Presse-Schau

worüber wird in den Medien geschrieben?

zurück zu den News

01.03.2003
Wöbbelin: Viel Entsetzen - wenig Aufklärung - Über ein Jahr nach den Schändungen wenige Spuren von antisemitischen Tätern

OZ-Bild

Blumen vor dem geschändeten Mahnmal der KZ Gedenkstätte in Wöbbelin.

Schwerin (epd) Das Entsetzen war groß, als Unbekannte vor einem Jahr das Mahnmal für KZ-Häftlinge im mecklenburgischen Wöbbelin schändeten: Mit roter Farbe hatten sie ein Hakenkreuz sowie antisemitische Parolen auf das Mahnmal gesprüht, die Köpfe, Arme und Beine der Relief-Figuren abgeschlagen und einen Schweinekopf daneben gelegt.

Schändungen gab es auf Gedenkstätten und jüdischen Friedhöfen in Raben-Steinfeld, Boizenburg, Rostock, Grabow, Ahlbeck, Röbel, Bützow, Grevesmühlen. Jeder neue Fall verschaffte M-V Negativschlagzeilen. Die Polizei ermittelte mit Hochdruck.

Doch die Ermittlungen sind von wenig Erfolg gekrönt. Einer Auswertung des Innenministeriums zufolge wurden 40 Vorfälle registriert. Sieben Fälle wurden aufgeklärt.

Während die Polizei in Rostock eine rechtsradikale Tätergruppe ermittelt hat, tappen die Ermittler im Fall Wöbbelin noch immer im Dunkeln.

Trotz Einrichtung einer speziellen Ermittlungsgruppe sowie der länderübergreifenden Zusammenarbeit mit Brandenburg konnten die Schändungen nicht aufgeklärt werden, sagt Innenminister Gottfried Timm (SPD). Dies sei sehr bedauerlich, aber teilweise auf die besonderen Umstände der Tat zurückzuführen. "Für diese Nacht-und-Nebel-Aktionen gab es trotz ausgeschriebener Belohnungen für sachdienliche Hinweise keine Zeugen", so Timm. Die Tatorte lägen oft sehr abgelegen, gefundene Spuren seien kaum verwertbar.

Der Verein "Lobbi", der landesweit Opfer rechter Gewalt berät und begleitet, fordert indes, entschiedener gegen den Rechtsextremismus vorzugehen. Antisemitismus sei ein ideologischer Schwerpunkt von Kameradschaften und NPD, sagt der Vereinsvorsitzende.

A.-D. HOFFGAARD

Ostseezeitung

diskutieren? auf ins Forum!