|
14.01.2003
Ausstellung über fast vergessenen Terror - Dokumentation zu Jugend-KZ bei Anklamer Verein "In Via"
 | Über 30 Leute waren gestern Abend zur Ausstellungseröffnung gekommen. Die Dokumentation über die Jugend-Konzentrationslager ist bis zum 24. Januar bei "In Via" in der Friedländer Straße zu sehen |
Anklam (ab). "Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben" - diese Ausstellung ist seit gestern in den Räumen des Vereins "In Via" in der Friedländer Straße 44 zu sehen, aber nicht zum ersten Mal in Anklam. Bereits im Jahr 2000 haben über 700 Gäste die Dokumentation über die Jugend-Konzentrationslager Uckermark und Moringen im "Haus der Bildung" besucht. "Aber mittlerweile ist eine Generation nachgewachsen", sagte Eckard Behnke vom Kreis-Jugendamt während der Eröffnung, zu der über 30 Interessierte gekommen waren.
Initiator ist der Verein "Bunt statt Braun", der nicht nur bei "In Via" Unterstützung gefunden hat. Vereinsvorsitzender Piet Oltmanns hofft, dass vor allem viele Jugendliche die Ausstellung sehen. Denn hier geht es um das Schicksal Gleichaltriger. Zwischen zehn und 25 Jahren alt waren die jungen Leute, die in diesen Lagern "ihres Namens und ihrer Identität beraubt", wurden, "diffamiert, schwer misshandelt, zur Zwangsarbeit verurteilt. Sie haben Gleichaltrige sterben, elendig verrecken sehen", sagte Martin Ziegenhagen vom Berliner "Verein gegen Vergessen - für Demokratie", der die Wanderausstellung unterstützt. Nur weil sie nicht angepasst waren, sich verweigerten, homosexuell waren oder einfach den Wunsch nach freier Lebensgestaltung hatten, habe man die Jungen und Mädchen in den Lagern eingesperrt, die viele Jahre zu den vergessenen Terrorstätten des Regimes zählten. Die meisten Opfer würden bis heute bei Renten- und Entschädigungszahlungen diskriminiert.
Die Ausstellung spannt auf 32 Tafeln den Bogen von der Jugend im Nationalsozialismus über die Entstehung der Jugend-KZ und den Lageralltag bis hin zur jahrzehntelangen Verdrängung. Die Exposition ist an den Wochentagen von 13 bis 16 Uhr geöffnet, vormittags nach Vereinbarung für Schulen und Jugendeinrichtungen mit Führung.
Nordkurier-Anklam
|