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18.02.2003
Rechts ist in der Schule nicht mehr in - Aufklärung trägt Früchte: Greifswalder Studie zeigt Rückgang der Fremdenfeindlichkeit

Schwerin/Greifswald Der Erfolg von Kriminalitätsprävention galt bisher als schwer messbar. Jetzt liegt eine Studie vor, die zumindest an Greifswalder Schulen einen Rückgang der Fremdenfeindlichkeit um 50 Prozent registriert.

Von Philip Schroeder

Noch sind die Ergebnisse der Studie "Gewalterfahrungen, gesellschaftliche Orientierungen und Risikofaktoren bei Jugendlichen 1998 bis 2002" nicht detailliert ausgewertet, aber schon jetzt kann Prof. Dr. Frieder Dünkel am Lehrstuhl für Kriminologie der Uni Greifswald eine deutliche Tendenz ablesen: "1998 zeigten 20 Prozent der Greifswalder Neuntklässler eine deutlich fremdenfeindliche Gesinnung, 2002 waren es nur noch deutlich unter 10 Prozent." Mit anderen Worten: Die Anzahl der offen fremdenfeindlichen Neuntklässler in der Hansestadt hat sich mehr als halbiert. 800 Personen haben die Greifswalder Forscher befragt, um die Ergebnisse der Vorgängerstudie von 1998 zu überprüfen. "Das ist eine ziemlich neue Sache, bisher hat man derartige Studien nicht über einen so langen Zeitraum durchgeführt", erläutert der Kriminologe mit Blick auf die bisherige Forschung.

Ein gewisser Optimismus im Hinblick auf die Wirkung von Gewaltprävention sei nun durchaus angezeigt, meint Prof. Dünkel: "Wir interpretieren die Ergebnisse so, dass der Rückgang mit den vielfältigen Präventionsprojekten in Greifswald zusammenhängt."

Die guten Nachrichten aus der Hansestadt sorgen in Schwerin für Optimismus: Innenminister Gottfried Timm (SPD) ist Vorsitzender des "Landesrates für Kriminalitätsvorbeugung MV"(LfK) und fühlt sich bestätigt: "Der Rückgang des Rechtsextremismus ist auch örtlichen Präventionsräten zu danken."

268000 Euro umfasst der Etat des LfK für 2003. Gegenüber den im Vorjahr zur Verfügung stehenden 295000 Euro eine leichte Reduzierung - erstmals in der Geschichte des seit 1994 existierenden Gremiums. "Kürzungen sind schmerzhaft, aber wir werden dieses Jahr zirka 100 Projekte fördern können", so der Minister.

Erstmals Kürzung im Präventionsetat

Im vergangenen Jahr bekamen 140 Präventions-Projekte finanzielle Unterstützung. "Wir rechnen auch in diesem Jahr wieder mit deutlich über 200 Anträgen", schätzt Landesrats-Geschäftsführer Armin Schlender, der im Innenministerium die Arbeit des Präventionsrates koordiniert. Seit 1999 hat das Land über den Präventionsrat rund 820 000 Euro an insgesamt 341 Projekte ausgeschüttet. Dabei betraf die Masse der bewilligten Förderungen - rund 60 Prozent - Projekte zur Jugendkriminalität und Jugendgewalt. Zusammen mit dem 20-prozentigen Anteil der Rechtsextremismus-Prävention kommen so 80 Prozent aller Mittel jugendorientierter Vorbeugung zugute.

2002 wurde die Arbeit des Präventionsrates erstmals auch im rot-roten Koalitionsvertrag festgeschrieben. Eine langfristige Perspektive, die Gottfried Timm zu unterstreichen nicht vergisst: "Damit gehört MV trotz knapper Kassen weiterhin zu den Ländern, in denen über Kriminalitätsvorbeugung nicht nur geredet wird."

Prof. Dünkel gibt zu seiner Studie allerdings zu bedenken: "Man kann die Ergebnisse nicht verallgemeinern. An Hauptschulen haben wir nach wie vor hohe Werte bei der Zustimmung zu fremdenfeindlichen Standpunkten." Dennoch hat sich nach Einschätzung des Kriminologen das Klima verändert: "So wie der Rechtsextremismus in den letzten Jahren thematisiert wurde, haben die Burschen einfach keinen guten Stand mehr."

Schweriner Volkszeitung

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