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27.02.2003
"Es geht doch nur um Macht und Öl" - Neustrelitzer Jugendliche wollen am Tag X gegen Krieg demonstrieren - Haltung Deutschlands gelobt
Neustrelitz. "Give peace a chance", heißt derzeit das Motto auch für viele junge Leute. In Sachen Irak steht für die USA der Entschluss offenbar schon fest: Krieg! Für den Tag X, so haben die Schüler den Tag nach einem Angriff genannt, ist zum bundesweiten Schülerstreik aufgerufen. So zumindest steht es auf Plakaten, die am Neustrelitzer Gymnasium Carolinum hängen. Die Neustrelitzer würden sich in diesem Fall um 11 Uhr auf dem Marktplatz treffen, geht aus den Aufrufen hervor. Unser Mitarbeiter Axel Prokof hörte sich am Gymnasium um und fing Meinungen zum Thema ein:
Die 16-jährige Bianka Plüschke fragt sich, wie die USA behaupten können, dass sie einen Krieg gegen den Terror führen, was an sich schon widersprüchlich sei. Bianka denkt aber auch, dass von Saddam Hussein eine gewisse Gefahr ausgeht. Es sei jedoch nicht fair, dass ein ganzes Land bestraft werden soll. "Bush hat doch einen Knall", steht für Bianka fest. "Er war früher Gouverneur von Texas und dort hat er 150 Leute hinrichten lassen", weiß sie.
Klassenkameradin Juli Zietlow (15) findet die Haltung Deutschlands gut, denn sie meint, wenn auch deutsche Soldaten in den Irak gehen, wäre es nicht garantiert, dass sie lebend zurück kehren würden. "Wenn es zu einem Krieg kommt, wächst die Terrorgefahr nur noch mehr und es wird sie auf keinem Fall mindern, deshalb sollte es nie zu einem Krieg kommen", appelliert sie an alle Politiker.
Franziska Kretschmann (16) hat sich George Bush viel diplomatischer vorgestellt. Auch sie möchte einen Krieg verhindern und fragt sich, warum Bush nichts aus den Fehlern seines Vaters gelernt hat, der vor fast genau zwölf Jahren auch einen Golfkrieg führte. "Die Politiker der Welt sollten viel mehr zusammen arbeiten und nicht fast nur gegeneinander. Dann würden sie vielleicht auch eine gemeinsame Lösung für das Problem finden", ist Franziska überzeugt. Ihr tun vor allem die Frauen und Kinder aus dem Irak leid. Sie würden schließlich das meiste abbekommen, während Hussein sicher von Soldaten beschützt werde.
"Beschlossene Sache" Stephanie Krog hält einen Krieg kaum noch für abwendbar. Aber auch sie möchte, dass die ganze Sache friedlich verläuft: "! aber so wie die USA reden, ist für die ein Krieg schon beschlossene Sache!" Doch sie sorgt sich nicht nur um die USA und den Irak, denn sie meint: "Wenn es tatsächlich zu einem Krieg kommt, dann kann es der dritte Weltkrieg werden." Außerdem meint sie, dass die ganze Welt betroffen wäre, da der Irak ja auch sehr viel Öl besitzt. Sie fragt sich, warum die Vereinigten Staaten den Irak angreifen wollen, nur weil dieser Waffen besitzt, die er ja auch zur Verteidigung brauche. "Viele Politiker schließen die Augen vor diesem offensichtlichen Öl-Machtkrieg", ärgert sich Stephanie. Doch das wichtigste für die Befragten ist, dagegen zu demonstrieren. Die ganze Welt solle alles tun, um einen Krieg zu verhindern und mit Bildern, Spruchplakaten oder ähnlichem auf die Straße gehen, meinen sie. Auch in den USA würden viele Menschen demonstrieren, was den Präsidenten im Land allerdings wenig zu interessieren scheint.
Nordkurier-Neustrelitz
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