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05.01.2003
Attacke gegen eine Familie spitzt sich zu - Neuenkirchner Arzt erlebte nach Neujahrsurlaub böse Überraschung

Neuennkirchen (OZ) Familie Nikolaides hatte sich gefreut auf diesen Urlaub zum Jahreswechsel. Gut gelaunt ging es vor Weihnachten auf Reisen, um den Alltag hinter sich zu lassen, mal von der Arbeit auszuspannen. Doch die Rückkehr gestern Nacht sollte alle bösen, verdrängten Ahnungen bestätigen: Das Küchenfenster zertrümmert, die Klingel abgerissen, die Lampen links und rechts der Haustür demoliert, der Briefkasten mit einem Knaller aufgesprengt. . .

"Wir wollten unseren Augen nicht trauen", berichtet Christiane Nikolaides gestern, die mit ihrer Familie in der ansonsten ruhigen Neuenkirchner Wohnsiedlung seit 1996 lebt. Und fast seit jener Zeit müssen die Nikolaides Attacken verschiedenster Art erdulden, die sich im Laufe der Zeit zuspitzten. "Anfangs waren es nur Kleinigkeiten. Man warf uns Unrat in den Vorgarten, fuhr mit dem Rad durchs Blumenbeet, beleidigte uns verbal", erzählt die gebürtige Mecklenburgerin und fügt unter Tränen hinzu: "Mein Mann wurde als Türke beschimpft und mir warf man ähnliche Worte an den Kopf."

Nicos Nikolaides stammt aus Zypern, lebt seit 1975 in Deutschland und kam ein Jahr später nach Greifswald. Er arbeitet als Kinderarzt im Landkreis Ostvorpommern und fühlt sich wohl in unserem Landstrich. Oder sollte man besser sagen: Fühlte sich wohl? Die Attacken, die offenbar aus der rechten Szene kommen, nahmen immer groteskere Züge an. Jugendliche stimmen vorm Haus das Deutschlandlied an, strecken den Arm zum Hitlergruß. Es kommt zur Anzeige bei der Polizei. "Doch es rührt sich nichts. Ging etwas kaputt, heißt es von den Beamten, es ist ja nur eine Sachbeschädigung", meint Nicos Nikolaides zynisch und schüttelt den Kopf. Noch allzu gut erinnert er sich an den Vorfall im Sommer, bei dem seine zehnjährige Tochter eine Kopfverletzung davon trug. "Mein Mann wollte einer Frau helfen, die ein Jugendlicher auf der Straße vor unserem Haus nicht vorbeiließ. Die Folge war, dass der mit Steinen warf. Einer traf unsere Tochter", so Frau Nikolaides, die seither nur müde lächeln kann, wenn jemand die vielbeschworene Zivilcourage fordert.

Auch damals wie heute gab die Familie die Sache zur Anzeige bei der Polizei. Die Eheleute können und wollen es nicht verstehen, warum sie zur Zielscheibe gewalttätiger Jugendlicher wurden. "Deshalb wollen wir die Menschen wachrütteln. Es kann doch unmöglich sein, dass die Gedankenlosigkeit einzelner Heranwachsender von allen anderen einfach so hingenommen wird", sagt Christiane Nikolaides. Noch haben sie und ihr Mann den Glauben an ein friedliches Zusammenleben nicht aufgegeben.

Ostseezeitung-Greifswald

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