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05.02.2003
Ausstellungsstreit im Norden - Exposition »Verbrechen der Wehrmacht« soll nach Prora kommen - Landesregierung für Peenemünde
Wie bislang überall, wo sie in der BRD gezeigt wurde, sorgt die Ausstellung »Verbrechen der Wehrmacht - Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944« nun auch in Mecklenburg- Vorpommern, speziell auf der Insel Rügen, für heftige Debatten. Noch im Dezember 2002 vermeldete die Schweriner Volkszeitung, die Exposition werde ab 25. Juli in Prora, in dem von den Nazis nie fertiggestellten »Seebad der 20000« der Organisation »Kraft durch Freude« (KdF) zu sehen sein. Die Dokumentation des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS) belegt, welche Greueltaten »einfache« Soldaten und Offiziere nach dem Überfall auf die Sowjetunion zu verantworten hatten und sorgt daher bei den Verteidigern der Ehre der Wehrmachtssoldaten in den konservativen Parteien wie auch bei Neonazis regelmäßig für Entrüstung. So wollen Neonazis am Freitag in Chemnitz marschieren, wo die Ausstellung am morgigen Donnerstag eröffnet wird.
Einem Beschluß der Schweriner Landesregierung zufolge sollte die Ausstellung in jedem Fall nach Mecklenburg-Vorpommern geholt werden. Mittlerweile gibt es jedoch nicht nur von seiten der Tourismusunternehmen, sondern auch aus Schwerin Bedenken gegen Prora. Sie kommen aus dem Sozialministerium, das für ein internationales Jugendcamp verantwortlich zeichnet, das im Sommer ebenfalls in Prora stattfinden soll. Man befürchte »Sicherheitsprobleme«, hieß es in der Regionalpresse.
Prora und die »Wehrmachtsausstellung« standen vergangene Woche auch im Mittelpunkt einer öffentlichen Diskussion in Saßnitz. Ein »Freundeskreis Pro Wehrmachtsausstellung« hat sich gefunden, seit in den Medien massiv Peenemünde als Ausstellungsort propagiert wird.
Jürgen Rostock von der Stiftung Neue Kultur mit Sitz im KdF- Bad legte den Beginn der Geschichte dar: »1999 wurden wir über das Kultusministerium in Schwerin gebeten zu prüfen, ob wir die Ausstellung zeigen können.« In Abstimmung mit dem HIS faßte man zunächst das Jahr 2002 ins Auge, habe sich aber gerade wegen des Jugendcamps »Prora03« auf 2003 »umpolen« lassen. Zur Begründung des Schwenks habe es auch geheißen, in Peenemünde würde die uneingeschränkte Unterstützung der Gemeinde vorliegen, in Prora und Binz aber nicht.
Manfred Eckert von der PDS Binz, der die Diskussion moderierte, machte darauf aufmerksam, daß insbesondere die Tourismuswirtschaft Rügens Angst vor der Ausstellung und damit verbundener Unruhe schüre, obwohl diese »eine Ergänzung des Angebotes« sei. Klaus Kufler vom Freundeskreis betonte, die Ausstellung sei so gut, daß sie »ein Mahnmal im Kopf erzeuge, besser als jedes in Beton gegossene Gebilde«.
Thorulf Becker vom Freundeskreis meinte, in punkto Sicherheit sei die Ausstellung »mehr begleitet als das Jugendevent mit 15000 Menschen«. Und, so fragte er: »Warum sollte diesen Jugendlichen und der halben Million Besucher der Museumsmeile so etwas also mit fadenscheinigen Sicherheitsargumenten vorenthalten werden?« Außerdem sieht der Freundeskreis in Prora als Symbol der Gleichschaltung des zivilen Lebens während der Zeit des Naziregimes einen geradezu idealen Ort für die Ausstellung.
Der Saßnitzer Bürgermeister Dieter Holtz betonte: »Ich war von Anfang an dafür, und wir sollten nicht weiter die Gründe der Gegner erforschen«. Dies solle die Botschaft an die widerstrebende Staatskanzlei sein. Nikolaus Voss, Abteilungsleiter der Staatskanzlei, erklärte dagegen: »Für uns ist wichtiger, daß die Ausstellung ins Land kommt«. Dabei unterstütze man den Standort, der die besten Chancen habe. Schließlich solle das Land 20 Prozent der Kosten tragen. »Für Prora sehe ich aus baulicher und sicherheitstechnischer Hinsicht nicht mehr die Möglichkeit des Gelingens«, so Voss.
Der PDS-Kreisvorsitzende Jan Gottschling schlug vor, der Kreistag solle am 6. Februar einen Beschluß auf Grundlage der fast einstimmigen Empfehlung des Kulturausschusses für Prora als Standort fassen und damit ein »deutliches Zeichen in Richtung Schwerin« geben.
junge Welt
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