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25.01.2003
Narben zeugen bis heute von Überfall im Wald - Mit Axt auf Camper eingeschlagen - Täter aus Ostvorpommern trugen Bomberjacke
Stralsund. Es war ein dunkelhaariger Mann, das weiß einer der Zeugen noch ganz genau. Ein Dunkelhaariger mit Axt und Baseballschläger in den Händen, der damit zuschlug. Von den sechs Angeklagten aus Ostvorpommern - unter anderem aus Groß Jasedow und Buggenhagen - , die sich seit dieser Woche vor dem Stralsunder Landgericht verantworten müssen, hat nur einer dunkles, fast schwarzes Haar. Dem 22-jährigen Karlsburger wirft die Staatsanwaltschaft jetzt versuchten Mord vor. Jener Abend, der vor der Jugendkammer aufgerollt wird, liegt etwa dreieinhalb Jahre zurück. Am 23. Mai 1999, dem Pfingstsonntag, grillte eine Greifswalder Jugendgruppe am Rastplatz "Spinne" in der Nähe von Karlsburg. Bereits am Nachmittag sei ein Moped mit zwei Leuten an dem Platz im Wald vorbeigefahren und ihnen merkwürdig vorgekommen. "Einer von denen hatte eine Bomberjacke an", ist sich ein 23-Jähriger sicher. Abends kam dann mit drei Pkw der unerwartete "Besuch" vorgefahren. Ein 22-jähriger Greifswalder, der gemeinsam mit einem anderem jungen Mann nach dem Rechten sehen wollte, erinnert sich noch an die Rufe "Ihr Schweine! Was wollt ihr hier? Verpisst euch!" Als die Unbekannten ihnen entgegenkamen, seien die beiden zurückgelaufen. Er sei dann gestolpert und gefallen, berichtet der Bärtige. Zwar konnte er sich noch aufrichten, dann aber sah er vor sich schon einen jungen Mann mit einem Gegenstand in der Hand. "Den ersten Schlag habe ich mit der Hand abgewehrt", erzählt er Richter Wolfgang Loose. Eine vier Zentimeter lange Wunde am linken Handballen war die Folge, auch ein Muskel wurde durchtrennt. "Der zweite Schlag ging ins Gesicht." Davon zeugt eine etwa acht Zentimeter lange Narbe in der Augen- Nasenregion. "Ein dritter Schlag ging über meinen Kopf hinweg, denn da hatte ich mich gerade geduckt." Verletzungen trug auch ein weiterer, ebenfalls 22 Jahre junger Mann davon: Ihn trafen Schläge am Schlüsselbein - "mit einem Hammer", sagt er - und Fausthiebe am Gesicht und Oberkörper. Der Elektroniker erzählt auch davon, dass die Autos der grillenden Gruppe beschädigt wurden, etwa wie der BMW seines Vaters. "Die Scheiben waren eingeschlagen, die Scheinwerfer kaputt, Türen, Motorhaube und Kofferraum verbeult." Gutachter stellten Spuren einer Axt fest. Nachdem die Angeklagten bereits am ersten Verhandlungstag verhört wurden, nahmen gestern weitere Zeugen aus dem Bekanntenkreis der sechs Ostvorpommern im Saal Platz. Die allerdings konnten sich vor dem Gericht kaum an das Geschehen vor dreieinhalb Jahren erinnern. "Es war dunkel", begründeten sie, und "es ist zu lange her", oder "ich habe davon nichts mitbekommen." Richter Loose hatte sichtbar mit seiner Geduld zu kämpfen. "Das hier ist keine Märchenstunde", schimpfte er und erwähnte die Möglichkeit einer Beugehaft. Die Verhandlung wird zwei weitere Tage in Anspruch nehmen. Am 31. Januar soll das Urteil gesprochen werden.
Nordkurier-Anklam
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