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06.02.2003
Rostock - Berlin - Auschwitz - Hansestadt erinnert an Schicksale jüdischer Juristen

Rostock (ddp) Gemeinsam mit seinem Bruder Richard meldete sich Franz Josephy freiwillig zum Militärdienst während des Ersten Weltkrieges und diente seinem Vaterland. 1893 in Schwaan geboren, wird der Spezialist für Grundstücksrecht 1927 zum Richter ernannt und ist der einzige jüdische Richter Mecklenburgs. All dies interessiert die Nationalsozialisten nicht. Zwei Jahre nach ihrer Machtergreifung wird er zwangspensioniert. In Berlin verpflichten ihn die Nazis zu Zwangsarbeiten auf dem Schlesischen Bahnhof. Er wird Kofferträger. Als das jüdische Altersheim, in dem seine Frau Edith als Ärztin arbeitet, im Jahre 1943 nach Theresienstadt deportiert wird, begleitet er sie freiwillig. Zwei Jahre später werden beide nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Zum Andenken an Franz Josephy wird am 19. Februar ein Stolperstein in Rostock errichtet, wie der Leiter des Max-Samuel-Hauses, Frank Schröder, sagt. Für den Gedenkstein, der im Fußgängerbereich der August-Bebel-Straße eingebracht wird, sammelte das Landgericht bei seinen Mitarbeitern.

Ausstellung im Landgericht geplant

Parallel dazu wird im Landgericht die Wanderausstellung "Anwalt ohne Recht - Schicksale jüdischer Rechtsanwälte in Deutschland nach 1933" gezeigt. Anfang 1933 gab es in Deutschland 19 276 Rechtsanwälte. Schon am 31. März stürmten SA-Trupps viele Gerichtsgebäude und forderten die Entfernung aller jüdischen Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte. In mehreren Etappen ging die Ausgrenzung vor sich, bis am 30. November 1938 das allgemeine Berufsverbot verhängt wurde. Die Ausstellung, die zurzeit noch im Deutschen Bundestag gezeigt wird, macht den Verlust, den Ausgrenzung, Vertreibung und Mord bewirkt haben, deutlich. In Rostock wird die Schau um acht Tafeln ergänzt, in der das Schicksal Rostocker jüdischer Juristen dokumentiert wird, unter anderem von den Josephys.

Deren Tochter Marianne hat in Großbritannien ihre Heimat gefunden. Dorthin hatten die Eltern sie aus Sorge bereits 1939 geschickt. Mehr als fünf Jahre wussten Mutter und Vater Josephy nichts über den Verbleib ihrer Tochter Marianne.

Sie weigere sich bis heute, Deutschland einen Besuch abzustatten, erzählt Frank Schröder. "Wir haben sie immer wieder eingeladen, aber sie will deutschen Boden nicht betreten." Die heute 80-jährige Marianne Elsley hat zwei Bücher über das Schicksal ihrer Familie geschrieben. Schließlich ist sie nur knapp dem Tode entronnen und nennt daher die Biografie auch: "A chance of six million".

Schweriner Volkszeitung

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