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04.02.2003
KZ-Opfer, Ausländer und Lehrer verspottet - Rechtsextremistische Schülerzeitung in Stralsunder Andershof aufgetaucht - Polizei ermittelt

Stralsund (OZ) Vor drei Wochen brachten Jugendliche vor der Realschule Andershof ein "unabhängiges Schülerblatt" in Umlauf. Der Inhalt: Hohn auf KZ-Opfer, Ausländer und andere Ziele rechtsextremer Propaganda.

"Avanti", so der Name der Zeitschrift, hat angeblich keine Verbindung zur NPD, wie es bei einem Greifswalder Vorläufer der Schülerinitiative für freie Meinungsäußerung der Fall war. Wie die Schreiber der rechtsextremen Störtebeker-Internetseite behaupten, sorge die Zeitung lediglich für "humorvolle Unterhaltung mit sozialkritischen Untertönen". Sie wende sich vor allem gegen "die Political Correctness, die es an Stralsunder Schulen gibt".

Dabei wird über all diejenigen hergezogen, die nicht ins Idealbild der rechtsextremen Szene passen. So mokieren sich die Schreiber über die Gründung einer schwulen Boygroup in Köln und den Erfolg des Steuersongs und nutzen dabei die Gelegenheit, ihre eigenen musikalischen Idole als die zu Unrecht Verfolgten des Staates in den Mittelpunkt zu rücken. Dazu gibt es "Witze" über Polen und Türken.

Allerdings bleiben auch Pädagogen vom Hohn des Avanti-Redaktion nicht verschont. Eine Geschichtslehrerin der Andershofer Schule wird von den Schreibern aufs Übelste verspottet, weil sie ihren Schülern im Unterricht über die Anne-Frank- Ausstellung in Amsterdam berichtete und sich erschüttert über die Machenschaften der Nazis im Zweiten Weltkrieg zeigte.

Dabei zweifeln die Anhänger der rechtsextremen Szene in diesem Zusammenhang die Echtheit der Tagebücher von Anne Frank an. So weisen die Avanti-Macher die Lehrerin zynisch darauf hin, dass Anne Frank an Typhus gestorben sei und nicht von den Nazis ermordet wurde.

Darüber, dass es allerdings die katastrophalen unmenschlichen Zustände im KZ Bergen-Belsen waren, die das junge Mädchen damals überhaupt erst krank machten und umbrachten, hüllen die Schreiber den Mantel des Schweigens. Ein ehemaliges NPD- Mitglied bekam im August des vergangenen Jahres eine Bewährungsstafe, weil er unter anderem die Gaskammern im KZ Ravensbrück verleugnete und Verstorbene verunglimpfte. Ist diese Schülerzeitung damit nicht auch ein Fall für den Staatsanwalt?

Nach Angaben von Polizeisprecher Ingolf Dinse leider nicht. "Zwar ermittelt das Fachkommissariat ,Maex' (Mobile Aufklärung Extremismus) in dieser Szene, aber derzeit ist kein strafrechtlich relevanter Hintergrund erkennbar. Die uns hinlänglich bekannten Personen bewegen sich mit den Formulierungen in dieser Zeitung noch immer am Rande des Gesetzes."

Auf OZ-Nachfrage betonte die Schulleiterin der Realschule Andershof, Christel Bräunig: "Die Aktion mit der Schülerzeitung fand nicht auf unserem Gelände statt. Die Leute drückten unseren Schülern das Blatt an der Bushaltestelle in die Hand. Die meisten distanzierten sich sofort vom Inhalt." Zwar wisse man auch, welcher Schüler die Zuarbeit geleistet hat, "doch wir können ihn leider nicht dafür belangen."

Ostseezeitung-Stralsund

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