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10.01.2003
Zeit drängt für Umbau künftiger Asylunterkunft - Trotz Protest starten Montag Gespräche zu Ex-Kriegsschule in Anklam

Anklam (OZ) Noch steht die ehemalige Kriegsschule wie im Dornröschenschlaf an der viel befahrenen B 197 in Anklam. Kaputte oder fehlende Fenster, Rußreste des Feuers aus dem Jahr 1996, eine verrammelte Eingangstür und ein dichter Zaun schirmen das Backsteingebäude ab. Doch binnen Jahresfrist soll die Immobilie, die der städtischen Grundstücks- und Wohnungswirtschafts GmbH Anklam (GWA) gehört, sich wieder mit Leben füllen. Mit multikulturellem Leben, denn hier will der Kreis ab Anfang 2004 bis zu 150 Asylbewerber unterbringen.

Nach langer erfolgloser bzw. unglücklicher Objektsuche hatte der frühere Vize-Landrat Dr. Gerwald Meesmann als nahezu letzte Amtshandlung vor seiner Pensionierung im Herbst vergangenen Jahres die Kriegsschule sowie ein Gebäude in Wolgast für den Kreis gefunden. Der saß nämlich in der Klemme. Die bisherigen Unterkünfte in Garz sowie in der Demminer Straße der Kreisstadt müssen zum Jahresende per Erlass aufgrund der Rand-Lage bzw. des schlechten baulichen Zustands geschlossen werden. Ein zunächst gefundenes Objekt in Ducherow wurde aufgrund massiver Bürgerproteste vom Kreis wieder fallen gelassen.

Ähnliche Proteste allerdings deuteten sich vor Weihnachten auch in Anklam an. Doch die örtliche CDU, die als erste mit ernsten Bedenken vorpreschte, ruderte inzwischen zurück. Das Thema sei äußerst sensibel, Hysterie wolle man nicht verbreiten, so CDU-Ortsvorsitzender Karl-Dieter Lehrkamp gestern gegenüber OZ. Politisch aber bleibe man bei der Ablehnung und werde dies auch im Abstimmungsverhalten demonstrieren, wenn ein Votum des Stadtparlaments nötig sei.

Das ist es laut Bürgermeister Michael Galander (parteilos) nicht. Der Aufsichtsrat der 100-prozentig städtischen GWA, dessen Vorsitzender Galander ist, hat bereits einer grundsätzlichen Vermietung als Asylbewerberheim zugestimmt. Am kommenden Montag beginnen mit Billigung des Kreistages Verhandlungen zwischen Ostvorpommern als potenziellem Mieter und dem Eigentümer der 1870 als Königliche Kriegsschule erbauten Immobilie. Mietpreis und Konditionen sind auszuhandeln, von denen die Sanierung der ersten beiden Etagen, die Insider auf deutlich über eine Million Euro schätzen, abhängen. Für den Kreis bliebe das kostenneutral, denn die Unterbringung der Flüchtlinge finanziert prinzipiell das Land.

Einen Strich durch die Rechnung könnte ein Bürgerbegehren machen, das Edwin Hübner, Inhaber der benachbarten Diskothek "Der Club", favorisiert. Bereits im Dezember hatte er 1200 Unterschriften gegen die Nutzung der Kriegsschule als Asylheim gesammelt. Laut Hübner ist der Standort denkbar ungünstig in unmittelbarer Nähe des Neubauviertels Südstadt mit seinen sozialen Brennpunkten. Er plant jetzt eine Einwohnerversammlung zum Thema.

Ostseezeitung-Wolgast

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