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22.01.2003
"Sich einmischen und engagieren" - Raimund Schneider arbeitet für Röbeler Verein - Schüler suchten Zeitzeugen auf

Röbel. Er kommt aus Berlin, und er hat jede Menge Ideen. Raimund Schneider, 21 Jahre alt, ist derzeit im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) beim Röbeler Verein "Land und Leute" tätig. Nach Abitur und Zivildienst hat es ihn in die mecklenburgische Kleinstadt verschlagen. Seine Eindrücke zum Leben in Röbel umschreibt er so: "Wenn ich aus dem Fenster schaue, sich unten ein Garagentor öffnet und ein Bauer sich mit einem Pferdefuhrwerk zur Feldarbeit aufmacht, dann ist mir der Unterschied zu Berlin sehr deutlich." Als "erfrischend" empfinde er die Tatsache, dass keine Großstadtanonymität herrscht. Er meint, damit sei "ein gewisser Schutz vor Kriminalität" gegeben.

Freiwillige Dienste

Dafür, dass Freizeit sinnvoll und engagiert verbracht wird, setzt sich Raimund Schneider ein. Und dies ist auch erklärtes Ziel des Vereins, der über Gelder aus der Robert-Bosch-Stiftung die Trägerschaft für die Stelle übernahm. Seit 1999 unterstütze die private Stiftung mit Sitz in Stuttgart freiwillige Dienste junger Menschen, heißt es dazu im Internet.

"Sich einmischen und Verantwortung übernehmen - das bürgerschaftliche Engagement vor allem Jugendlicher soll gestärkt werden", umschreibt Raimund Schneider die Arbeit der Stiftung. Mit seiner Arbeit in Röbel scheint er dazu beizutragen. "Ich organisiere, dokumentiere und bereite auf", erklärt er. Beispielsweise habe er im vergangenen Sommer für zwei Workcamps von "Land und Leute" das Freizeitprogramm ausgearbeitet. Junge Leute aus Spanien, Japan, Italien, Marokko, den USA und der Türkei waren damals in Röbel zu Gast.

Arbeit an Synagoge

"Man muss sich mal überlegen, wann junge Leute in Röbel die Möglichkeit haben, Japaner oder Italiener kennen zu lernen", sagt der junge Mann. Die Zeit der Workcamps scheint spannend und intensiv gewesen zu sein. "Von 9 bis 15 Uhr arbeiteten wir an der Synagoge, danach machten wir Ausflüge." Das Land und die Leute sei den Jugendlichen eben dabei näher gebracht worden, die Kultur-Scheune in Bollewick habe man beispielsweise besucht, aber auch Gedenkstätten für Opfer des Nationalsozialismus.

Dokumentarfilm gedreht

Die deutsche Vergangenheit und die Arbeit mit Jugendlichen, beides interessiert ihn. Raimund Schneider überlegt, nach seinem FSJ ein Geschichts-Studium "gekoppelt mit Erziehungswissenschaften", zu beginnen. "Eventuell mit dem Schwerpunkt Antisemitismusforschung", setzt er hinzu.

Auf die Suche nach Spuren jüdischen Lebens in Röbel hat er sich bereits gemacht.

Gemeinsam mit vier Mädchen der Realschule hat er einen Dokumentarfilm gedreht, darin Erinnerungen an Vergangenes in Wort und Bild fest gehalten. Weitere Filme und Projekte sind geplant. So wolle er beispielsweise ehemalige Zwangsarbeiter ausfindig machen, dadurch Gespräche zwischen Jung und Alt befördern. Kontakte zu Zeitzeugen, aber auch zu Schulen und zum Jugendhaus baue er derzeit auf.

Momentan ist Raimund Schneider auch dabei, dem Verein eine Internet-Seite einzurichten. Man müsse sich selbst organisieren und Arbeitsbereiche finden können, sagt der junge Mann. Ideen und Engagement seien gefragt. "Nach dem Jahr hat man natürlich keinen Abschluss in dem Sinne", meint er. "Aber es bringt unheimlich viel, um zu wissen, was man kann und was nicht." Eine "kleine Entlohnung" erhalte er im FSJ, Krankenkassenbeiträge, Miete und Fahrtgelder seien auch abgesichert. Der Verein "Land und Leute" plane mit Ablauf seines FSJ eine Neubeantragung der Stelle.

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