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14.01.2003
"Mein Vater ist ermordet worden" - Ehemaliger Ferdinandshofer Kaufmann Karl-Albert Kraft erinnert sich
Ferdinandshof (gh). "Mein Vater ist nicht hingerichtet, sondern ermordet worden", sagt Karl-Albert Kraft. Er übernahm 1954 das Kaufhaus in der Ferdinandshofer Straße Am Markt und führte es bis 1986.
Das Gebäude war als historisches Fotorätsel in der Haff-Zeitung abgebildet. Viele Leser erzählten daraufhin von der Geschichte dieses Hauses und von Personen, die diese Geschichte mitschrieben. So auch von Albert Kraft, dem Vater des heute 75 Jahre alten Karl-Albert Kraft. "Die Schaufenster des Kaufhauses wurden nicht eingeworfen", korrigiert der Ferdinandshofer. "1938 wurde eine Fensterscheibe der Wohung der jüdischen Familie Pless eingeworfen", stellt Karl-Albert Kraft richtig. Kurze Zeit später seien die Juden aus Ferdinandshof verschwunden gewesen. "Herr Pless hatte zuvor zu meinem Vater gesagt, er soll das Kaufhaus übernehmen", erzählt der Ferdinandshofer. Pless habe gemeint, dass Albert Kraft das nötige Fachwissen hätte, um ein Kaufhaus erfolgreich führen zu können. So habe Albert Kraft das Haus dann 1938 käuflich erworden.
Nach dem Krieg seien nicht nur Albert Kraft und der Lehrer Bader von den Russen abgeführt worden, sondern weitere vier Personen. "Das waren ein Zahnarzt aus Torgelow und drei deutsche Soldaten", ergänzt Karl-Abert Kraft. "Alle sechs sind dann im Wald nahe Heinrichsruh erschossen worden."
1990 habe Familie Kraft die Exhumierung der sterblichen Überreste der Erschossenen beantragt. Heute hat Albert Kraft auf dem Friedhof in Ferdinandshof neben dem Grab seiner Frau die letzte Ruhe gefunden. Das ehemalige Kaufhaus, das heute als Schandfleck angesehen wird, ging nach 1990 an die Erben der Familie Pless zurück. Die verkauften es 1998 an einen Makler aus Worms, weiß Familie Kraft. Den Krafts hingegen habe man eine Entschädigung zugesichert.
Nordkurier-Ueckermünde
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