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29.01.2003
Betriebe geschlossen zur Kundgebung zitiert - 2. Tagung "Junger Norden" im Sommer 1938 als Bekenntnis zur NSDAP missbraucht
Stralsund (OZ) Während eines Praktikums im Stralsunder Stadtarchiv beschäftigte sich Dörthe Buchhester von der Uni Greifswald mit Ereignissen in Stralsund während des Nationalsozialismus. Teil 3 der Beitragsfolge "Junger Norden" erschien am 22. Januar.
Die 2. Tagung "Junger Norden" fand im Sommer 1938 in Stralsund statt. Diesmal war auch eine Mädchengruppe dabei, die von Maj Nilsson, Fahnenträgerin der schwedischen Sportler bei der Olympiade 1936, geleitet wurde.
Die zunehmende Politisierung der Veranstaltung äußerte sich nicht nur im gemeinsamen Marsch der deutschen und schwedischen Jugendlichen zum Markt, dem "wundersamen Gleichschritt der Jugend stammverwandter Nationen", sondern auch darin, dass den Schweden mangels HJ-Uniformen Einheitskleidung vorgeschrieben wurde. Nun trugen sie zu dunklen Hosen bzw. Röcken weiße Hemden, auf deren Brusttasche die schwedische Flagge genäht war.
Das Lagerleben glich dem des Vorjahres, nur gab es diesmal keine prominenten Besucher. Auch lagen, da sie nur alle zwei Jahre denselben Auslandshafen anlaufen durften, keine schwedischen Kriegsschiffe im Hafen.
Die obligatorische Rügenfahrt führte zum KDF-Bau in Prora und zum Hans-Mallon-Ehrenmal, der Gedenkstätte für einen 1931 unter nie ganz geklärten Umständen zu Tode gekommenen und zum Helden stilisierten Hitlerjungen. Während der Tagung fanden dann neben Schwimmfest und Ruderregatta gymnastische Vorführungen der Schweden statt. Außerdem gab es Konzerte mit dem schwedischen Kammersänger Dag Westberg, der dafür in Schweden herbe Kritik einzustecken hatte, und eine Ausstellung des BDM, die unter dem Titel "Mädel am Werk" die traditionelle Rolle der Frau propagierte.
Vor der Schlusskundgebung, bei der auch der Gauleiter auftrat, erging durch den Kreisobmann der Deutschen Arbeitsfront ein Aufruf an alle Betriebe. Es sollte "jeder Betriebsführer mit seiner gesamten Gefolgschaft geschlossen zur Kundgebung marschieren" und so dokumentieren, dass "der Betrieb sich für die Ziele der NSDAP jederzeit voll und ganz einsetzt."
Die deutsche Einheitspresse reagierte noch euphorischer als im Vorjahr auf den "Jungen Norden". Doch auch Harald Schiller berichtete im "Sydsvenska Dagbladet" täglich aus dem Lagerleben. Andere schwedische Zeitungen gaben ebenfalls Bericht. Aber der "Junge Norden" machte in Schweden auch negative Schlagzeilen. Aufhänger dafür waren vor allem Harald Schillers Berichte. Die Zeitungen "Ny Dag" und "Sydsvenska Kuriren" warnten vor der Nazifizierung schwedischer Schulkinder in Stralsund. Sie warfen Delegationsleiter Rosendahl vor, in seinem Grußtelegramm an Hitler unberechtigt für Schweden zu sprechen.
Dasselbe galt für Schiller, der betont hatte, dass "Schweden immer für Deutschland und besonders für Stralsund ... seine Arme öffne." Die beiden schwedischen Zeitungen erteilten dem eine klare Absage. Das demokratische Schweden sollte sich nicht "dem Gesindel öffnen, das seinen eigenen Reichstag anzündete", und darauf achten, dass die nationalsozialistische Propaganda nichtüber die Jugend in Schweden Fuß fasst.
In Stralsund dagegen kostete Dr. Stoll den Erfolg des "Jungen Norden" in vollen Zügen aus. Der Reichsjugendführer Baldur von Schirach hatte sich lobend zur Tagung geäußert und wollte möglicherweise an der nächsten Veranstaltung teilnehmen.
Ostseezeitung-Stralsund
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