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28.01.2003
Das Entsetzen ist lebendig - Gedenktafel zur Erinnerung an die Greifswalder Juden eingeweiht
Greifswald(OZ) Von schlichter Schönheit ist sie, die bronzene Tafel zum Gedenken an die Jüdische Gemeinde in Greifswald. Unter der Abbildung der Menora, des siebenarmigen Leuchters, stehen die Worte "Zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde 1871-1938". Und: "In diesem Altstadtquartier befand sich über viele Jahre der jüdische Betsaal". Gemeint ist das Hinterhaus Markt 13. Dort befindet sie sich nun auch, die Stätte des Gedenkens an die jüdischen Bürger Greifswalds, die unter Hitlers Herrschaft vertrieben und ermordet wurden.
Besonders der Arbeitskreis "Kirche und Judentum" der Pommerschen Evangelischen Kirche hatte darum gekämpft, eine würdige Form der Erinnerung zu finden. Nach vielen Jahren nun haben Stadt und Kirche gemeinsam diese Tafel gestiftet. "Nicht um das Entsetzen zu konservieren, sondern um daraus die Lehren zu ziehen und sich jeglicher Form des Rechtsextremismus entgegen zu stellen", sagt Oberbürgermeister Dr. Arthur König in Anwesenheit von Landesrabbiner William Wolff. Zumal es heute wieder Stimmen gibt, die es laut wagen, den Holocaust zu leugnen. Eine Ungeheuerlichkeit, auch angesichts des Schicksals, das Greifswalder Juden erfuhren. Felix Hausdorff etwa, bedeutender Mathematiker, dessen Namen auch das Internationale Begegnungszentrum trägt, entzog sich gemeinsam mit seiner Frau durch den Freitod der Deportation.
Die persönlichen Tragödien, die hinter folgenden Zahlen stehen, lassen sich erahnen. 1922 hatte Greifswald noch 77 jüdische Einwohner. Als 1933 die ersten Boykotte einsetzten, verließen sie die Stadt, so dass 1939 nur noch 16 hier lebten. Einige von ihnen konnten sich ins Exil retten. Die anderen wurden 1940 verhaftet und starben im Konzentrationslager Lublin. Nur 12 Juden von 1200 aus Pommern überlebten den Holocaust.
Eine lebendige jüdische Kultur gibt es nicht mehr in Greifswald. Dafür aber inbesondere seitens der Uni das Bemühen, sich mit diesem dunklen Kapitelder deutschen Geschichte auseinanderzusetzen und den Blick in die Gegenwart zu richten. So lud die Uni gestern zum Kolloquium über die Wurzeln und frühen Erscheinungsformen des Antisemitismus in Deutschland ein. Am Abend sprach Landesrabbiner William Wolf über das Thema "Neuer Anfang- neues Judentum in Mecklenburg Vorpommern".
Ostseezeitung
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