und elegante Anzüge. Ihre Musik war für all jene, die anders, wild und frei sein wollten, eine Lebenseinstellung. Die Rede ist von den so genannten Swing-Kids, die Ende der 30-er, Anfang der 40-er Jahre in den kleinen Tanzlokalen der großen deutschen Städte dem alsbald von den Nazis als "entartet" beschimpften Swing frönten. Der Hamburger Günter Discher (Jahrgang 1925) war nur einer von ihnen, auch er musste seine Leidenschaft für die "Dschungelmusik", wie die Stettiner Zeitung sie 1938 nannte, von 1942 bis zum Kriegsende im Jugend-KZ Moringen bezahlen.

Ältester deutscher DJ

Doch "geholfen" hat das offensichtlich alles nicht. Günter Discher ist mittlerweile der älteste Diskjockey Deutschlands, noch immer eine elegante Erscheinung, und kann, wenn er so wie am vergangenen Freitag im Wolgaster Jugendzentrum "Peenebunker" zur Swing-Party auflegt, auf ein Archiv von etwa 25 000 Tonträgern zurückgreifen.

Die Musik, die nur wenig jünger als er selbst sein dürfte, ist noch immer eine Leidenschaft - die Günter Discher wohl am liebsten für sich selbst sprechen lässt. Im "Peenebunker" erhebt er sich nur von Zeit zu Zeit, um kurze Erläuterungen zu den Stücken zu geben und sich bei den Tänzern zu bedanken. Die wenigen davon, die sich schon zum Beginn der Swing-Party eingefunden hatten, waren dem Anlass entsprechend auch in Schlips und Kragen gewandet.

Ausstellung im Rathaus

Zustande kam dieser lautstarke Ausflug in die wahrlich wilde und aufregende Welt des Swing auf Initiative von "Bunt statt braun" und des Präventionsrates der Stadt Wolgast. Die Party steht in engem Zusammenhang mit der Ausstellung "Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben" im historischen Rathaus der Peenestadt. Die setzt sich mit den Jugend-KZ Uckermark und Moringen, das Günter Discher im Gegensatz zu vielen anderen überlebte, auseinander, erklärt Piet Oltmanns von "Bunt statt braun". Und somit sei die Swing-Party eben auch ein Mittel, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen.

Nordkurier-Anklam

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