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29.01.2003
Das Leid der Opfer steht im Mittelpunkt - Cap-Arcona-Geschichtsstunde am Grevesmühlener Gymnasium

Grevesmühlen (OZ) Was mit der "Titanic" passiert ist, weiß jedes Kind. Die Tragödie des Luxusliners "Cap Arcona" kennt kaum jemand. Es ist eine grausame Geschichte mit 7000 Toten.

Sven Schiffner (30) vom Förderkreis Cap Arcona erzählt die Geschichte. Weil sie "direkt vor unserer Haustür in der Lübecker Bucht stattfand" und weil er verhindern will, dass "Gedenkstätten zur ,Kranzabwurfstelle' werden". Detailliert, mit originalen Luftbildern schildert Schiffner den Schülern der Klasse 13/1, was passierte am 3. Mai 1945, nachmittags um drei, bei bedecktem Himmel und 8 Grad Wassertemperatur:

Die Royal Air Force bombardiert drei tarngraue Kriegsschiffe vor Lübeck. 40 Volltreffer setzen "Cap Arcona", "Athen" und "Thielbek" in Brand. Doch es sind keine Kriegschiffe. An Bord befinden sich 10 000 KZ-Häftlinge aus Neuengamme. Die SS hatte sie auf die Schiffe verladen. 7000 ertrinken und verbrennen.

Seit zehn Jahren beschäftigt sich Schiffner in seiner Freizeit mit dem Thema. Der Vortrag vor den Schülern ist auch für ihn eine Premiere. Im Vordergrund steht das Leid der Opfer. Noch gibt es Zeitzeugen, Schiffner hat ein Video mitgebracht: Überlebende berichten, wie es ihnen gelang, sich zu retten. Und wie es anderen nicht gelang.

Noch immer werden Akten zur Tragödie unter Verschluss gehalten, noch immer werden neue Fakten bekannt, erzählt Schiffner. Er zeigt Indizien dafür auf, dass die SS der britischen Luftaufklärung eine Falle stellte: Zwar wurden die Häftlinge bei Tageslicht verladen, aber im Schatten eines riesigen Getreidespeichers. "Die Briten konnten das aus der Luft gar nicht sehen." Ein weiteres Indiz: Die "Cap Arcona" war manövrierunfähig. "Sie konnte gar nicht nach Skandinavien fahren, auch wenn dieses Gerücht unter den Häftlingen gestreut wurde." Kein Zeuge der NS-Gewalt sollte lebend in die Hände des Feindes fallen. Die SS hatte nur ein Ziel: die Häftlinge töten. Schiffner und seine Kollegin Marina Safarjan bemühen sich, den Schülern klar zu machen, was die Katastrophe mit "uns heute" zu tun hat. "Es ist unsere Pflicht, die Vergangenheit zu zeigen, damit man daraus lernen kann", sagt Safarjan.

Die Gebeine von 4000 Menschen ruhen an den Stränden der Lübecker Bucht. 400 Opfer, die in Groß Schwansee in einem Massengrab bestattet waren, wurden später nach Grevesmühlen umgebettet. Von 3000 Vermissten fehlt bis heute jede Spur. Die Ostsee ist ihr Grab.

Aufmerksam hören die Schüler zu. "Ich habe viel Neues erfahren", meint Ron (18). Katharina (19) ist erschüttert. Im Herzen sollte der Vortrag ankommmen, das scheint gelungen.

Schulklassen, die Interesse an dem Vortrag haben, können sich im Museum melden. Am Sonntag wird um 10 Uhr ein Kranz am Grevesmühlener Denkmal niedergelegt.

Ostseezeitung

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