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30.01.2003
Geschichte aus der Nachbarschaft - Rostocker Schüler gestalten Ausstellung über den Umgang mit ausländischen Zwangsarbeitern
Rostock. Anna Witt strahlt. "Wir können stolz sein, dass sich Schüler so ins Zeug gelegt haben." Die Siebzehnjährige erzählt, dass sie und etwa 70 Schüler im Alter von fünfzehn und neunzehn Jahren aus vier Städten in Mecklenburg-Vorpommern die Wanderausstellung "Zwangsarbeit im Ostseeraum 1939-1945" vorbereitet haben. Auf zwanzig großen Schautafeln stellen sie anschaulich die Lebenssituation von zivilen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen in Rostock, Schwerin, Wismar und Barth während des Zweiten Weltkriegs dar.
Prominenter Gast
Die Besucher können sich über den Umgang der einheimischen Bevölkerung mit ausländischen Zwangsarbeitern, Unterschiede in der Behandlung der Zwangsarbeiter, deren Arbeitseinsätze, Unterkunft und Verpflegung informieren. Prominenter Gast im Hauptgebäude der Universität Rostock ist Minister a. D. Hans Otto Bräutigam, Mitglied des dreiköpfigen Vorstandes der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft", die bislang über vier Millionen Mark Entschädigung an Zwangsarbeiter aus vielen Ländern ausgezahlt hat. Der Stolz über die Veröffentlichung ihrer fast einjährigen Arbeit ist den anwesenden Schülern anzusehen. Projektleiter Florian Ostrop lobt ausdrücklich die "sehr disziplinierte Arbeit" der Schüler. Der siebzehnjährige Jens Köpcke aus Rostock empfindet die Arbeit als "große Bereicherung". Ein Mal pro Woche haben sie sich in kleinen Gruppen getroffen, Konzepte erarbeitet, im Stadtarchiv recherchiert und Interviews mit Zeitzeugen geführt. Wenn alles gut geht, sagt Jens, werde er nach dem Abitur Geschichte oder Soziologie studieren.
Viel gelernt
Die Schüler aus Barth, Rostock, Wismar und Schwerin arbeiteten unter Anleitung ihrer Geschichtslehrerinnen sowie Historikern im Auftrag der Geschichtswerkstatt Rostock und der Landeszentrale für politische Bildung. Ziel war, soziale Verhältnisse zurzeit des Zweiten Weltkrieges in ihrer Wohnumgebung intensiv zu erkunden und öffentlich darzustellen. Anna Witt erzählt, dass sie viel über und aus der Geschichte der Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg gelernt hat. Die Rostockerin, Schülerin einer 12. Klasse, hat die Tafel "Zwangsarbeiter in der Rüstung" gestaltet, von den Recherchen über die Interviews mit Zeitzeugen bis zu Texten und Fotos. "Es hat mich sehr interessiert, wie die Zwangsarbeiter hier in Rostock vor mehr als sechzig Jahren gelebt und gearbeitet haben, wie mit ihnen umgegangen wurde." Auf die Frage, ob die Arbeit am landesweiten Projekt nunmehr abgeschlossen sei, schüttelt sie energisch den Kopf. "Schüler haben für Schüler geforscht. Nach den Ferien wollen wir ein Konzept erarbeiten, wie unsere Ergebnisse in den Unterricht eingebaut werden können." Sie überlegt, dann fügt sie hinzu: "und wie unsere Lehrer und Eltern in die Diskussion über das Geschehene einbezogen werden können."
Ihr Projekt ist seit vorgestern allen Schulen des Landes zur Erweiterung mit eigenen Forschungsergebnissen offen. Die Ausstellung ist bis zum 14. Februar 2003 im Hauptgebäude der Universität Rostock zu sehen. Vom 17. Februar bis 3. März 2003 wird sie im Bürgerhaus Kröpeliner Tor, Vorstadt, Budapester Straße 16, 18057 Rostock gezeigt.
Nordkurier
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