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04.02.2003
Rechte Szene geht in den Grabenkampf - Verfassungsschützer sehen Neonazis im Norden zunehmend in Streitereien untereinander verwickelt

Schwerin. Die Neonazis in Norddeutschland sind nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes in Mecklenburg-Vorpommern tief zerstritten. Das habe unter anderem die Beobachtung und Auswertung der Internet-Seiten der rechtsextremen Szene ergeben, so ein Sprecher des Schweriner Innenministeriums.

Interesse nachgelassen

Nach Ansicht des Verfassungsschutzes sind die Rechtsextremen weit von ihrem selbstgesteckten Ziel entfent, einen "Nationalen Widerstand" zu bilden. Stattdessen lieferten sich mittlerweile manche Protagonisten der Szene massive Auseinandersetzungen über das Internet. Dabei hatten die Rechten einst gehofft und ihre Gegner befürchtet, dass das Internet den Zusammenhalt der rechten Szene befördern würde. Ein Teil der Neonazi-Szene beklagt, dass es in den eigenen Reihen eine "allgemeine Demonstrationsmüdigkeit" gebe, so der Verfassungsschutz. In den vergangenen fünf Jahren hätten zahlreiche Rechte "fast jedes Wochenende Einsätze gefahren - quer durch die Republik", zitiert der Verfassungsschutz einen Internet- Beitrag des "Aktionsbüros Norddeutschland". Das Interesse daran habe inzwischen aber stark abgenommen und zudem kaum neue Mitglieder gebracht. Das "Aktionsbüro" polemisierte mit einem "Aufruf" gegen "Schwätzer und Selbstdarsteller", die "aus Gedankenlosigkeit und Selbstdarstellungssucht" zu viel von sich und ihren Aktivitäten öffentlich preisgäben.

Kaum sichtbare Erfolge

Das stieß zum Beispiel bei dem Hamburger Christian Worch, einem der Protagonisten der Szene, auf Widerspruch. Er nannte die Unterstützer des Aufrufs "feige" und "ehrlos". Andere lehnten die Aufforderung, möglichst anonym zu bleiben, als "faktische Selbstzensur" ab. Einer sprach sogar von "Kameradenschweinerei".

Aber auch in der spezifischen rechtsextremen Szene in Mecklenburg- Vorpommern, zu der rund 1700 Personen gezählt werden, geht es nach Erkenntnissen des Landes-Verfassungsschutzes heftig zur Sache. Ein Streit über den Wert der Aktivitäten der rechten Szene gipfelte in persönlichen Beschimpfungen wie "Unperson", "Denunziant" und "Lügenmaul". Einer der Wortführer machte in der eigenen Szene politische "Flickschusterei, Grabenkämpfe und nicht selten Weltferne im nationalen Lager" aus. Die Zersplitterung der rechtsextremen Szene in Norddeutschland ist nach Ansicht des Verfassungsschutzes nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass sichtbare "Erfolge" der rechtsextremistischen Aktivitäten ausbleiben. Ursache dürfte wohl unter anderem das fehlende Interesse in der Bevölkerung für neonazistisches Gedankengut seint, das von der übergroßen Mehrheit klar abgelehnt wird. Die zahlreichen Demonstrationen seit 1997 hätten zwar Skinheads angesprochen, die den "Erlebniswert" dieser Veranstaltungen schätzten, die aber "politische Basisarbeit" wenig attraktiv finden.

Nordkurier

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