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21.01.2003
Streit um neue Schau zur NS-Justiz - SED-Opfer kritisieren Schweriner Ausstellungskonzept

Schwerin. Mit der Ausstellung "Strafrecht ist Kampfrecht" zur NS-Zeit eröffnet das Dokumentationszentrum in der Landeshauptstadt den ersten Teil seiner Dauerausstellung. Deren Konzept allerdings sorgt für Streit.

Von Philip Schroeder

Die Ausstellung, die am kommenden Montag, den 27. Januar, im "Dokumentationszentrum des Landes für die Opfer deutscher Diktaturen" eröffnet wird, läuft unter dem Titel "Strafrecht ist Kampfrecht - Justiz und Terror in Mecklenburg 1933-1945". Sie zeige die Instrumetalisierung der Justiz durch die Nationalsozialisten und die Komplizenschaft der Richter, erläutert Regine Marquardt, Direktorin der bei der Konzeption federführenden Landeszentrale für politische Bildung. Die Schau soll erster Teil einer Dauerausstellung sein, die ein halbes Jahrhundert Unrecht am Demmlerplatz umfassen wird: die NS-Justiz ab 1933, das Sowjetische Militärtribunal nach 1945 und ab 1952/53 die Arbeit des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).

Die Gewichtung der Ausstellungsteile ist nicht unumstritten. Dr. Jürgen Schmidt- Pohl, Stasi-Opfer und Vorsitzender der "Vereinigung politisch Verfolgter und Widerständler der SBZ/SED-Diktatur/DDR" bemängelt, das NS-Unrecht werde in der Schweriner Ausstellung zu sehr in den Vordergrund gestellt. Sein Hauptkritikpunkt: Das Gerichtsgebäude sei historisch der falsche Ort, da die Gestapo dort gar nicht tätig gewesen sei. Die Opfer des Sowjetischen Militärtribunals und der SED würden dagegen gezielt vernachlässigt. Dr. Schmidt-Pohl bemängelt: "Man will die Opfer bevormunden." Er habe den Beirat des Zentrums verlassen, weil "ich dafür nicht das Feigenblatt sein wollte."

Ausstellungsmacher Dr. Kai Langer kann derartige Vorwürfe nicht nachvollziehen. "Hier geht es nicht etwa um einen Ersatz für den verordneten Antifaschismus in der DDR", stellt der Historiker klar.

Auch Regine Marquardt weist die altbekannte Kritik zurück: "Wir wollen Geschichte begreifbar machen, Kontinuitäten und Brüche aufzeigen." Die Ausstellung "Strafrecht ist Kampfrecht" sei nur als Teilstück zu sehen: Die SED-Diktatur werde als "längste und uns am nächsten liegende Epoche" insgesamt den größten Raum einnehmen.

Auch der Beirat des Dokumentationszentrums unterstützt, dass die Schau über die NS-Justiz zuerst realisiert wird. "Die chronologische Erarbeitung in Teilen ist völlig richtig", erklärt der Beiratsvorsitzende Dr. Martin Schoebel, Direktor des Landeshauptarchivs in Greifswald. Eine Beurteilung sei erst nach Fertigstellung der Gesamtschau möglich. Von Vernachlässigung der SED-Opfer durch das Dokumentationszentrum könne keine Rede sein: Die Außenstelle imehemaligen Rostocker Stasi-Gefängnis sei ausschließlich den Verbrechen des MfS gewidmet.

Schweriner Volkszeitung

21.01.2003
Land ehrt Nazi-Opfer mit Werken ermordeter Musiker - Ringstorff eröffnet Ausstellung über politisches Strafrecht

Schwerin (ddp). Mit zwei Konzerten will der Landesverband des Vereins "Jeunesse Musicales" am 27. Januar de r Opfer des Nationalsozialismus gedenken. In der Landeshauptstadt Schwerin und in der Hansestadt Rostock soll jeweils ein Konzert vorwiegend mit Werken von Komponisten stattfinden, die in Konzentrationslagern des "Dritten Reichs" umgekommen sind. Präsentiert werden die Vorstellungen von Preisträgern des zweiten bundesweiten Wettbewerbs "Verfemte Musik", wie der Vorsitzende des "Jeunesse Musicales"-Landesverbandes, Volker Ahmels, gestern in Schwerin ankündigte. An den Konzerten wirken demnach auch Teilnehmer des vierten internationalen Meisterkurses "History, Music & Rememberance" vom vorigen Jahr in Schwerin mit. In der Landeshauptstadt Schwerin beginnt das Konzert zum Gedenken der Nazi-Opfer um 20 Uhr im neuen Konzertfoyer des Mecklenburgischen Staatstheaters. In Rostock startet die Veranstaltung bereits um 18 Uhr im Max-Samuel-Haus. Im Justizgebäude der Landeshauptstadt eröffnet zudem Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) am selben Tag im Dokumentationszentrum den ersten Teil einer Dauerausstellung für die Opfer deutscher Diktaturen.

Nach Angaben der Leiterin der Schweriner Landeszentrale für politische Bildung, Regine Marquardt, ist die Ausstellung der politischen Instrumentalisierung des Strafrechts während der Zeit des Nationalsozialismus gewidmet.

Nordkurier

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