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29.01.2003
Keine Einheitsfront" gegen Kriegsgefahr - Ueckermünde: Pastoren und PDS-Anhänger streiten um Montagsdemonstrationen
Ueckermünde (ma). Sollen die Bürger von Ueckermünde gegen den drohenden Irak- Krieg auf die Straße gehen? Soll man auch in der Haffstadt Montagsdemonstrationen für den Frieden organisieren? - An dieser Frage entzweiten sich Christen und PDS-Anhänger, die sich am Montagabend in der Evangelischen Kirchengemeinde zu einer abendlichen Gesprächsrunde versammelt hatten.
"Krieg oder Frieden - wir sind betroffen" hieß das Thema, das Pfarrer Jürgen Jehsert auf Anregung hiesiger Mitglieder der Partei des demokratischen Sozialismus (PDS) öffentlich diskutieren wollte. Etwa 20 Gesprächsteilnehmer, fast nur ältere, hatten sich dazu im Pfarrhaus eingefunden, darunter PDS-Kreisgeschäftsführerin Heidi Michaelis und der PDS-Landtagsabgeordnete Gerd Walther."In der Bibel finden wir ganz stark den Willen zum Frieden", leitete Jehsert den Gesprächsabend ein. Er verschwieg allerdings nicht eine gewisse Unzufriedenheit. Er bedauere, dass nur so wenige zu dem Gespräch gekommen sind, so der Pastor.
Vielleicht war das ja mit ein Grund für den schnellen Konsens: Ein Krieg der USA gegen den Irak, womöglich mittels Atomwaffen, sei genauso verbrecherisch wie der zu bekämpfende Terrorismus, Opfer würde vor allem die unschuldige Bevölkerung sein, es gehe der amerikanischen Administration nicht zuerst um Demokratie und Menschenrechte im Irak, sondern um Macht über die riesigen Erdölvorkommen in dem Nahoststaat, meinten Kirchenanhänger und PDS-Mitglieder übereinstimmend.
Wir müssen auch in Ueckermünde etwas tun, brachte ein Genosse die Meinung der demokratischen Sozialisten auf den Punkt. Dann stellte Jürgen Jehsert ein Kruzifix in die Mitte, auch um zu provozieren, wie er hinterher zugab. "Sind Sie bereit, dass Deutschland gekreuzigt wird?", fragte er eindringlich. Ohne Beantwortung dieser Frage seien alle anderen Bemühungen bedeutungslos. Es dürfe keine Soldaten geben, habe er schon in der DDR gesagt. "Sie gehörten damals jener Partei an, die gegen die Friedensbewegung in der Kirche und gegen das Ziel Schwerter zu Pflugscharen vorgegangen war", wendete sich Pfarrer Jehsert an die Genossen von der PDS. "Ich will eine Aktion, die nach außen wirkt", appellierte Jürgen Jehsert. "Hier in Ueckermünde wird uns niemand bemerken." Und sein Kollege Pastor Jochen Weber ergänzte: "Ich lebe Frieden vor, ich gehe zu den Menschen, bitte Gott um Frieden, ich schaffe ein Stück Frieden. Ich kann mir für mich nicht vorstellen, jeden Montag zehn Minuten lang vor der Kirche zu stehen."
Er möchte allen "einen Tipp" geben, so Jehsert: "Nicht Einheitsfront", sondern Phantasie sei jetzt wichtig, um sichtbar Zeichen zu setzen.
Nordkurier-Ueckermünde
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