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03.03.2003
Gewalt beginnt mit Worten - 500 Demonstranten zeigten in Anklam Flagge gegen Irak-Krieg - Neonazis auch dabei

Anklam (OZ) In Zeiten großer aktueller Probleme vor Ort erfülle es ihn mit Stolz, dass etwa 500 Leute in Anklam auf die Straße gehen, um gegen einen drohenden Krieg im Irak zu protestieren. Anklams Bürgermeister Michael Galander war bewegt von der so großen Zahl der Demonstranten, die am Sonnabend durch Anklam zogen und so gegen die Kriegspläne der USA öffentlich Flagge zeigten.

"Kein Krieg", "Gebt dem Frieden eine Chance" und "Krieg ist befohlener Mord" stand auf ihren Transparenten. Viele trugen Kleidung mit Friedenssymbolen, manche waren entsprechend geschminkt. Einige Meter hinter ihnen hatten sich knapp 100 rechtsgesinnte Jugendliche formiert - laut Wortführer Michael Kutschke "die nationale Jugend aus Ostvorpommern und Uecker-Randow". Sprüche u.a. gegen die USA-Politik skandierend, zog der fahnenschwingende Trupp ebenfalls bis zur Nikolaikirche, dem Zielort der Demo, wo ihm das Hausrecht verwehrt wurde und er sich zurückzog.

In der Kirchruine ergriff zunächst Piet Oltmanns von "Bunt statt Braun" das Wort. "Ich habe das Gefühl, völlig im Nebel zu stehen", gestand er mit Blick auf die tägliche Nachrichtenlage. "Forderungen der USA werden vom Irak erfüllt. Aber dann gilt dies nicht als Erfüllung der Forderungen." Oltmanns weiter: "Hier wird eine Art Faustrecht wieder hergestellt, dass ein Staat weltweit bestimmt, wer zu regieren und was zu passieren hat." Es sei zwar pervers, mit einer Antikriegspolitik die Diktatur im Irak verlängern zu helfen, dennoch müsse am Grundsatz festgehalten werden, dass "der Krieg kein Mittel der Auseinandersetzung ist". Und: "Gewalt beginnt mit Worten, wie z. B. ,Achse des Bösen' oder ,Schurkenstaaten'."

"Es ist wichtig, Friedensfeuer zu entfachen, Friedensgebete zu sprechen", rief Landrätin Dr. Barbara Syrbe den Demonstranten zu. Der Krieg gehe alle an, "denn er wird eine Terrorwelle über die so genannte zivilisierte Welt bringen, wie wir sie noch nie gesehen haben." Anklams stellvertretende Bürgervorsteherin Monika Zeretzke verlas u. a. Lebensweisheiten des Arztes und Humanisten Albert Schweitzer. Schließlich zitierte sie das indische Sprichwort: "Töte einen und du bist ein Mörder. Töte tausend und du bist ein Held" und schloss: "Wir brauchen keine Helden."

TOM SCHRÖTER

Ostseezeitung-Wolgast

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