Presse-Schau

worüber wird in den Medien geschrieben?

zurück zu den News

05.03.2003
Rechtsextreme werden nicht verschwinden - Düstere Prognose vom Anklamer Kripo-Chef

Ostvorpommern (OZ) Auf absehbare Zeit begleiten wird das Phänomen "Rechtsextremismus" die Region Ostvorpommern. So lautet das Fazit vom Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Anklam, Thomas Krense. Als Gründe dafür sieht er neben der schlechten Wirtschaftslage, die sich als guter Nährboden erweise, die mehr oder weniger stillschweigende Unterstützung in großen Teilen der Bevölkerung. Und die gehe in einigen Fällen bis in die Zeit des Nationalsozialismus zurück, als offensichtlich ganze Orte wie z. B. Lassan bewusst mit deutsch-national Denkenden besiedelt wurden.

Für die Arbeit der Mobilen Aufklärungseinheit Rechtsextremismus (MAEX) gibt es damit auch nach inzwischen dreijähriger Tätigkeit jede Menge zu tun. Doch die Möglichkeiten zum direkten Kontakt mit rechten Gedankenträgern werden geringer, weil die zunehmend verdeckter agieren.

Nicht so am vergangenen Sonnabend in Anklam. An die dortige Friedensdemonstration hatten sich rund 100 Nationalisten angeschlossen. Nachdem ihnen der Zutritt zur Nikolaikirche verweigert wurde, fuhren sie spontan nach Ückermünde, um dort ihre Gesinnung öffentlich zur Schau zu tragen. "Unsere MAEX-Leute waren dran", berichtet Krense. Und sorgten allein durch ihr Erscheinen mit der örtlichen Polizei dafür, dass sich die vermeintliche Demo ganz schnell auflöste.

Der Erfolg der MAEX - nämlich ein Rückgang von rechtsextremistischen Straftaten in Ostvorpommern und ein weniger offenes Auftreten der Gesinnungsgenossen - lässt aber nicht aufatmen. "Arbeit gibt es für die MAEX-Beamten auf keinen Fall weniger", schätzt Krense ein. Das Gegenüber habe seine Strategie nur verändert, "darauf müssen wir unsere Aktivitäten einstellen". So hätten viele Rechtsextreme keine Lust mehr auf Knast, betätigen sich aber weiter im Milieu, immer am Rande der Legalität. Beispielsweise mit Schriften und Flugblättern, wie sie massenhaft an zwei Wochenenden im Februar u. a. in Ostvorpommern aufgetaucht waren. Doch selbst darin sind die Verfasser bemüht, die Grenze zum Rechtsbruch nicht zu überschreiten. "Wir können all das registrieren, beobachten, zusammenfügen. Letztlich aber ist der Gesetzgeber gefragt, damit wir das auch ahnden können", so der Kripo-Chef der Polizeidirektion Anklam.

ANTJE MÜHLE

Ostseezeitung-Wolgast

diskutieren? auf ins Forum!