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03.01.2003
Kirchengemeinde will Asylbewerber betreuen - Dezentrale Unterbringung auf Rügen beabsichtigt

Sassnitz (OZ) "Wir wollen uns bewerben", sagt Thurid Pörksen von der Evangelischen Johannisgemeinde in Sassnitz. Die Pastorin würde gerne den Betreuungsauftrag des Landkreises Rügen für die Bewohner eines Asylbewerberheimes auf der Insel übernehmen. "Unsere Kirchengemeinde oder das Unternehmen Sassnitz möchte sich gerne um diese Menschen kümmern. Wir verfügen über genügend gute Sozialpädagogen, um eine qualifizierte Betreuung sicherzustellen", meint die Pfarrerin, die auch Neuerungen vorschlägt.

Thurid Pörksen ist davon überzeugt, dass eine dezentrale Unterbringung mit gleichzeitiger Betreuung ein menschlicheres Wohnen bietet, als dies derzeit gescheht. "Es gibt konkrete Richtlinien für die Versorgung von Asylbewerbern, und diese werden nicht eingehalten", behauptet Pörksen.

Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen

Dem widerspricht der zuständige Sachgebietsleiter im Kreissozialamt. "Die Betreuung wird gemäß den Richtlinien des Landes Mecklenburg-Vorpommern von der Firma European Homecare aus Essen durchgeführt", sagt Michael Thieme. Die Betreuer würden bei Problemen beraten, Arzttermine begleiten und den Heimbetrieb aufrechterhalten. Die kulturellen und ethnischen Besonderheiten der Bewohner aus unterschiedlichsten Nationen zu koordinieren, sei allerdings nicht einfach, räumt Thieme ein. "Aber es spricht nichts gegen eine Beteiligung der Kirchengemeinde an der nächsten Ausschreibung. Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen", stellt der Sachgebietsleiter klar.

Seit Jahren enge Zusammenarbeit

Seit vielen Jahren existiert bereits eine Zusammenarbeit mit der Sassnitzer Kirchengemeinde. Im Deutschunterricht, bei der Klärung individueller Probleme und der Vermittlung von Arbeitsplätzen arbeite man zusammen.

Vorstellbar sei eine Anmietung leerstehender Wohnungen für jeweils eine Familie in Sassnitz, meint die Pastorin. "Verschiedene Kulturen könnten so unsere Stadt beleben. Eine Buntheit und Vielfalt könnte entstehen", so Thurid Pörksen.

63 Personen werden derzeit in 12 Wohnungen auf Rügen bereits dezentral untergebracht. "Bis jetzt gibt es keine großen Probleme, aber Integration ist ein langwieriger Prozess", weiß Thieme. Um diesen zu fördern, könne die Erdgeschosswohnung in Wohnblöcken zu einem integrierenden Nachbarschaftstreff für die Mieter umgebaut werden, so eine weitere Idee der Johannisgemeinde. Zur Zeit werde vom Landkreis ein Platz im Wohnheim, die Betreuung und Kleidung für die Asylbewerber bezahlt. Da sei eine günstige Wohnung bestimmt nicht teurer, meint Pörksen und schlägt vor, dass die Kleider fortan auch bei den "Grünen Damen" genäht werden könnten.

Ein Betreuungsvertrag wird immer für zwei Jahre vergeben. Wahrscheinlich erst im Verlauf des kommenden Jahres wird erneut über die Vergabe der Betreuungsleistung für die Asylbewerber im Landkreis entschieden.

DIETER BAUER

Ostseezeitung-Rügen

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