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22.01.2003
"Als sei man lebendig begraben" - Lesung zu Frauenkonzentrationslager in Anklamer Theater

Nordkurier-Bild

Hans Hesse und Martin Guse (von links) lesen aus Tagebuchnotizen von KZ- Inhaftierten.

Anklam (hl). "Nach der ganzen trockenen wissenschaftlichen Arbeit wollten wir einfach mal was anderes machen." Es klang fast, als wollte sich Hans Hesse dafür entschuldigen, nicht harte Fakten, sondern persönliche Äußerungen von Inhaftierten aus Briefen und Tagebuchnotizen zum Thema am Montagabend im Anklamer Theater gemacht zu haben. Der Einladung zur dialogischen Lesung unter dem Titel "Als sei man lebendig begraben. Skizzen zur Geschichte der drei Frauenkonzentrationslager Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück" , die Hesse gemeinsam mit dem Sozialpädagogen Martin Guse hielt, waren allerdings nur wenige Zuhörer gefolgt. In der anschließenden Diskussionsrunde gingen die Autoren, die über viele Jahre zu den Frauenkonzentrationslagern forschten, vor allem auf die Frage ein, warum so viele der Opfer so lange über ihre Lagerhaft geschwiegen hatten: "Die Stigmatisierung durch die Haft wirkte noch lange nach", erklärte Guse, und die Tatsache, dass der ehemalige Moringer KZ-Direktor Hugo Krach 1954 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, habe sich verheerend auf das Selbstbild der ehemaligen Häftlinge ausgewirkt. Angesichts dieser Ehrung für ihren Peiniger hätten Opfer sich gesagt: Das glaubt mir sowieso keiner. Gerade darum sei es wichtig, so Hesse, zu prüfen, ob die Auszeichnung posthum widerrufen werden könne.

Die Lesung, zu der der Anklamer Verein "Bunt statt Braun" eingeladen hatte, fand im Rahmen der Ausstellung "Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben" statt, die in den Räumen des Mädchentreffs IN VIA bis Freitag zu sehen ist.

Nordkurier-Anklam

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