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03.03.2003
Hunderte Anklamer machen sich für den Frieden stark - Anti-Kriegs-Demonstration zieht durch die Stadt - An die 80 Neonazis marschieren mit

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Die Demonstranten begannen ihren Marsch an der ehemaligen Kriegsschule. Trotz der Kälte warteten die ersten jungen Leute schon eine halbe Stunde, bevor sich der Zug in Bewegung setzte.

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Die zerbombte Nikolaikirche war das Ziel des Demonstrationszuges. Bürgermeister Michael Galander hob die Symbolik dieses Ortes hervor

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Studenten der Vorpommerschen Theater-Akademie machten in der Nikolaikirche auf bitter-ironische Weise auf die Kriegsgefahr aufmerksam.

Anklam (as). Angesichts der drohenden Kriegsgefahr fühle sie sich manchmal allein und ratlos, gestand Landrätin Barbara Syrbe (PDS) öffentlich ein. "Aber zusammen können wir etwas tun! Keine Aktion ist zu gering, um sie nicht durchzuführen", rief sie in der Nikolaikirche, als dort am Sonnabend Hunderte Anklamer und viele Gäste zusammenkamen, um gegen einen drohenden Krieg im Irak zu demonstrieren.

Der Demonstrationszug startete an der einstigen Kriegsschule, um durch die alte Hansestadt zur zerbombten Nikolaikirche zu ziehen. Dabei waren junge und alte Menschen, Vertreter der Kirche ebenso wie aus der Wirtschaft, man sah bekannte Gesichter aus der Kommunalpolitik oder der Kunst genauso wie viele Gesichter, die sonst nicht im Rampenlicht stehen. An ihren Plakaten war abzulesen, dass sie Angst vor einem Krieg haben. "Denn dieser Krieg wird eine andere Dimension haben als andere Kriege zuvor", meinte Barbara Syrbe. "Er wird eine Terrorwelle über die so genannte zivilisierte Welt bringen, wie sie sich bisher wohl keiner vorstellen kann."

Irritierte Blicke Piet Oltmanns vom Anklamer Friedenskreis, welcher die Demonstration initiiert hatte, konstatierte, dass wohl niemand hier ein Freund des Regimes im Irak sei, dennoch sei ein Krieg nicht der Weg, der zu gehen sei. Es sei "pervers, dass nur einer per Faustrecht bestimmt, was in der Welt zu passieren hat", sagte er. Neben Bürgermeister Michael Galander ergriffen Pastor David Wiechozcek und die Anklamer Stadtvertreter Monika Zeretzke und Klaus Jahns das Wort, um für den Frieden einzutreten.

Unter den Demonstranten befanden sich auch einige politische Flüchtlinge aus dem Irak, die derzeit im Asylbewerberheim Garz leben. Trotz ihrer Haltung gegen den Diktator Hussein seien sie gegen eine kriegerische Lösung, betonten sie. Präsident Bush gehe es nicht um eine Demokratisierung ihres Landes, sondern um arabisches Öl, erklärten sie.

Für irritierte Blicke unter den Demonstranten sorgten knapp 80 rechtsradikale Jugendliche, die auch mit Spruchbändern hinter dem Demonstrationszug liefen. Der Zutritt zur Kirche wurde ihnen von Piet Oltmanns aber verwehrt. "Wir können niemandem verbieten, gegen den Krieg zu demonstrieren", sagte Barbara Syrbe. Allerdings stecke blanker Hass hinter dem Auftreten der Rechten. Dies sei keine Basis für einen Frieden.

Nordkurier-Anklam

03.03.2003
Kommentar: Tatmotiv: Hass

Sonderbar, mochten viele denken, was machen eigentlich Rechtsradikale auf einer Friedensdemo? Treten die wirklich plötzlich für gewaltfreie Lösungen politischer Konflikte ein? Bestimmt nicht. Oder hat man je gehört, dass der so genannte "Kameradschaftsbund Anklam" und seine am Sonnabend zusammengetrommelten Kumpane von der Insel Usedom, aus Ducherow, Ueckermünde und der Uckermark sich je für die Hintergründe bewaffneter Konflikte in Ruanda, Togo oder auf dem Balkan interessiert hätten, deren Opfer es auch hierher getrieben hat? Wohl kaum - die politischen Flüchtlinge der Welt bekamen in Deutschland bislang eher die Stiefel der rechtsradikalen Schläger zu spüren.

Wer ihre einschlägigen Publikationen kennt, weiß, was hinter dem scheinbaren Engagement der Neonazis gegen einen Irak-Krieg steckt: Längst in der Mottenkiste der Geschichte vergessen geglaubter Antisemitismus. Immer noch fest in rechtsradikalen Hirnen verankert ist der krude Glaube an die jüdische Weltverschwörung, die vor allem in den USA an den Schalthebeln der Macht drehen soll. Nicht umsonst war am Sonnabend auf einem Plakat der Nazis zu lesen: "Illuminaten stoppen" oder "Terror ist ein Meister aus USA und Israel" - eine anachronistische Drehung des bekannten Brecht- Zitats.

Mit dem Wunsch nach Frieden hat eine solche Haltung allerdings überhaupt nichts zu tun. Verbündete, deren alleinige geistige Grundlage blinder und dummer Hass ist, sind keine.

Nordkurier-Anklam

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