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14.01.2003
Menschen waren nur noch Nummern - Herder-Schüler sprachen mit Zeugen der Nazi-Zeit - Zwangsarbeit im Ostseeraum als Schulprojekt
Lankow "Zwangsarbeit im Ostseeraum 1939 - 45" lautet das Thema der Projekt- und Wahlpflichtkurse an fünf Schulen in Mecklenburg-Vorpommern. Anlässlich einer daraus entstandenen Wanderausstellung lud das Herder-Gymnasium drei Zeitzeugen ein.
Das Ergebnis vieler Stunden harter Arbeit ist eine Wanderausstellung von Schülern für Schüler, die erstmalig in Rostock eröffnet wurde. "Wir wollten die Schüler intensiv und verständlich mit der Geschichte in der näheren Umgebung vertraut machen", sagt ein Schüler des Herder-Gymnasiums. In diesem Jahr werden die bislang 20 Ausstellungstafeln auch in Schwerin zu sehen sein. Die Geschichte hinter den Schautafeln vermittelten den Herder-Gymnasiasten jetzt drei Zeitzeugen.
Gefangene eingepfercht
Fridl Fritz (83) berichtete von ihren grausamen Erfahrungen als Insassin dreier Konzentrationslager. Da sie aus einer Zirkusfamilie stammte, musste sie von 1941 bis 1943 in Oranienburg in einer Gasmaskenfabrik arbeiten. Am 7. März 1943 wurden sie und ihre Familie von der Gestapo verhaftet und nach Auschwitz gebracht. Die dortigen Bedingungen waren menschenunwürdig: Acht bis zehn Menschen mussten eingepfercht auf vier Quadratmetern leben.
Nachdem jeder tätowiert wurde, hatte der Name keine Bedeutung mehr; von nun an gab es nur noch Nummern - und zwar unvorstellbar viele: Im Lager waren etwa 28000 bis 30000 Menschen untergebracht. Harte Arbeit, schlechte Verpflegung und schwere Krankheiten, wie Flecken- und Hungertyphus forderten zahlreiche Opfer. Nur 6000 überlebten das erste Jahr.
Von Auschwitz wurde die heute 83-Jährige nach Ravensbrück verschleppt. Danach war sie als Zwangsarbeiterin wenige Wochen in einem Außenlager des KZ Buchenwald beschäftigt.
Arthur Krüger (95) lebte auf Usedom, wo er in der Arbeiter-Sport-Bewegung aktiv war. Er wurde 1933 aus politischen Gründen verhaftet und in ein Arbeitslager in Pommern gebracht. Danach arbeitete er bis zum Kriegsende in Rüstungsprojekten in Pommern, Österreich und am Bodensee.
Gelungene Veranstaltung
Heinrich Handorf (77) las aus seiner Erzählung "Ut de Franzosentid", die von seinen Jugenderlebnissen handelt. Er erlebte, wie französische Kriegsgefangene in der Tischlerei seines Vaters Zwangsarbeit leisten mussten. Es ging ihnen, im Gegensatz zu den russischen Zwangsarbeitern, relativ "gut".
Alle Beteiligten trugen dazu bei, dass es eine sehr gelungene, interessante und aufschlussreiche Veranstaltung des Herder-Gymnasiums wurde.
Schweriner Volkszeitung-Schwerin
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