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16.01.2003
Toleranz steht auf dem Stundenplan - Immer mehr ausländische Schüler lernen in der Bad Doberaner Buchenberg-Schule
Bad Doberan (OZ) Sich einmal in die Situation eines Fremden versetzen, weit weg von der Heimat, Freunden und Verwandten - darin bestand der Sinn einer Unterrichtsstunde ganz anderer Art gestern an der Buchenberg-Schule. Im Gespräch mit dem Armenier Antonian erhielten die Zehntklässler einen Einblick in die Sichtweise der Asylanten, Aussiedler und Gastarbeiter anderer Nationalitäten.
Vor mehr als neun Jahren kam der einstige Philosophielehrer mit seiner Familie als Asylsuchender nach Deutschland. Unter einer totalitären Regierung, die freies und individuelles Denken, Äußern und Handeln nicht zuließ, konnte sich der damals 33-Jährige seiner nicht mehr sicher fühlen und fällte somit die folgenschwere Entscheidung, die Heimat hinter sich zu lassen und nach Deutschland zu gehen. Seine Erlebnisse, Erfahrungen und Emotionen seitdem hielt der Familienvater zunächst in einem Tagebuch fest. Später entstand aus diesen Niederschriften das im Jahr 2000 erschienene Buch mit dem Titel "Die Kinder des erfrorenen Hauses". Im Dialog mit dem Schriftsteller und durch seine Erzählungen wurden die Jugendlichen angeregt, eigene Vorurteile kritisch zu überdenken und sich noch mehr in Akzeptanz gegenüber Menschen anderer Kulturen zu üben, damit "die Fremden nicht nur unter uns, sondern auch mit uns leben", wie es Antonian sagte.
Für die Schüler der Regionalen Schule ist das Thema auch Alltag: 21 unter ihnen sind Aussiedler und bereits fest integriert. Seit zwei Wochen lernen weitere 15 Schüler asylsuchender Familien unter anderem aus der Türkei, Aserbaidschan, Armenien, Bulgarien, Irak und Herzegowina mit ihnen.
Während die Asylanten auf Grund politischer Verfolgung im Heimatland auf Bleiberecht in Deutschland hoffen, sind Aussiedler eine nationale Minderheit, die über Jahrhunderte in geschlossenen Siedlungen im europäischen Teil des Russischen Reiches lebte. Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion im Juni 1941 wurden sie von Stalins Propaganda diffamiert, die Pflege deutscher Sprache und Kultur ihnen verboten. Dadurch wurden viele ihrer deutschen Wurzeln entfremdet.
Ostseezeitung-Bad Doberan
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